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Die Wahrheit des Wortes

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Die Reformation und der Konsum

21. Oktober 2010

Übernächstes Wochenende ist in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf wieder Extrem-Shopping angesagt, was bedeutet die Geschäfte haben auch am Sonntag auf. Im bevölkerungsreichsten Bundesland darf an insgesamt vier Sonntagen eingekauft werden, was bei 52 Wochen, die das Jahr bekanntermaßen hat, nicht gerade die Masse ist. Trotzdem protestiert die evangelische Kirche massiv, nun muss man einräumen, dass am übernächsten Sonntag Reformationstag ist aber wenn man in den Kalender schaut, wie viele kirchliche Feiertage es gibt, ist es auch nicht schwer einen zu treffen. Erstaunlich ist nur, dass man an diesem Tag, die Neuerung, die Weiterentwicklung in der Kirche feiert und damit natürlich auch den gesellschaftlichen Fortschritt und Wandel zelebriert, während man sich auf der anderen Seite, diesem ganz offensichtlich verweigert. Diese Anwendung von zweierlei Maß, schafft natürlich auch wieder wenig Freunde und diese hat gerade die Kirche in Deutschland in diesen Tagen bitter nötig.

Konsumterror oder Fortschritt?
Natürlich haben auch wir hier in der Redaktion in Köln so unsere Probleme mit dem Konsumterror, der einem an jeder Ecke lauert aber man muss natürlich auch immer schauen, wie sich die Bedürfnisse der Menschen entwickeln und in einem demokratischen System sollten auch in diesem Kontext Mehrheiten entscheiden. Wenn man es ganz genau nimmt, kann doch in unserer heutigen Zeit, dank dem Internet, so oder so schon jeder 24 Stunden und das jeden Tag einkaufen und man darf nun auch nicht nur den kommerziellen Aspekt alleine darstellen. Die Gesellschaft entwickelt sich nun einmal ständig weiter und wenn man sich anschaut, wie viele Menschen an verkaufsoffenen Sonntagen einkaufen gehen und wie wenige nur noch die Kirchen besuchen, sind auch hier Trends klar erkennbar. Das immer weniger Menschen in die Kirche gehen, kann man nun aber nicht den verkaufsoffenen Sonntagen anhängen, für das Desinteresse an der Kirche sind ganz andere Faktoren ausschlaggebend und um diese sollte man sich bei der Kirche viel mehr kümmern.

Die Gesellschaft hat sich natürlich auch in Bereichen, wie zum Beispiel Familie und Freizeitgestaltung schon seit langer Zeit gewandelt und es hat vielfach einfach den Anschein, dass sehr viele Menschen lieber in einem Cafe in einem Einkaufszentrum sitzen und sich mit Freunden und der Familie treffen, als das sie, wie es auch in weiten Teilen der vergangenen Jahrhunderte der Fall war, dies in der Kirche oder deren Umfeld tun. Die Kirchen haben über die Jahrzehnte den Bezug zu den Menschen immer mehr verloren, denn ihre Antworten passen an vielen Stellen nicht mehr auf die Fragen der heutigen Zeit. Es scheint fast so, als müsste sich die Kirche erneut reformieren, um wieder mehr in die Nähe der Menschen zu rücken. In dem man nun dies torpediert, was den Menschen wirklich gefällt, wie zum Beispiel eben auch an vier Sonntagen im Jahr einkaufen zu können, macht man dort einen weiteren fatalen Fehler. Die Kirche sollte nicht gegen die Mehrheit der Menschen stehen, sondern sie dort abholen, wo sie stehen, auch wenn es dafür Reformen benötigt, auch das sollte man sich gerade auch am Reformationstag vor Augen halten.

Mehr Konsum?
Man muss sich aber natürlich genauso fragen, was es bringt, wenn Geschäfte auch an Sonntagen geöffnet haben und hier hört man immer wieder, dass Geld eben nur einmal ausgegeben werden kann und damit natürlich die Umsätze an anderen Tagen fehlen. Dies ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn gerade für Metropolen, die natürlich auch einen dementsprechenden touristischen Anspruch haben, gilt hier eine Besonderheit. Denn, wenn Touristen auch an Sonntagen bei ihrem Besuch in Deutschland einkaufen können, kann das Geld zwar auch nur einmal ausgegeben werden, wird dann allerdings in Deutschland und nicht in Frankreich, den Niederlanden oder Großbritannien ausgegeben und dies stärkt dann natürlich unsere Binnenkonjunktur und die hat es bitter nötig. Man kann also tatsächlich durch solche Aktionen für mehr Konsum aus nationaler Sicht sorgen und dies ist schon einmal ein positiver Trend. Das Menschen dafür auch an Sonntagen arbeiten müssen, was an dieser Stelle auch immer wieder ins Feld geführt wird, ist natürlich auch richtig, führte aber in der Vergangenheit auf anderen Gebieten, wie zum Beispiel bei Tankstellen, Kiosken oder auch Museen und ähnlichem, wo Menschen, genau wie in der Gastronomie, auch an Sonntagen arbeiten müssen, auch nicht im Ansatz zu so großen Debatten.

Es gilt hier, wie auch in vielen anderen Fällen, auf der einen Seite nichts zu überhasten aber auch Trends nicht zu verschlafen und in einer Zeit in der sich alles verschiebt, da ein Höchstmaß an Flexibilität gefordert ist, gibt es eigentlich nur zwei Lösungswege. Entweder ein gewisser Rückschritt in alte Bahnen, in denen Arbeitszeiten usw. noch strenger waren, dann kommt man auch mit den dementsprechenden Öffnungszeiten klar. So schön dieser Rückschritt an der ein oder anderen Stelle auch wäre, so unrealistisch ist der auch. Also bleibt als Lösung eigentlich nur, auch das restliche Leben an die heutigen Begebenheiten anzupassen und natürlich gehört dazu auch das Einkaufen. Man muss auch berücksichtigen, dass, wie bereits am Anfang des Artikels erwähnt, das Internet auch im Bereich des Handels eine ganz bedeutende Stellung einnimmt und bevor die Menschen nur noch in ihren eigenen vier Wänden vorm PC vereinsamen, ist es schon sinnvoller ihnen die dementsprechenden Alternativen vor der Tür zu bieten. Denn natürlich ist auch einkaufen ein gesellschaftliches Gut, welches eigentlich, irgendwie alle miteinander verbindet.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Stefan Braun // 21. Okt 2010 at 11:34

    Da hast du es schön geschafft, den Bogen von der Kirche zum ‘wirklichen’ Leben zu schlagen. Dass das ‘wirkliche’ Leben in diesem Fall durch den Konsum vertreten ist, entspricht wohl immer noch der Realität, passt also durchaus.
    Interessanterweise scheint hier allerdings wieder ein Gegentrend einzusetzen – weg vom reinen Konsum, hin zu gewissen Werten. Mit Werten meine ich hier ausdrücklich nicht die in der Integrations(profilierungs)debatte beschworenen.
    Vielmehr beobachte ich, dass Menschen sich wieder mehr darauf besinnen, was wichtig für sie ist. Wichtig, um glücklich und erfüllt leben zu können. Und dazu gehört wohl auch immer mehr dazu, weniger nur sich selbst zu sehen, sondern auch die Menschen um einen herum. Das wäre eine positive Entwicklung.

    P.S.: Man könnte der Kirche natürlich vorschlagen, ihre Gottesdienste ausserhalb der Geschäftsöffnungszeiten zu legen. Aber _das_ würde wahrscheinlich als Einmischung in innerkirchliche Belange angesehen werden ;->

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