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Die Wahrheit des Wortes

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Die verlogene Gesellschaft

16. Oktober 2008

Erfolg ist alles was zählt. Das ist die Maxime unserer Zeit und dem hat sich alles andere unterzuordnen, ob es einem gefällt oder nicht. Diese Aussage alleine lässt schon weitreichende Diskussionen zu aber dies soll nicht Thema dieses Artikels werden. Es geht viel mehr darum, welche Auswüchse diese Maxime in unserer heutigen Gesellschaft bewirkt. Denn, wenn es nur noch Gewinner in dieser unseren Gesellschaft geben darf, bleibt die Frage, was mit den nicht so erfolgreichen geschieht bzw. wie diese sich verhalten. Sehr schöne Beispiele hierfür finden wir gerade im Moment wieder in vielen Bereichen von der Politik über die Wirtschaft bis hin zum Sport.

Vergessen ist keine Lüge

Weltwirtschaftskrise, Rezession alles Begriffe die seit Wochen absehbar und kalkulierbar waren aber trotzdem ging man, gerade von Seiten der Politik, hin und verneinte jegliche Frage in diese Richtung oder aber man verschwieg das Thema einfach. Nach und nach kommt man nun scheibchenweise, wie man es heute so gerne nennt, über die Rezession zur Weltwirtschaftskrise. Viele Fakten in diesem Kontext, wie zum Beispiel fehlende Binnenkonjunktur oder sinkende Auftragszahlen und dies schon über einen längeren Zeitraum, werden dabei gerne ein Mal von Seiten der Wirtschaft oder auch der Politik vergessen. Natürlich würde uns niemand dieser nett gekleideten, smarten Herren die Unwahrheit erzählen. Nehmen wir das Beispiel Hypo Real Estate (HRE), da taucht über Nacht ein riesiges Loch in der Bilanz auf aber hier von Betrug zu reden wäre scheinbar nicht korrekt. Es wurden vielleicht Fakten nicht gleich auf den Tisch gelegt aber das ist natürlich kein Betrug.

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gab dem deutschen Volk das Versprechen, dass jeder Cent des Ersparten in Deutschland sicher sei. Ein Versprechen von dem jeder wissen dürfte, dass es im Notfall gar nicht zu halten wäre. Auch hier gilt, man kann nicht von der Unwahrheit sprechen, man muss voraussetzen, dass sie es als Physikerin nicht besser weiß und es ein Zufall ist, dass diese Zusage, im Gegensatz zu der, die sie gegenüber der Finanzwelt abgegeben hat, an keiner Stelle verbrieft ist. All diese gerade genannten Fakten führen natürlich zu einer Erosion des Vertrauens in die Politik und Wirtschaft und welche Auswirkungen dies auf die Wahlen und Märkte hat, erkennt man nun immer klarer. Das politische Interesse sinkt zusehend immer weiter, wie auch die schrumpfenden Wahlbeteiligungen zeigen. Über das Vertrauen in die Märkte, im speziellen natürlich in den Finanzmarkt, dürfte mittlerweile auch jeder informiert sein.

Sieger der Herzen

Wie zu Beginn beschrieben, bezieht sich diese Problematik aber nicht nur auf die Bereiche Politik und Wirtschaft. Im Sport haben wir eine ganz ähnliche Entwicklung. Auch wenn man immer wieder versucht den Verlierer, den Zweiten dadurch aufzuwerten, dass man ihn dann gerne als Sieger des Herzens oder ähnliches bezeichnet, reicht dies vielen Sportlern ganz offensichtlich nicht mehr aus. In Spanien ermittelt man laut Berichten aus den Medien mittlerweile gegen den FC Bayern München, da spanische Ermittler durch Zufall an Hinweise gelangten, dass ein UEFA-Cup-Spiel des FC Bayern München manipuliert gewesen sein soll. Die Formel Eins wird schon lange nicht mehr auf der Rennstrecke entschieden, wo sich auch mehr und mehr Menschen fragen, ob hier alles noch mit rechten Dingen zu geht. Wie durch einen Zufall sollen 5.000 Dopingproben der Olympischen Spiele in Peking erst jetzt kontrolliert werden, wo alles Geld mit den Olympischen Spielen verdient ist aber auch ausreichend Zeit ist um bis 2012 in London alles wieder vergessen zu haben. Auch diese Fakten muss man wohl als Zufälle einstufen.

Doping ist natürlich gerade auch im Radsport ein riesiges Thema aber auch hier kann man nicht von Unwahrheiten sprechen. Denn nur weil Menschen, wie der deutsche Radsportler Stefan Schumacher oder sein österreichischer Kollege Bernhard Kohl (beide Team Gerolsteiner) bis zum Beweis des Gegenteils auf ihre Unschuld pochten, ist das offensichtlich etwas völlig Normales. All diese Fakten, die den Radsport seit Jahren verseuchen, werden auch im nächsten Jahr nichts am Fakt der Tour de France oder der Übertragung durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen ändern. Auch hier kann man nicht behaupten, es sei irgendwo gelogen worden, es sind viel mehr die Rahmenbedingungen die sich ständig ändern und so manche Fakten eben in einem anderen Licht erscheinen lassen. Im Klartext muss man einfach sagen, dass in der Politik, der Wirtschaft, im Sport und in vielen anderen Bereichen gelogen wird bis sich die Balken biegen und dies ist Gift für unsere Gesellschaft, dass sollte man niemals vergessen.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Neues aus Österreich · Politik · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 michael weber // 16. Okt 2008 at 14:46

    das schlimmste sind doch für unsere gesellschaft nicht die lügen,halbwahrheiten und halbunwahrheiten.das schlimmste ist der verlust an vertrauen.in staat,institutionen und letztlich in die mitmenschlichkeit.ich habe heute morgen meine 81jährige mutter besucht.neben vielem anderen war auch die aktuelle politik thema(mutti ist alt aber nicht doof!)und ich muss erleben das eine frau die den krieg erleben musste,diesen staat mitaufgebaut hat,kinder grossgezogen und angehörige gepflegt hat in tiefer sorge ist.sorge um das erspaarte mit dem sie doch “unter die erde will,damit ihr(die kinder)nicht alles bezahlen müsst”.in die “dicken da oben”(politiker)habe sie kein vertrauen mehr!nach 81 jahren leben kein vertrauen mehr!nach beinahe 6 jahrzehnten demokratie kein vertrauen mehr!mir treibt das die zornesröte ins gesicht,den politikern in diesem unseren land sollte es die schamröte in selbiges treiben!wenn wir die vertrauensbasis verloren haben,werden wir(unser staat)langfristig jegliche demokratische basis verlieren.was wir jezt erleben geht eben über “wirtschaftskrise” hinaus.
    michael weber

  • 2 sonntagsfrage-online.de // 16. Okt 2008 at 19:42

    Das Paradoxon der Linkspartei – Peter Sodann wird Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten

    Am 23. Mai 2009 findet die Bundespräsidentenwahl statt. Die Linkspartei hat sehr medienwirksam den Schauspieler Peter Sodann als ihren Kandidaten für dieses Amt nominiert. Bei genauer Betrachtung ist dies jedoch irritierend und es manifestiert sich das Paradoxon der Linkspartei in dieser Kandidatur. Peter Sodann, der selbst unter dem SED-Regime gelitten hat und inhaftiert war, wirbt nun ausgerechnet für die Partei, welche Rechtsnachfolgerin der SED ist. Zudem gibt es noch immer Mitglieder in den Reihen der Linkspartei, welche öffentlich das geschehene SED-Unrecht gutheißen und verteidigen. Man muss sich ernsthaft fragen, ob Peter Sodann – vorsichtig ausgedrückt – dies bewusst ist. Es bleibt zu hoffen, dass ihn diese Frage erreicht. Vermutlich schafft es die Linkspartei in den Umfragen der Sonntagsfrage obendrein, über die Popularität Sodanns Stimmen zu gewinnen. http://www.sonntagsfrage-online.de

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