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Die Wahrheit des Wortes

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Die Nation trauert um Robert Enke

16. November 2009

Es sollte ein Wochenende der Freude über den Fußball werden, denn die deutsche Nationalmannschaft sollte am Samstag in Köln gegen die Nationalmannschaft von Chile antreten. Allerdings sollte sich Diensttagabend alles gravierend verändern und nichts sollte mehr so sein, wie es noch zuvor war. Robert Enke (32) Nationaltorhüter und Keeper von Hannover 96 nahm sich an diesem Abend gegen 18.25 Uhr in der Nähe von Hannover das Leben in dem er sich vor einen Regionalexpress warf. Wie sich am Folgetag zeigen sollte, litt Enke schon seit Jahren an schwersten Depressionen, was ihn letztendlich auch zu dieser tragischen Tat bewegte. Schon unmittelbar nach seinem plötzlichen Tod zeichnete sich ab, wie groß die Anteilnahme in der Bevölkerung war, dies sollte sich auch noch einmal massiv bei der gestrigen, bewegenden Trauerfeier im Stadion von Hannover 96 zeigen.

Es ist zu einfach die Fans zu beschuldigen
Zehntausende Trauernde verfolgten am gestrigen Tag im Stadion der niedersächsischen Landeshauptstadt die bewegende Trauerfeier für Robert Enke und noch viel mehr Menschen verfolgten all dies in den Medien. Sein Leichnam war im Mittelkreis aufgebahrt und es gab sehr gefühlvolle Ansprachen unter anderem vom niedersächsischen Landesvater Christian Wulff (CDU) der auch noch einmal ansprach, dass Erfolg und Leistung nicht alles sein kann, was in der heutigen Gesellschaft zählt. Dies kann man auch durchaus als Tenor aller Reden benennen. Natürlich waren auch unzählige Vertreter aus dem Sport und im speziellen natürlich aus dem deutschen Fußball anwesend. Der Präsident des Deutschen Fußball Bundes (DFB) Theo Zwanziger, der ebenfalls zu den Redner zählte, war genauso anwesend, wie die komplette Fußballnationalmannschaft inklusive Trainer, Manager usw. Dieses Aufgebot an Prominenten aus den verschiedensten Lebensbereichen verdeutlichte natürlich auch noch einmal, welche tragweite dieser Tod weit über die Grenzen Hannovers hinaus hat. Eine Nation ist erschüttert, eine Nation trauert. Es hatte schon fast etwas von einem Staatsbegräbnis. All dies machte natürlich auch sehr nachdenklich, denn die Entscheidung von Robert Enke aus dem Leben zu treten, war in seinen Depressionen begründet und damit in einer Krankheit die unzählige Menschen in Deutschland betrifft. Man kann nur hoffen, dass sein Tod wirklich nachhaltig etwas im Fußball, im Sport und letztendlich in der ganzen Gesellschaft verändert.

Robert Enke hatte eine riesige Angst mit seiner Krankheit an die Öffentlichkeit zu treten, letztendlich waren wohl nur seine Frau Teresa, der behandelnde Arzt Dr. Valentin Markser aus Köln, sowie sein damaliger Trainer bei Fenerbahce Istanbul, Christoph Daum im Bilde. Genau um diesen Aspekt seines Todes ging es in den letzten Tagen auch immer wieder und etliche Menschen meldeten sich zu Wort und das nicht immer sehr gelungen. Boris Becker zum Beispiel erklärte, dass Enke gar keine Chance gehabt hätte, denn wenn er es öffentlich gemacht hätte, hätten die Fans ihn zur Sau gemacht. Natürlich ist dies sehr wahrscheinlich aber es ist auch nur ein ganz kleiner Aspekt der Wahrheit, denn wo drüber man auch in den letzten Tagen sehr ungern spricht, ist der wahnsinnige Leistungsdruck der im Sport, genau wie in der Wirtschaft vorhanden ist und kranke und schwache Menschen passen ganz offensichtlich nicht in dieses System. Unabhängig davon, wie die Fans sich verhalten hätte und das man dies natürlich auch verurteilen muss, bleibt aber auch der Fakt, dass man mit einer solchen Krankheit, wohl kaum Erfolg haben wird und dies gilt eben im Sport, wie auch in der Wirtschaft. Wie falsch diese Denkweise ist, sprachen die verschiedenen Redner auch am gestrigen Tag immer wieder an, es ist allerdings fraglich, ob sich dieses System wirklich ändern wird.

Spiegelbild der Gesellschaft
Was bei dieser ganzen Diskussion über das Thema Depressionen doch sehr auffällig ist, ist das man sich doch sehr auf den Fußball bzw. den Sport im allgemeinen eingeschossen hat, dabei sollte man nicht vergessen, das man hier von einem Thema spricht, was letztendlich jeden Bereich der Gesellschaft betrifft. Es geht um den Kampf in dieser Ellenbogengesellschaft, wo scheinbar nur die Stärksten eine Chance haben. Viele der Menschen, die nun um Robert Enke trauern, sind allerdings Teil genau dieses Systems und sie sorgen jeden Tag dafür, dass der Druck da ist. Mit diesem Druck geht jeder anders um. Manche Menschen nehmen Drogen um es zu ertragen, andere wiederum werden zu Amokläufern und wieder andere, wie eben auch Robert Enke, entscheiden sich für den Tod. Unabhängig von dieser Tragödie, die sich in Hannover abspielte, muss man ganz klar sagen, dass gerade in diesen Tagen die Politik aber vor allem auch die Wirtschaft daran arbeitet, dass diese Art des Drucks auch zukünftig noch mehr wird. Dies bedeutet, dass es wahrscheinlich noch viele Menschen geben wird, die sich für den Weg entscheiden, für den sich auch der Keeper von Hannover 96 entschieden hat. Allerdings trifft es in der breiten Masse natürlich meistens nicht so Prominente wie ihn und kaum einer bekommt etwas von diesen unzähligen anderen Opfern mit.

Ein weiteres Problem in unserer heutigen Gesellschaft in diesem Kontext ist allerdings auch eine gewisse Oberflächlichkeit, die es noch einmal schwerer macht überhaupt Vertrauen gegenüber anderen Menschen aufzubauen. Auch wenn Robert Enke sie alle getäuscht hat, muss man auch festhalten, dass sie sich haben täuschen lassen. Auch der Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bemängelte genau diese Situation schon in einem Statement, welches er einen Tag nach Enkes Tod ab gab. Eine in sehr weiten Teilen auf Oberflächlichkeit und reinen Erfolg ausgerichtete Gesellschaft fordert ihre Opfer, auch dies sollte uns allen dieser tragische Tod zeigen. Dieses Zeichen darf nun aber nicht untergehen, denn das würde den Tod von Robert Enke noch einmal sinnloser machen, als er so oder so schon war. Es muss sich etwas in der Tiefe der Gesellschaft verändern, um solche Tragödien in der Zukunft zu verhindern oder zu mindestens einzudämmen. Dieses Stück Verantwortung trägt jeder, denn jeder hat die Möglichkeit diese Gesellschaft zu verändern, sie in eine positivere Richtung zu lenken. Robert Enke starb weil er kein Vertrauen mehr in diese Gesellschaft hatte und dies sogar mit Recht, genau dies sollte allerdings in einer zivilisierten Gesellschaft nicht der Fall sein.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Sport · Wirtschaft

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