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Die Wahrheit des Wortes

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Die Pharmaindustrie und ihre Helfer

10. Mai 2011

Lobbyismus ist in diesen Tagen immer wieder ein großes Thema, gerade natürlich auch wenn man an den Bereich der Energiewirtschaft denkt. Wie mächtig diese Lobby ist, kann man auf tragische Weise, gerade in diesen Tagen, im Kontext der Atomkatastrophe von Fukushima erleben, denn ohne eine so mächtige Lobby im Rücken, hätte es 25 Jahre nach dem Super-GAU von Tschernobyl, in Japan gar nicht soweit kommen können. Aber es ist natürlich nicht so, dass es nur im Bereich der Energiewirtschaft um Lobbyismus geht und hierdurch auch weite Bereiche der Politik beeinflusst werden. Es gibt auch noch ganz andere Bereiche, wo es ähnlich aussieht. Außerdem darf man ein gewisses Netzwerk an vielen kleinen Helfern auch nicht unterschätzen, denn es sind viel Rädchen die manchen Teil dieses Systems am Laufen halten. Dies kann man sehr gut im Gesundheitswesen erkennen und dieser Artikel bietet spannende Einblicke, die zeigen, wie hier jeden Tag neue Gewinner gemacht werden, während die Kosten immer weiter kollabieren und das gesamte Gesundheitswesen mit in den Abgrund reißen.

Wer braucht das?
Man kennt es nur zu gut, man ist krank und geht zum Arzt, um geheilt zu werden. Soweit der theoretisch Ansatz. Man wird untersucht, darf immer häufiger für vermeintlich notwendige Untersuchungen selber tief in die Tasche greifen, um dann am Ende des Tages mit ordentlich Medikamenten versorgt, diesen Prozess abzuschließen. Nun kommt es vor, wie der Redaktion bekannt ist, dass zum Beispiel Medikamente, dessen Preis man als Patient nicht kennt, zum doppelten Preis abgerechnet werden. Dies bedeutet die Verdopplung des Eigenanteils und man kommt erst darauf, wenn man Monate später den Vorgang in einer anderen Apotheke wiederholt. Auf Nachfrage, bekommt man dann gesagt, dass die Kollegen wahrscheinlich einfach in der Bildschirmzeile verrutscht sind. Eine spannende Aussage in Zeiten von Barcodes. Ein anderes Beispiel, welches man immer wieder erleben kann und immer wieder erklärt bekommt, dass es die großen Einzelfälle sind, die man nicht verallgemeinern darf. Man benötigt 13 Tabletten zur Behandlung einer akuten Erkrankung, verschrieben bekommt man 50 Tabletten, dies bedeutet, 37 Stück müssen nach Abschluss der Behandlung entsorgt werden, ohne dass sie irgendwer gebrauchen könnte. Wenn man ein Schnitzel essen mag, bestellt man auch keine vier, bezahlt sie und entsorgt drei.

Verlassen wir aber nun den Bereich der Apotheken und der Pharmaindustrie, die scheinbar gut etablierte Systeme zum Geld drucken entwickelt haben und kommen zu den Ärzten, von denen man auch immer wieder hört, wie schlecht es ihnen geht und wie massiv ihre finanziellen Einbußen sind, die sie zum Teil an den Rand der Existenz drücken. Hierzu muss  man sagen, dass natürlich auch diese Fälle tatsächlich geben mag aber vielleicht sollte man hier dann doch eher die Deklaration des Einzelfalls nutzen. Auf der einen Seite gilt es festzuhalten, dass hier im Regelfall auch meistens auf sehr hohem Niveau gelitten wird und man auch festhalten muss, dass es in Deutschland, in dem Land, wo man fließend vom Zweitjobber zum Multijobber wird, für fast alle schwieriger geworden ist. Man kann eine gewisse Arroganz vermuten, wenn nun gerade Mediziner meinen davon nicht berührt werden zu müssen. Natürlich schreitet zwar die Technik auch im Gesundheitswesen immer weiter voran, was vor allem natürlich auch wieder zu mehr Kosten führt, da all diese neuen Geräte auch finanziert werden müssen und damit ausgelastet sein müssen, denn die kaufmännischen Regeln sind hier mit den des produzierenden Gewerbes gleichzustellen aber die Versorgung wird durch all dies nicht unbedingt besser.

Zeitmangel
Noch vor 20 Jahren hatten Ärzte Zeit sich ausführlich mit ihren Patienten zu unterhalten und so auch viele Details zu erfahren, die mit einem Krankheitsbild in einem Zusammenhang stehen könnten. Diesen Teil vermisst man in der heutigen Zeit meistens, stattdessen wird man von Spezialisten zu Spezialisten gejagt, die dann natürlich auch alle wieder verdienen, um am Ende des Tages oft genug unter einem Berg von Medikamenten zu liegen. Dieser Zeitmangel, der natürlich auch wieder mit dem Argument des Kapitalerhaltes begründet wird, was für einen Mediziner bei geleistetem Eid schon eine spannende Berufsauffassung darstellt, führt dazu, dass es immer mehr um die Symptombekämpfung geht, als das man sich wirklich der Wurzel des Übels annimmt und auch hier liegt wieder ein Vorteil für all die, in diesem System, die nur zu gerne mitverdienen, denn die Menschen werden gar nicht mehr nachhaltig gesund und kommen so immer wieder und bringen immer wieder neue Verdienstmöglichkeiten mit. Nun bleibt die Frage offen, wie bekommt man ein solch perfekt eingespieltes System, in dem scheinbar gerade die, die gut verdienen, jammern, so gebändigt, dass es für alle Seiten fair gestaltet ist und dieses System dann im Sinne eines Sozialstaates auch noch weiterhin aufrechtgehalten werden kann, denn auch dies scheint im Moment nicht gewährleistet zu sein.

Dies ist wieder einer dieser Punkte, an denen die Politik ins Spiel kommt und man ahnt leider schon, was dies auch an dieser Stelle bedeutet. Aktuell gibt es mit Philipp Rösler (FDP) in Deutschland gerade einen Allgemeinmediziner als Bundesgesundheitsminister und dieser hat oft genug bekundet, dass er in der Politik nicht sein letztes Ziel sieht, sondern irgendwann auch wieder ausscheiden wird. Warum sollte sich gerade ein Arzt gegen seine Kollegen stellen? Warum sollte gerade ein Arzt das System, von welchem er Jahre lange profitiert hat und wahrscheinlich irgendwann auch wieder davon profitieren wird, gegen die eigenen Interessen verändern? Es wäre einfach nicht logisch dies zu tun. Das es auch gar nicht sein Interesse ist, hat er gerade erst mit seiner Gesundheitsreform bewiesen. Diese Reform, wenn man es überhaupt so nennen mag, sorgt vor allem wieder dafür, dass der Patient, das letzte Glied in der Kette, auch weiterhin in der Opferrolle bleiben wird. Neben den Ärzten, dürften sich gerade auch die Freunde in der Pharmaindustrie über einen solchen Helfer sehr freuen, denn nur so läuft es weiter, wie geschmiert. Auf der anderen Seite sollten sich die Patienten daran gewöhnen, dass sie sich auch an dieser Stelle auf noch sehr viel mehr Eigenverantwortung einstellen dürfen und immer mehr selber finanzieren werden, während die, denen das Kapital auch weiterhin ungebremst zufließt, auch in Zukunft laut jammern werden, wie schlecht es ihnen geht.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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