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Die Wahrheit des Wortes

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Die Topkiller von BP

3. Juni 2010

Nun ist, nicht ganz überraschend, am letzten Wochenende auch das Projekt Top Kill von BP im Golf von Mexiko gescheitert. Seit voriger Woche Mittwoch hatte BP versucht die Leckage des Bohrlochs mit einem, auch nicht gerade als gesundheitsförderlich einzustufenden Schlammgemisch, zu verschließen, musste dann aber am Samstag einräumen, dass auch dies wieder nichts gebracht hatte. Damit bleibt BP auch weiterhin der Topkiller, was den Lebensraum im Golf von Mexiko angeht. Es ist einfach nur unfassbar, was BP nun schon seit Wochen an Chemikalien in dieses wichtige Ökosystem pumpt ohne das es die Problematik nachhaltig löst, von den Millionen Litern an Öl einmal ganz zu schweigen. Würde man es nicht gerade selbst erleben, würde man glauben, dass kein Konzern auf dieser Erde den Planeten so massiv angreifen darf, ohne das jemand etwas dagegen unternimmt. Der umwelttechnische Schaden ist noch nicht einmal im Ansatz abzusehen, es bleibt nur zu vermuten, dass er finanziell kaum auszugleichen sein wird. Also sollte man vor allem auch darauf achten, dass so etwas in der Zukunft nicht mehr passieren kann.

Obama und das schwarze Gold
Umweltschutz im ganz allgemeinen ist ein Thema, welches sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer mehr etabliert hat, dies ist natürlich erst einmal sehr gut aber man muss auch darauf achten, wo und vor allem wie er sich oftmals etabliert hat. Man darf nicht den Fehler machen und nun glauben, dass irgendwelche Entscheider dieser Welt plötzlich wirklich daran denken ein grünes Herz zu bekommen. Umweltschutz ist in sehr vielen Fällen da angesagt, wo man meint Geld damit verdienen zu können, ist diese Option erfüllt, wird man auch gerne auf diesem Gebiet aktiv, ansonsten geht es weiter wie bisher. Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist da ein sehr gutes Beispiel, denn hier von Umweltschutz zu sprechen, kann wohl kaum irgendjemand in Betracht ziehen. Hier wird die Natur einfach so im großen Stil vernichtet, weil man es nicht für nötig hielt, sich auf ein solches Szenario vorzubereiten und es gab offensichtlich auch keinen politischen Druck dies zu tun. Dies zeigt natürlich auch, wie es tatsächlich mit der grünen Verantwortung in der Politik in den USA aussieht und dies lässt auch für die Zukunft nichts Gutes erahnen.

Barack Obama, der in der Rolle des Krisenmanagers bislang völlig versagte, da er doch die meiste Zeit abgetaucht ist, was sonst so gar nicht die Art des Medienmenschen Obamas ist, verkörpert im Moment die amerikanische Politik, trotzdem versucht man ihn aus der Schusslinie zu holen. Wenn es um Öl geht ist noch immer George W. Bush der Buhmann der Nation, dass dieser aber schon lange nicht mehr regiert und man sich Fragen muss, warum Obama und seine Regierung nicht schon früher begonnen haben, den Sumpf, den es hier im Kontext des schwarzen Goldes gibt, trocken zu legen, bleibt offen. Warum Obama bis zum heutigen Tage zu defensiv mit den Managern von BP umgeht, bleibt ebenfalls offen. Als Fakt muss man allerdings ansehen, dass Barack Obama ein großes Interesse am schwarzen Gold hat und auch hier Kapital vor der Umwelt kommt. Von einem großen Wandel in der US-Politik kann man hier nun wirklich nicht sprechen. Es ist schön, dass Obama immer wieder Hilfe für die Opfer zusagt aber er sollte ebenso entschlossen gegen BP kämpfen und hier setzte er und seine Regierung sich bislang nicht im Ansatz durch. Ein weiteres Zeichen, welches Signalwirkung für die Protagonisten in der Wirtschaft haben dürfte.

Eine Atombombe für den Golf von Mexiko
Da BP, wie gerade geschildert, im Golf von Mexiko scheinbar tun und lassen können was sie wollen, darf man mit Spannung die weiteren Schritte im Kampf gegen das Leck in 1.500 Metern Tiefe beobachten. Da BP scheinbar im Bereich der Katastrophenprävention ordentlich gespart hat, hat man nun natürlich ein massives Innovationsproblem und hat deshalb auch schon an den verschiedensten Stellen die Internetgemeinde um Hilfe gebeten. Übrigens auch ein Sachverhalt im Kontext eines Weltunternehmens, den man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen muss. Ein Vorschlag war es wohl auch, das Loch durch die gezielte Sprengung einer kleinen Atombombe zu verschließen. Vielleicht sollte BP dies auch noch ausprobieren, nachdem man das Gebiet nun chemisch schon in nie da gewesener Weise verseucht hat, wäre eine atomare Verseuchung durch den Ölgiganten wirklich mal eine Abwechslung und der Golf von Mexiko scheint mittlerweile so oder so das größte Testlabor des Ölmultis zu sein. Wahrscheinlich würde Barack Obama einen solchen Schritt auch wieder Rügen und den Menschen vor Ort die Hilfe der US-Regierung anbieten, die Nationalgarde könnte dann beginnen Strahlenschutzanzüge zu verteilen, auch das wäre etwas völlig Neues.

Man muss sich auch immer überlegen, wie groß der Raum ist, der hier gerade ökologisch vernichtet wird und man darf nicht glauben, dass sich diese Verseuchung, welcher Art auch immer, nur auf den Golf von Mexiko bezieht. Diese Katastrophe wird an negativer Nachhaltigkeit schwer zu überbieten sein und man sollte sich nicht wirklich wundern, warum sich Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs auch in Zukunft noch weiter ausbreiten werden, da sind die Verluste der Jobs in der Fischerei-und Tourismusbranchen noch ein verhältnismäßig kleines Problem. Die Ausmaße dieser Katastrophe werden wohl erst dann im vollen Umfang zu erkennen sein, wenn Barack Obama kein Präsident mehr ist. Man sollte aber aktuell schon darauf hinweisen, welche Rolle er bei dieser Katastrophe gespielt hat, denn er hat viel, wahrscheinlich sogar zu viel, Lob für all seine Visionen und Träume bekommen und scheitert nun gerade ganz offensichtlich an der Realität und so wichtig Visionen und Träume auch sein mögen, ist die Realität erst einmal wichtiger, wie sich gerade an der Südküste der USA zeigt. Es scheint sich aber auch weiterhin zu beweisen, dass Obama kein Freund der Realität ist, ob ihn das als Präsident der USA wirklich auszeichnet, darf mehr als bezweifelt werden.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 4 Kommentare ↓

  • 1 Cornelius Rinne // 3. Jun 2010 at 07:54

    Ich glaube ein riesen Problem an der meiner Ansicht nach zu geringen gesamten Teilnahme an der Lösung und auch der medialen Berichterstattung ist, das permanent von Umweltschutz geredet wird und nicht davon, dass es um Weltschutz geht. Diese kleine Änderung hat zwei wichtige Aspekte. Erstens geht es bei Weltschutz um eine tatsächlich globale Betrachtungsweise und nicht nur das mich umgebende. Gefühlt ist ja der Golf von Mexico nicht meine Umwelt sondern die Umwelt der Amerikaner besser noch der Anrainer der Südküstenamerikaner. Zweitens beinhaltet Weltschutz auch einen Blick auf das moralische, ethische und Verantwortung nehmende Handeln von Menschen, Firmen und Staaten. Denn in der monetär geprägte Wertvorstellung liegt ja das eigentliche Problem. Wenn wir anfangen über Weltschutz zu reden fangen wir vielleicht auch an Dinge früher zu bewerten und dies eben nicht monetär.

    Dies alles löst aber in keiner Weise das akute Problem. Da ist ein Loch in 1500 Metern Wassertiefe wo ein Wasserdruck von ca 150 bar herrscht und aus einer angebohrten Ölblase strömt mit noch höherem Druck Öl ins Meer. Wer bitte berechnet den solche Umstände und wie soll so etwas überhaupt kontrollierbar sein? Allein Genehmigungen für solche Aktionen zu geben halte ich für strafbar.

  • 2 Stefan Braun // 3. Jun 2010 at 09:57

    Gilt nicht für die meisten von uns, dass wir uns nicht dafür interessieren, wo das Zeug herkommt, solange alles gut geht? Bestimmen nicht (auch) wir Verbraucher über unsere Kaufgewohnheiten, was sich lohnt und was nicht? Solange immer alles billig sein muss, wird auch billig produziert werden. Billig jeweils nicht im Sinne von preiswert, um das ganz deutlich zu machen.

    Und ist es nicht zu einfach, von Obama zu erwarten, dass er auf allen Gebieten glänzt? Er soll den Weltfrieden schaffen, die Wirtschaft wieder in Gang bringen, soziale Verbesserungen bringen (Krankenversicherung) und jetzt auch noch BP auf die Finger schauen. Wenn man all die Probleme anschaut, die momentan zu lösen sind wird klar, dass das gar nicht gehen kann. Schon gar nicht in der doch noch recht kurzen Zeit. Und überhaupt nicht von einer Person!

    Dass in dieser Sache wenig Präsenz zu verzeichnen ist, stimmt natürlich. Aber was wäre zu erwarten? Was würden wir uns von ihm wünschen?

    Für mich greift es viel zu kurz, dieses Problem auf Obama abzuladen. Denn das ist kein Problem der Amerikaner allein. Sieht man schon daran, dass es ein europäischer Konzern ist, der hier verantwortlich ist.
    Aber auch daran, dass auch anderswo im Meer und auf demLand nach Öl gebohrt wird. Wird da überall …. umweltbewusster gearbeitet? Nein, natürlich nicht! Aber es ist noch kein Unfall mit so großem impact passiert – mit Öl, bei Kernenergie durchaus. Das ist alles.

    Dass solche Unfälle passieren, ist aber zu erwarten. Einfach statistisch, anhand von Risikobetrachtungen.
    Unfälle werden wir auch nie ausschließen können, Risiken gibt es immer. Damit umzugehen werden wir besser lernen müssen. Hier kommt dann auch die Politik ins Spiel. Unfälle dieser Größenordnung sollten uns nicht völlig unvorbereitet treffen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens gering ist. Wegen der _großen_Auswirkungen_ dürfen sie nicht vernachlässigt werden. Klassisches Risikomanagement also.

    Cornelius gebe ich recht, dass solche grundsätzlichen Diskussionen und auch Schuldzuweisungen das Problem in keiner Weise lösen. Eher erschweren sie die Lösung noch, weil Energie in politische Plänkeleien einfließt, wo eine Konzentration auf die Problemlösung mehr als notwendig wäre.

    Was die Berechenbarkeit angeht, stimme ich nicht so ohne weiteres zu. Klar ist aber, dass auch hierbei Risiken betrachtet werden müssen. Es war ja zu lesen, dass BP-Ingenieure bereits intern auf potentielle Probleme hingewiesen hatten. Strafbar kann die Ausstellung einer Genehmigung aber m.E. nur sein, wenn sie gegen Gesetze / Vorschriften verstößt. Sträflich dagegen vielleicht schon.

  • 3 Cornelius Rinne // 3. Jun 2010 at 10:12

    Stimmt, sträflich ist das bessere Wort.

  • 4 Martina Jäger // 7. Jun 2010 at 09:46

    das alles schreit nach erneuerbaren energien…

    jedoch auch klar, dass neue ansätze an der aktuellen katastrophe nichts ändern werden.

    diese machtlosigkeit und das schrittweise verfolgen um diese umweltvergiftung ist kaum zu begreifen.

    bin mir auch sicher, dass der mensch sein potential zur technologie
    nicht nutzen wird, um zu lösen,
    sondern eher um wirtschaftlichkeit zu erreichen
    bis hin
    kostengünstig zu produzieren, auch wenn schwachstellen entstehen.

    profitgier einzelner vor lebensschutz aller.

    im prinzip muss sich eben auch ökonomie und ölologie grundlegend verändern.
    aber das sagt man schon lange.

    reden und handeln – auch so ne sache….

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