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Die Wahrheit des Wortes

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Die Moral des Todes

18. Dezember 2007

So schnell kann es gehen. Ist dies eine makabere Einleitung? Vielleicht? Persönlich finde ich es allerdings viel makaberer, dass es gerade ein Mal gut 14 Tage her ist, dass fünf Kinder zwischen drei und neun Jahren ihr Leben in Darry in Schleswig-Holstein lassen mussten und in Plauen in Sachsen, drei weitere Kinderleichen in einem anderen Fall gefunden wurden und kaum noch etwas zu diesen Fällen durch die Medien geht. Alle haben ein Mal mehr kurz aufgeschrieen und sind eben so schnell wieder verstummt. So schnell kann es eben gehen.

Der Rand der Gesellschaft

Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Halbwertzeit einer Nachricht so kurz ist, dass sie meist schon im Moment der Veröffentlichung, nicht mehr wirklich aktuell ist. Dieses Tempo muss man erst ein Mal mitgehen können. Außerdem muss man heutzutage ein Siegertyp sein, bekommt man allgegenwärtig, in dem gerade angesprochenen Tempo, suggeriert. Nun gibt es aber immer wieder Menschen, die mit all dem nicht umgehen können, die sich aus den verschiedensten Gründen nicht zu diesen Siegertypen zählen können oder wollen. Hierfür gibt es weit mehr Gründe als Arbeitslosigkeit und einen Mangel an Bildung. So entsteht eine Gruppe am Rande der Gesellschaft, die sich meiner Meinung nach, mehr und mehr vergrößert.

Diese Gruppe steht mittlerweile soweit am Rande der Gesellschaft, dass sie dem Rest der Bevölkerung aus dem Sichtfeld gerückt ist. Es kommt nicht von ungefähr, dass sie dort stehen. Denn will man als Siegertyp die Schattenseiten vor Augen haben? Sich ansehen müssen, wie es einem schlimmsten Falls auch Mal ergehen könnte? Nein, das möchte man natürlich nicht. `Aus den Augen, aus dem Sinn`, trifft es wohl am besten. Diese Menschen am Rande der Gesellschaft gehen nun auf die verschiedensten Arten mit ihrem Schicksal um. Sie werden Depressiv oder werden z. B., wie vermutlich im angesprochenen Fall in Darry, Schizophren.

Zuhören als ein erster Schritt

Die möglichen Folgen kennen wir nun alle, aber wir verdrängen sie auch viel zu schnell wieder, denn eigentlich wollen wir uns mit so etwas gar nicht auseinandersetzen und es betrifft die meisten von uns ja nicht direkt, auch wenn es uns natürlich sehr betroffen macht. Die Art wie in dieser Gesellschaft mit solchen Schicksalen umgegangen wird ist Menschenunwürdig und man sollte sich immer vor Augen halten, ob man nicht persönlich ganz schnell selber in eine ähnliche Lage kommen könnte. Was ist dann? Wäre es für einen selbst in Ordnung, wenn das eigene Schicksal dann binnen kürzester Zeit nicht mehr relevant wäre und sich keiner mehr für einen einsetzen würde?

Sollte dem nicht so sein, wird es Zeit zu handeln. Wobei nun natürlich die Aussage vieler kommen wird, `Was kann ich alleine denn schon tun? `. Die Antwort ist ganz einfach. Man muss als erstes damit beginnen die Menschen vom Rande der Gesellschaft, diese große graue Masse, wieder in die Farbenprächtigkeit des Lebens zurückzuholen, ihnen das Gefühl geben, dass sie dazugehören und ihnen vor allem ein Mal richtig zuhören. Denn neben der Moral, die meiner Auffassung nach, in diesem Land mehr und mehr den Bach runter geht, muss man auch das Zuhören wieder stärken, um zu besseren gesellschaftlichen Gesamtstrukturen zu gelangen.

Die Abkehr von der morallosen Oberflächlichkeit

Es muss eine Abkehr von der völlig morallosen Oberflächlichkeit in unserer Gesellschaft geben oder die Geschehnissen von Darry und Plauen werden nur der Anfang sein und sich in diesem Land ausbreiten wie ein bösartiger Tumor, der diese Gesellschaft langsam aber sicher von innen her zerfrisst. Wie in der Medizin gilt auch hier, desto später man mit der Behandlung beginnt, desto schlechter ist die Aussicht auf Heilung bzw. desto größer sind die bleibenden Schäden in unserer Gesellschaft. Die Moral des Todes bleibt, dass wir, meiner Meinung nach, alle ein Stück weit mitverantwortlich für solche Todesfälle sind aber auch noch die Möglichkeit haben dafür zu sorgen, dass so etwas nicht zur Alltäglichkeit in diesem Land wird.

Damit ist es ein Mal mehr nur an uns und weniger an den Medien und der Politik, wohin unsere Gesellschaft steuert.

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Kategorie: Gesellschaft

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