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Die Wahrheit des Wortes

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Die Risiken und Nebenwirkungen des Sports

15. Januar 2010

Es zählt nur eines und das ist der Sieg, dies sollte auch dem letzten Sportromantiker bewusst sein. Man versucht es von Zeit zu Zeit mit Begriffen, wie zum Beispiel `Meister der Herzen` oder ähnlichem aber letztendlich spricht man auch hier wieder von einem Meister und nicht von einem Verlierer. Die Begründung für diese Entwicklung liegt auf der Hand, der Sport ist in den letzten Jahrzehnten so sehr kommerzialisiert worden, dass man in der gegenwärtigen Zeit hier die selben Maßstäbe, wie in der restlichen Wirtschaftswelt auch hat.  In diesen Tagen ist es wieder sehr schön zu beobachten, wie nun die, die diesem Zirkus Tag ein, Tag aus beiwohnen damit umgehen, gerade auch dann, wenn sie nicht mehr zu den Siegern gehören. Natürlich ist es ebenso interessant, wie all dies wieder von den Medien begleitet wird und auch darum soll es hier gehen, denn natürlich haben auch die Medien ihre Mitverantwortung bei all dem, auch wenn sie sich selbst gerne als so unabhängig sehen. Dabei machen doch gerade sympathische Sieger die Quote bzw. Auflage aus.

Wenn Schokolade nicht dick macht
Ein großes Thema im gerade abgelaufenen Jahr 2009 war auch der Selbstmord des Keepers von Hannover 96 Robert Enke. Hier zeigte sich auch ganz massiv die Heuchelei, die man auch oftmals bei Sportjournalisten antrifft. Genau diese haben in den letzten Tagen auch wieder viel zu schreiben. Martin Schmitt, einer der großen Skispringer, den auch die Medien bei seinen Auftritten in Europa immer gerne begleiteten und puschten, ist am Ende. Er ist leer von all dem Magerwahn den sein Sport mit sich bringt, wie er jetzt einräumte. Da ist es schon fast purer Zynismus, dass jemand der für einen großen Schokoladenhersteller Werbung macht, plötzlich Probleme mit seinem Body Mass Index (BMI) hat, da er ständig hungern muss. Ein weiteres Opfer des harten Sportalltags, wie man nun in den Medien verfolgen kann. Ein weiteres Opfer des heutigen Sportsystems. Es fehlen förmlich nur noch direkte Vergleiche zu Robert Enke, der sich wegen Depressionen das Leben nahm, da er mit dem Leistungsdruck im Sport nicht mehr klar kam.

Fakt ist, dass diese beiden Geschichten sehr wenig bzw. gar nichts miteinander zu tun haben. Denn Robert Enke war noch immer sehr erfolgreich, als er seinen schicksalhaften und folgenschweren Entschluss fasste und dies trifft auf Martin Schmitt im Moment so gar nicht zu. Hier kommt nun der fade Beigeschmack ins Spiel, denn es ist schon merkwürdig, dass manch Sportler scheinbar Jahre lang mit den negativen Seiten seines Sports kein Problem hat aber in dem Moment, wo der Erfolg ausbleibt und sich die Aussicht auf weitere Erfolge eintrübt, kommen Krankheiten auf bzw. hatte man so oder so schon immer Probleme mit dem System. Martin Schmitt hatte seine Erfolge, gar keine Frage, aber an diese konnte er schon seit Jahren nicht mehr anknüpfen. Zu Saisonbeginn klang er auch noch hochmotiviert und stürzte dann ab und nun seine Abrechnung mit dem System des Skispringens, eine merkwürdige temporäre Verknüpfung, die man hier erkennen mag. Persönlich wirkt so etwas fadenscheinig und unseriös und das ist sehr schade, da es anderen Opfern, die es mit Sicherheit geben wird, nicht wirklich weiter helfen wird.

Auch die Medien sind entsetzt
Verfolgt man den Fall (von) Martin Schmitt in den Medien, blickt man sehr oft in schockierte und fassungslose Gesichter, bevor man zum nächsten Thema übergeht. Was davon zu halten ist, kann und muss jeder Zuschauer für sich entscheiden, vor allem wenn es in der nächsten Schlagzeile darum geht, dass Michael Schumacher mit 41 Jahren vielleicht nach 1.239 Tagen Formel Eins-Pause doch wieder Weltmeister werden soll. Nur noch zwei Monate, dann geht das offizielle Comeback in weitere Runden, sofern es vorher nicht doch wieder gesundheitliche Rückschläge geben sollte, was in diesem Kontext schließlich nicht das erste Mal wäre. Auch hier sehen wir wieder, dass scheinbar auch aus Sicht der Medien nur der Sieg zählt und selbst ein Michael Schumacher in der Formel Eins würde im Mittelfeld wohl kaum lange überleben. Aber man darf sicher sein, würde irgendetwas passieren, wären die Medienvertreter natürlich wieder entsetzt und würden nach Veränderungen rufen, wie sie es von Zeit zu Zeit immer wieder tun aber nicht zu laut, denn würde sich etwas ändern und dies dann vielleicht auch noch die eigenen Gewinnchancen schmälern, dürfte der Wille an Veränderung nur noch halb so groß sein.

Ein gutes Beispiel hierfür waren auch die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Die Welle des Entsetzens über die Missachtung der Menschenrechte in China war riesengroß. Die Tibetproblematik, ein unhaltbarer Zustand aber all dies waren keine Gründe um auf Werbeeinnahmen und Einschaltquoten zu verzichten. Diese Liste lässt sich nun unendlich lang fortsetzen, wie oft hat man gehört, dass beim nächsten Dopingfall die Berichterstattung über die Tour de France eingestellt wird und so weiter. Es scheint so, als möchte man sich hier einen moralischen Freibrief verschaffen und schön weiter von diesem System profitieren, denn wäre es nicht so, hätte man es zu einem gewissen Teil in der Hand auf das System einzuwirken. So lange man dies allerdings nicht tut, sondern ein Verhalten an den Tag legt, wie man es von den Bossen aus der raubtierkapitalistischen Wirtschaft kennt, muss man wohl auch mit dem Vorwurf der Heuchelei weiterleben können. Überall ist die Rede davon, dass sich in der Gesellschaft etwas zum Positiven verändern muss, so geschieht dies mit Sicherheit nicht, denn auch der Sport hat eine große Vorbildfunktion.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Free Tibet · Gesellschaft · Medien · Sport · Wirtschaft

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