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Die Wahrheit des Wortes

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Die Schiene bleibt ein Risiko

1. Februar 2011

Man baut Autos die selber einparken können, Häuser die ferngesteuert sind und ein ganz Deutschland umfassendes Mautsystem mit unzähligen Kontrollbrücken und trotzdem sterben in einer solchen Zeit noch zehn Menschen bei einem Zugunglück in der Magdeburger Börde, so etwas wirft natürlich sehr viele Fragen auf. Am späten Samstagabend kollidierten auf der eingleisigen Strecke in Hordorf ein mit Kalk beladener Güterzug der Salzgitter AG und der Nahverkehrsexpress HarzElbeExpress (HEX), der auf dem Weg von Magdeburg nach Halberstadt war. Die unvorstellbaren Kräfte die bei diesem Zusammenprall wirkten, waren so massiv, dass der HEX auf einen Acker neben den Gleisen geschleudert wurde und so zynisch es klingen mag, muss man hier wohl noch von Glück sprechen, dass diese Katastrophe nur zehn Menschenleben forderte. Nun laufen die Ermittlungen und es wird lange Zeit dauern bis die tatsächliche Ursache ans Tageslicht kommt, von der Schuldfrage einmal ganz abgesehen. Es gibt nur auch in diesem Fall Indizien, die scheinbar in eine ganz klare Richtung deuten.

Sparen bis es knallt?
Festzustehen scheint, dass es auf dem Streckenabschnitt, wo es zu dem grausamen Unglück kam, noch kein Sicherheitssystem gab, welches dafür sorgt, dass beim Überfahren eines Rotsignals eine sofortige Notbremsung ausgelöst wird. Solche Sicherheitssysteme können Leben retten, fehlen aber scheinbar gerade auch in Ostdeutschland sehr häufig. Man sieht auch an solchen Fakten, wie weit man nach mehr als 20 Jahren der Wiedervereinigung noch von den oft beschworenen Blühenden Landschaften entfernt ist. Man mag an diesen Stellen auch gar nicht darüber nachdenken, wie viel Geld über den Solidaritätszuschlag oder auch über ständigen Fahrpreiserhöhungen geflossen ist. Es scheint doch so als seien diese Gelder nicht wirklich immer in die wirklich wichtigen Projekte geflossen. Auch bei der Deutschen Bahn AG kommt immer wieder der Vorwurf auf, dass auf Kosten der Sicherheit gespart wird, gerade auch im Kontext der Rentabilität für einen Börsengang. Es ist schon Zweifelhaft, wenn so etwas zu Verspätungen oder Zugausfällen führt aber im Fall des Unglücks von Sachsen-Anhalt sind Tote zu beklagen und dies kann man nicht rechtfertigen.

So lange im Bereich der Bahn Gelder für umstrittene Mammutprestigeobjekte, wie zum Beispiel Stuttgart 21 vorhanden sind, muss man hinterfragen, ob der Einsatz der Gelder wirklich in einem angemessen Maß stattfindet. Bei den ersten Spekulationen zur Unglücksursache, war auch immer wieder die Rede von den schlechten Witterungsbedingungen zum Unfallzeitpunkt, denn es war nebelig und die Temperaturen lagen im zweistelligen Minusbereich. Auch dies sind Argumentationen die man in einer hochtechnisierten Welt, in der man nun einmal lebt, kaum glauben mag. Es scheint in den verschiedensten Lebensbereichen oft keine wirkliche Frage der Technik zu sein, sondern viel mehr die Frage des Kapitals für diese Technik. Die Rentabilität zu Gunsten der Sicherheit zu verbessern sollte eigentlich in einem Staat, wo viele Existenzgründer und Kleinunternehmer von Auflagen und ähnlichem fast erdrückt werden, kaum möglich sein. Schaut man sich allerdings solche Unglücke an, scheint es nur eine Frage der Größe zu sein, um an dieser Stelle keine Probleme mehr zu bekommen. Ein Zustand der eigentlich schnellsten von der Politik bereinigt werden sollte.

Wieder keine Schuldigen?
Natürlich ist es auch hier noch viel zu früh über Fakten der Unfallursache zu sprechen und natürlich gilt auch hier erst einmal die Unschuldsvermutung, gar keine Frage aber man muss auch festhalten, dass gerade bei solchen Katastrophen, wie diesen, großartige, spürbare Strafen einfach ausbleiben. Dieses dramatische Zugunglück bei Oschersleben wird schon in einigen Tagen aus dem Fokus der Medien verschwunden sein, vielleicht gibt es dann in ein paar Wochen oder Monaten noch einmal vereinzelte Schlagzeilen zur Unglücksursache aber dann ist dieses Thema auch gänzlich erledigt, wobei natürlich der entscheidendste Punkt dann noch nicht bearbeitet ist. Wer trägt die Verantwortung und wie will man in Zukunft vorgehen, um genau solche Katastrophen zu verhindern? Denn wie gesagt, man muss davon ausgehen, dass ausreichend Kapital vorhanden ist, man müsste wohl nur die Prioritäten ändern, um für mehr Sicherheit auf der Schiene zu sorgen und somit solche Katastrophen in Zukunft zu mindestens zu minimieren. Denn solche Systemfehler, die man bedingt natürlich auch der Politik anlasten muss, zeigen ganz klar zu wessen Nachteil hier gehandelt wird.

Pünktlich zum Jahreswechsel wurden zum Beispiel auch im Rheinland die Preise im ÖPNV wieder ordentlich angezogen, diese Veränderung ist aber auch alles, denn man friert trotzdem noch in der Straßenbahn und pünktlicher ist auch zu Beginn des Jahres 2011 nichts geworden und man ahnt jetzt schon, dass zum Beispiel auch die DB im kommenden Sommer wieder völlig und ganz von diesem überrascht sein wird. Genau dies sollte man aber nicht hinnehmen und auch hier klare Zeichen setzen und wenn die Politik es nicht als ihre Aufgabe ansieht, den Bürgern bei solchen Problemen zu helfen, muss der Bürger sich halt selber helfen und auf die Strasse gehen, wie es zum Beispiel bei Stuttgart 21 der Fall ist, um beim Thema Bahn zu bleiben. Wie groß die Probleme sind, wird natürlich durch solche dramatischen Unglücke sehr deutlich aber letztendlich sieht man diese Probleme jeden Tag in Form von Streckenstilllegungen, Verspätungen, Zugausfällen oder anderen unzumutbaren Zuständen an Bahnhöfen kreuz und quer durchs Land. So lange Menschen stundenlang für teures Geld pendeln müssen, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen oder gar auf ein Auto angewiesen sind, da es keine annehmbare Lösung im Bereich des ÖPNV gibt, fragt man sich, ob Projekte wie der neue Hauptstadtbahnhof in Berlin oder eben auch Stuttgart 21 wirklich in dieser Form so wichtig sind. Genau diese Fragen sollte man nun auch im Kontext des aktuellen Unglücks einmal stellen dürfen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Wirtschaft

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