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Die Wahrheit des Wortes

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Die RAF und die Linke in Deutschland

24. September 2008

Dieser Tage kommt die Eichinger-Produktion über die Rote Armee Fraktion (RAF), der `Baader-Meinhof-Komplex`, in die deutschen Kinos. Der Film basiert auf dem Buch des Ex-Spiegel-Chefredakteurs Stefan Aust. Der Film ist umstritten, so viel darf man heute schon sagen, denn er wirft viele Fragen auf und zeigt auch ganz offensichtlich wieder sehr schön ein gewisses Stück Zeitgeist in Deutschland. Produzent Bernd Eichinger fühlte sich lange Jahre nicht reif genug dafür diese Produktion zu realisieren. Ganz offensichtlich fühlte er sich nun bereit für dieses schwere historische Thema. Ein Film mit Starbesetzung, im wahrsten Sinne des Wortes `ganz großes Kino`. Aber es scheint mehr hinter alldem zu stecken, denn es sind gewisse Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland zu verfolgen, die alle in eine Richtung steuern.

Straßenkampf demnächst als Unterrichtsfach an deutschen Schulen?

Der Film behandelt die dunkelste Zeit in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Es geht um die Entstehung und die Taten der RAF in der Zeit 1967 bis 1977. Im Schwerpunkt geht es natürlich um die Hauptfiguren der RAF Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin. Regie führte Uli Edel, der auch schon `Christiane F. – Die Kinder vom Bahnhof Zoo` machte. In den Hauptrollen dieses 140 Minuten dauernden Filmes sind unter anderem Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck und Johanna Wokalek zu sehen. Aber der Film ist mehr als einfaches Popcornkino, was sich natürlich alleine schon aus dem Inhalt ergibt. Es geht um Terrorismus und damit um ein Thema, welches aktueller denn je ist. Natürlich geht es auch um linkes Gedankengut und das ist in Zeiten einer erstarkenden Linken in Deutschland natürlich auch sehr bedeutungsvoll. Man muss mit erschrecken feststellen, dass Bleibtreu im Kontext zu seiner Rolle, also Andreas Baader, von einer Legende und Gott spricht. Man vermisst häufig Begriffe, wie zum Beispiel Terrorist und Mörder.

Am vergangenen Wochenende gab es eine linkslastige Demonstration in Köln unter dem Motto `Köln stellt sich quer`. Linke blockierten große Teile der Altstadt um so gegen einen Kongress der Ratsmitglieder von Pro Köln zu demonstrieren. Hier lebt diese Art, eines gewissen verklärten Umgangs mit Teilen der deutschen Geschichte weiter. Es geht soweit, dass man vor einigen Tagen im WDR-Fernsehen erleben dürfte, wie an einer Kölner Schule geübt wurde, wie man mit körperlichem Einsatz Straßen blockiert. Das was hier gezeigt wurde, ging weit über stillen Protest hinaus. Wenn man dann in der Folge im Lokalsender `Center TV` noch sehen darf, wie der Sprecher der `Arsch huh AG` Karl-Heinz Pütz versucht die brutalen Übergriffe auf Polizeibeamte zu rechtfertigen, wird einem anders. Denn darauf hinzuweisen, dass dieses Land mit Joschka Fischer einen Außenminister hatte, der selber ein Mal ein Steinewerfer war, kann und darf solche Gewaltexzesse nicht rechtfertigen. Man bekommt aber vom aktuellen RAF-Film, über die gerade genannten, Gewaltverherrlichenden Kommentare, bis hin zu dem Versuch die Ahnen des Unrechtsregimes in der DDR salonfähig zu machen, das Gefühl dieses Land sei auf dem linken Auge mittlerweile völlig erblindet.

Die Gefahr der Mitläufer

Man versucht immer wieder Dinge, bis hin zu Gewalt und Terrorismus, aus einer gewissen politischen Ecke zu rechtfertigen. Es fehlt oftmals der Hinweis, dass Gewalt und Terrorismus, unabhängig aus welcher politischen oder auch religiösen Richtung sie stammt, abzulehnen ist. Es tauchen aber auch immer mehr Menschen auf, die ganz offensichtlich keinen großartigen politischen und oder historischen Background haben aber meinen sich für etwas einsetzen zu müssen, was sie gar nicht beurteilen können. Man spricht oftmals von rechten Rattenfängern, die sich oftmals Arbeitslose und sozial schlechter gestellte zu Nutzen machen. Aber wie sieht es auf der linken Seite aus. Hier mag es einen größeren Anteil an Menschen geben, die eine Universität besuchen aber sollte so etwas eine Legitimation für Gewalt darstellen? Meinen diese Menschen, sie hätten die Legitimation Gewalt einzusetzen um politische Ziele zu erreichen? Die Gewalt ist das Problem. Es wird scheinbar versucht eine gewisse politische Gewalt zu rechtfertigen. Wenn man mit der Dose der Pandora herumspielt, sollte man sich allerdings auch immer der möglichen Folgen bewusst sein.

Es gibt keine Rechtfertigung für das was die RAF getan hat. Es gibt auch keine Rechtfertigung dafür, dass Linke es bei den meisten Großdemonstrationen nicht für nötig erachten, den gewalttätigen Schwarzen Block auszugrenzen und ihm somit eine Plattform für Gewaltexzesses geboten wird. Gerade diese Menschen berufen sich darauf, welche Grausamkeiten im Dritten Reich auch durch die große Anzahl der Mitläufer geschehen ist, die nichts gegen dieses Unrecht getan haben. Da wäre es nur konsequent, wenn sie sich auch aktiv, also über ein paar harmlose Lippenbekenntnis hinaus, gegen die Gewalt die aus ihrer Mitte hervorgeht stellen würden. Andernfalls sind sie in diesem Falle die Mitläufer. Extremismus ist abzulehnen und auch hierbei spielt, wie auch beim Thema Gewalt und Terrorismus, die politische Ideologie dahinter erst ein Mal keine Rolle. Wenn man sich anschaut das, wie bereits erwähnt, die Ahnen des SED-Regimes in der DDR versuchen wieder Macht in Deutschland zu erlangen, wäre dies auch ein ausreichender Grund für Protest. Allerdings sucht man nach diesen Kundgebungen vergebens. Oder sind die Mauer- und Stasiopfer heute alle schon vergessen? Es bleibt festzuhalten, dass man in Deutschland wachsam sein sollte, was politische Extreme angeht und dabei nicht auf einem Auge blind sein sollte.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 MedienGuerilla // 25. Sep 2008 at 09:11

    Hallo mein Freund ,

    der Artikel kommt auf meinen Nebenblog den ich leider aufgrund Zeitmangels sehr vernachlässigt habe :-)

    http://agentprovocateurs.wordpress.com/

    mfg Dirk

  • 2 Chblogger // 2. Okt 2008 at 03:14

    Mal ganz ehrlich, was haben der RAF Film und der schwarze Block und was der Terrorismus und eine Straßenblockade gemeinsam??? Ganz richtig: nix. Scheinbar hat der Baader-Meinhof Komplex doch bei dir gewirkt… Den genau das ist die These, gerade für Aust, das es einen Zusammenhang gibt… da geht es um was ganz anderes als “linke Rechtfertigungen” wieder salonfähig zu machen….

    Dieser Block verwirrt mich da doch sehr, da wird gegen Gewalt und Terrorismus gewettert, der scheinbar bei einer Straßenblockade anfängt und gleichzeitig ist im Header wenn man auf Über diesen Block klickt ein Foto vom G8 Protest zu sehen (ziemlich deutlich der Eingang zum Camp Reddelich)… entweder hat der Betreiber dieses Blocks keine Ahnung mit wem er da gezeltet hat oder das Bild ist von irgendwo anders her genommen…

    Ich konnte mir nicht verkneifen auf diesen Artikel bezug zu nehmen…

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