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Die Wahrheit des Wortes

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Die Verlierer unter den Alten

2. Juli 2009

Alt zu sein und ein Verlierer zu sein, scheint in Deutschland auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen zu passen. Die Demografie, aber auch der einfache Blick auf die Strasse beweist uns aber auch, dass der Anteil an älteren Menschen in unserer Gesellschaft immer weiter anwächst. Gerade in Krisenzeiten verzichtet man daher oftmals gerne auf allzu negative Schlagzeilen im Kontext zu dieser immer größer werdenden Bevölkerungsschicht, auch wenn es sie ganz realistisch betrachtet haufenweise gibt. Denn diese Entwicklung, der gerade auch politisch nicht früh genug entgegen gewirkt wurde, rächt sich nicht nur immer häufiger an den Rentenkassen dieser Republik, sondern auch noch auf ganz anderen Ebenen. Es ergeben sich völlig neue Strukturen in unserer Gesellschaft, im Alltagsleben. Es scheint als würden die Karten des Lebens zum Ende hin noch einmal völlig neu gemischt und so gibt es sie bei genauerer Betrachtung doch, die Verlierer unter den Alten.

Mehr Rente und die Frage wer zahlt

Die gut 20 Millionen Rentner in der Bundesrepublik Deutschland, die natürlich auch als Empfänger von Wahlgeschenken scheinbar nicht vergessen wurden, können sich seitdem gestrigen Tage über eine saftige Rentenerhöhung freuen. Rentner erhalten somit ab sofort in Westdeutschland 2,41 Prozent mehr Rente und in Ostdeutschland sogar 3,38 Prozent mehr. Es sei ihnen gegönnt, das ist keine Frage aber bei all der Freude über steigende Renten, sollte man auch mit einbeziehen, dass das Geld irgendwo her kommen muss. Genau hier ist in der Politik in diesen Tagen immer häufiger ein großes Fragezeichen an der Tagesordnung, denn die demografische Falle schnappt immer mehr zu und die Weltwirtschaftskrise könnte dem System den Rest geben, denn auf die Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland kommt im nächsten Jahr auch noch mindestens ein Schuldenberg von über 80 Milliarden Euro zu. Die Redaktion möchte hier bewusst nicht in die Kerbe schlagen, in die einige Vertreter anderer Medien immer wieder gerne schlagen und die älteren gegen die jüngeren Menschen ausspielen. Denn genau dieser Ansatz wäre völlig deplaziert, denn beide Gruppen haben ihre Rechte, wie auch Pflichten und hier geht es um ein ausgewogenes Mittelmaß.

Natürlich haben immer mehr junge Menschen ein Problem in der heutigen Zeit finanziell über die Runden zu kommen. Nicht umsonst geht der Trend zum Zweitjob. An diesem Fakt wird sich auch so schnell nichts mehr ändern, eher ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend noch verstärken wird. Die Arbeitslosenzahlen bleiben im Moment ansatzweise positiv, allerdings muss man auch hier berücksichtigen, dass das Kurzarbeitergeld gerade auf zwei Jahre verlängerte wurde. Über die Frage, was danach kommt, mag man besser nicht nachdenken. Denn sollten sich die vermeintlichen Eliten und Experten dieses Landes wieder einmal verrechnet haben, was auch niemanden mehr wirklich überraschen dürfte, schlägt dieser Hammer wohl erst nach der Bundestagswahl voll ein. Aber auch diese Fakten stellen wir an dieser Stelle zurück und bleiben noch etwas bei den älteren Menschen in unserer Gesellschaft, die allzu oft und gerne auch in der Krise, als die Gewinner dieser dargestellt werden. Man sieht sie in den Medien immer wieder, sie reisen, sie stützen das gebeutelte deutsche Wirtschaftssystem durch die Produktion eines großen Anteils des Binnenkonsums und sind als Zielgruppe immer häufiger gerne gesehen. Aber dies ist nur die eine Seite der Medaille.

Alt und krank

Die andere Seite der Medaille ist die, dass es auch immer mehr pflegebedürftige Menschen gibt, die versorgt werden müssen und hier sprechen wir, so zynisch es klingen mag, zuerst einmal wieder von Kosten und zwar in einem nicht unerheblichen Umfang. Außerdem kommt hinzu, dass diese Gruppe nicht mehr interessant im Konsumbereich ist, da sie eben oftmals sehr eingeschränkt sind. Hier nähern wir uns der Gruppe der Verlierer unter den Alten an. Der Zustand in vielen Pflegeeinrichtungen und auch der Umgang mit den Menschen dort zeigt, dass das Interesse an ihnen minimal ist und deshalb im Bereich ihrer Pflege oftmals menschenunwürdige Verhältnisse herrschen. Es scheint als zeigt die Gesellschaft hier ganz deutlich, dass solche Menschen in einem scheinbar völlig von der Wirtschaft gesteuerten System keinen Platz mehr haben. Um nun die letzten Lebensjahre vieler Menschen schöner oder zu mindestens halbwegs menschenwürdig zu gestalten, unternimmt die Bundesregierung immer wieder, mit verschiedene Schritte in Form von diversen Reformansätzen, Verbesserungsversuche. Federführend ist hierbei die Chefin des Gesundheitsministeriums, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Ihr neuster Ansatz auf diesem Gebiet ist der so genannte Pflege-TÜV der seitdem gestrigen Tag eingesetzt werden soll. In diesem Rahmen sollen bis 2011 alle 11.000 Heime und die über 11.000 ambulanten Pflegedienste in Deutschland kontrolliert werden und nach 82 Kriterien mit Schulnoten bewertet werden. Nach diesem ersten Schritt, soll es dann zu einem regelmäßigen, flächendeckenden jährlichen Check kommen.

Diese Entwicklung aus der Politik heraus klingt natürlich erst einmal außerordentlich positiv und man möchte einfach nicht darüber nachdenken, wie vielen Menschen mehr man hätte helfen können, wenn man zeitnah genug auf diese Entwicklung reagiert hätte. Nun stellt man natürlich auch immer wieder fest, wie weit Politik scheinbar von der Realität entfernt ist und dies zeigt sich natürlich auch wieder in diesem Bereich. Ulla Schmidt (SPD) beweist leider auch an dieser Stelle wieder, dass sie ganz offensichtlich nicht alles berücksichtigt hat. So weisen Experten nun auch direkt daraufhin, dass das Bewertungssystem nach Schulnoten große Mängel aufweist, denn die Art und Weise wie hier geprüft werden soll, beinhaltet große Risiken, die wohl zu einer massiven Verzerrung der einzelnen Ergebnisse führen kann. Die Antwort auf die Frage, wie so etwas überhaupt passieren kann, ist ganz einfach gegeben. In der Bewertung, der eben angesprochenen 82 Kriterien, werden diese gegeneinander verrechnet. Dies bedeutet, geht in einem Pflegeheim die Pflege der Bedürftigen in den Bereich des Menschenunwürdigen, kann man dies zu Beispiel mit einer guten Dokumentation ganz leicht wieder ausgleichen. Von diesen erschreckenden Fakten abgesehen, bleibt natürlich auch die Frage, wie diese Prüfungen überhaupt abgewickelt werden. Man kann nur hoffen, dass sich durch diese Maßnahme der Zustand für diese Menschen wirklich nachhaltig verbessert und all dies nicht irgendwann wieder einschläft, schließlich ist es ein Problem, welches immer weiter anwächst und irgendwann einmal jeden betreffen könnte.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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