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Die Wahrheit des Wortes

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Die wahren Brandstifter von Ludwigshafen

11. Februar 2008

Wenn man genau hinschaut, muss man nicht lange suchen, um die wahren Brandstifter von Ludwigshafen zu erkennen. Es geht hier nicht darum, dass es, wie es zur Zeit ausschaut, nicht der rechte Mob war. Es geht auch nicht um die eigentliche Ursache des fatalen Feuers, sondern viel mehr um die geistigen Brandstifter. Vor allem aber sollte der Fokus eigentlich viel mehr auf die Betroffenen dieses Drama gerichtet sein, deren unser aller Mitleid und unsere Anteilnahme gehören sollte. Dem ist aber vielfach nicht so und dies liegt an den weiteren Verlierern dieses Dramas. Dies sind wohl, nicht nur meiner Meinung nach, die Politik, die Medien und das Thema Integration. Leider ist auch so etwas heute nicht mehr überraschend.

Wenn es in Deutschland brennt

Neun Menschen verstarben am 03. Februar in Ludwigshafen. Ein Haus brannte völlig aus, dies ist einfach nur eine Katastrophe aber leider reicht dies scheinbar im heutigen Quotenzeitalter nicht mehr aus. Also musste ganz schnell mehr her und so makaber es klingt, ist es da natürlich positiv für die Medien, dass es sich bei den Brandopfern um Menschen mit einem Migrationshintergrund handelte. So dauerte es nicht lange, bis erste Stimmen, sowohl auf Seiten der türkischen, wie aber auch auf Seiten deutscher Medien laut wurden und einen rechtsradikalen, fremdenfeindlichen Hintergrund erkannten. Zwei kleine Mädchen sagten aus, sie hätten einen Mann zündelten im Hausflur gesehen und schon war fast ein zweites Solingen geboren.

Es ist oft die Rede von Vorurteilen, wenn es um Straftaten mit Beteiligung junger, südländischer Ausländer geht. Wenn ein Haus brennt, klingt es weniger nach Vorurteil, als viel mehr nach einer Selbstverständlichkeit, dass es Täter aus dem rechten Milieu sein müssten. An dieser Stelle differenziert man einfach nicht so tiefgehend. Die Gefahren solch schneller Urteilsfindung ohne klare Fakten, spürte man nun sehr deutlich und da waren Beschimpfungen von Rettungskräften, die unter dem Einsatz ihres Lebens Menschen retteten, noch das harmloseste. Denn die Situation schaukelte sich natürlich immer weiter hoch. Um Ermittlungszweifeln von vorne herein den Boden zu nehmen, wurden sogar Ermittler aus der Türkei problemlos zu gelassen und all dies sollte erst der Anfang sein.

Wahlkampf

Wie leider allzu oft, war bald die menschliche Ebene verlassen und es ging wieder Mal nur noch um Schlagzeilen und Politik. Es war die Rede von Naziparolen auf der Brandruine, was erst ein Mal wieder dementiert wurde, mit dem Hinweis, diese wären an einer Unterführung in der Nähe des Tatortes gewesen. Dann fand man aber auch noch das Wort `Hass` mit SS-Runen am abgebrannten Gebäude. Ohne dieses Wort und diesen Stil zu entschuldigen, muss man feststellen, dass dies wohl eher Schmierereien von Jugendlichen gewesen sein dürften, als der Hinweis auf ein politisches Attentat. Laut späteren Medienberichten, verstrickten sich die beiden Hauptzeuginnen in Widersprüche und die Spürhunde fanden auch erst ein Mal keine Hinweise auf Brandbeschleuniger oder ähnliches in der Brandruine. Natürlich schließt all dies noch nicht eine Brandstiftung aus, aber auch eine Brandstiftung muss noch lange keinen zwingenden politischen Hintergrund haben. Außerdem bleibt noch immer die Möglichkeit, dass die Katastrophe einfach ein Unfall war.

Als wäre bis hierher nicht schon genügend Porzellan zertreten worden, begannen die Medien zusammen mit der Politik, gleich wieder eine Grundsatzdiskussion zum Thema Integration in Deutschland und dann war da noch der Auftritt des türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan am Unglücksort. Dieser Auftritt hatte für mich schon mehr etwas von einem Wahlkampftermin, als von einem Kondolenzbesuch. Deplatzierte geht es glaube ich kaum. Im Gesamtkontext, war dann auch bald die Rede von der Zulassung von Kopftüchern an türkischen Universitäten und die Einführung, solcher in Deutschland. Hier drüber hinaus sollten allerdings auch türkische Schulen in Deutschland entstehen. Mir fallen nicht viele Dinge ein, wie man einen Staat im Staat noch besser forcieren könnte. Über all dies, rückten aber vor allem die Opfer, sowohl die Verstorbenen, wie aber auch die Verletzten und Angehörigen in den Hintergrund und dies ist eine weitere Katastrophe, nach der Katastrophe. Man hätte diese, meiner Meinung nach, verhindern können, wenn man nicht quotenorientiert und dadurch oftmals vorschnell agiert hätte.

Die Geister die sie riefen

Sowohl die Politik, wie auch die Medien müssen sich die Frage gefallen lassen, ob ein solches Verhalten menschenwürdig ist. Aber vor allem hat es gezeigt, wie sehr es die Menschen ein Mal mehr gespalten hat und genau dies galt es eigentlich doch zu verhindern. Persönlich fand ich auch die Absetzung des ARD-Tatortes, der im türkischen Milieu spielen sollte, mehr als falsch, denn auch so etwas könnte von mancher Seite wieder, als ein Zeichen in eine falsche Richtung interpretiert werden Für mich bleiben am Ende, Teile der deutschen, wie auch der türkischen Politik und Medien, als die eigentlichen geistigen Brandstifter in Ludwigshafen und man kann nur hoffen, dass sie mit den Geistern, die sie riefen, auch klar kommen und nicht dann wieder meinen, anderen die Schuld geben zu müssen.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik

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