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Die Wahrheit des Wortes

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Die Medienschlacht am Kaukasus

12. August 2008

Die Ereignisse am Kaukasus, gerade auch in den Kriegsgebieten von Südossetien und Aprasien, scheinen sich zu überschlagen. Es ist alles da, was die globale Nachrichtenwelt haben will. Flüchtlingstracks, zerbombte Krankenhäuser und unzählige Verletzte und Tote. Letztendlich muss man sich als erstes aber ein Mal die Frage stellen, warum die Nachrichtenwelt so etwas überhaupt braucht? Die Antwort ist schnell gefunden. Letztendlich entscheiden auch bei den Nachrichten schon seit langer, langer Zeit die Quoten darüber, was gesendet wird. Die bestimmen allerdings noch immer die Zuschauer. So bleibt am Ende des Tages die Erekenntnis, dass die breite Masse der Medienkonsumenten ganz offensichtlich diese Bilder des Leidens sehen will.

Was in der Welt geschieht

Pressefreiheit ist natürlich gerade auch unter demokratischen Gesichtspunkten im Kontext zur freien Meinungsbildung, ein sehr hohes Gut. Pressefreiheit ist aber trotzdem auch immer ein sehr, sehr relativer Begriff und viele Menschen scheinen sich auch gar nicht dafür zu interessieren. Bestes und aktuellstes Beispiel sind die Massen an Sportlern, die gerade bei den Olympischen Spielen in Peking sind und in der Mehrzahl mit der Zensur im Land scheinbar kein Problem haben. Es kommt noch schlimmer, sie unterwerfen sich sogar freiwillig der Zensur durch das Internationale Olympische Komitee (IOC). Wenn man aber ein Mal ehrlich ist, sind aber auch viele der Menschen, die nichts mit den Olympischen Spielen zu tun haben, nicht viel anders. Man nimmt es hin, man hinterfragt kaum etwas, es hat den Anschein als wolle man nicht denken. Scheinbar interessieren sich mehr Menschen für die Verlobung von Boris Becker, als für den Krieg im Kaukasus.

Je brutaler die Bilder sind, desto größer ist ihre Chance überhaupt wahrgenommen zu werden. Es muss eine allgemein verständliche Dramatik her. Der Reporter, der für den Nachrichtensender n-tv berichtet und ein Kind mitnimmt um es zu retten, dass sind Bilder und Storys die ankommen und damit die angesprochenen Quoten bringen. Es gibt in Deutschland große Nachrichtensender aber was sendet man dort? Wenn man seit Freitag nach dauerhaften und aktuellen Fernsehberichten aus dem Kriegsgebiet sucht, landet man zwangsläufig bei dem amerikanischen Nachrichtensender CNN. Denn auf den deutschen Nachrichtensendern n-tv, aber auch N24 laufen, außer zu den Hauptzeiten, schon lange keine aktuellen Nachrichten mehr, sondern Polizei-Doku-Soaps oder Berichte über den Bau großer landwirtschaftlicher Maschinen. Man darf wohl sagen, dass so etwas weit entfernt von jeglichem Anspruch an einen Nachrichtensender ist.

Die Schuldfrage

Außer dem gerade beleuchteten privaten Bereich der Medienlandschaft, haben wir natürlich auch noch den Bereich der öffentlich-rechtlichen Medien, wie zum Beispiel ARD und ZDF. Seit geraumer Zeit wirbt man auch verstärkt mit dem weltweiten Korrespondentennetz, welches einen über die Geschehnisse weltweit bestens informieren soll. Greift man nun allerdings noch ein Mal das Beispiel des Krieges zwischen Russland und Georgien auf, wird einem schnell klar, dass ARD und ZDF genauso überfordert wirken, wie fast der gesamte restliche Mediensektor auch. Die Korrespondenten scheinen eine Ewigkeit zu benötigen bis sie auch nur in der Nähe der Unruheprovinzen sind und selbst die dann gesendeten Inhalte sind nur Fragmente dessen, was man zum Beispiel auf CNN geboten bekommt. Da kommt natürlich die Frage auf, ob man es nicht besser kann oder vielleicht auch gar nicht will, was eine schlechte Botschaft im Kontext zur Pressefreiheit wäre.

Zur Stunde weiß ganz offensichtlich noch immer niemand, wer Schuld an diesem Konflikt am Kaukasus hat und so deklariert man diese Frage auch gerne ein Mal, als im Moment nicht so dringlich. Mittlerweile bahnen sich ganz offensichtlich größere Spannungen zwischen den USA und Russland in diesem Kontext an, da sollte man die Schuldfrage schon hochrangiger ansetzen. Statt dies nun investigativ zu lösen, sendet man lieber Bilder von Kampfjets, die je nach Quelle, russischer Herkunft sind und Georgien angreifen oder der georgischen Armee angehören und in den genannten Kriegsgebieten bomben. Ähnlich verwirrend stellt es sich bislang dar, wenn es um die Klärung geht, wie weit die russische Armee nun schon auf georgisches Territorium, außerhalb der Kriegsgebiete von Aprasien und Südossetien, vorgedrungen ist. Somit bleibt auch die Frage offen, was Russland wirklich will. Die Gebiete, für deren Schutz sie zu ständig sind, schützen oder doch Macht über ein Land erlangen, welches über wichtige Adern der europäischen Energieversorgung verfügt.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Sport

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