fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Die Medien und die Freiheit

21. Juli 2009

Man kennt das Thema Pressefreiheit und man verweist hier immer wieder gerne auf Länder, wie zum Beispiel China aber auch auf gewisse Staaten in der arabischen Welt, wo die Zustände im Verhältnis zur westlichen Welt unannehmbar sind. Dies ist soweit auch erst einmal korrekt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass man den Mediensektor in der westlichen Welt einfach ungeprüft gewähren lassen sollte, denn auch hier gibt es spannende Fragen im Kontext der Freiheit. Denn selbst wenn aus vermeintlicher Freiwilligkeit auf die Freiheit der unabhängigen Berichterstattung verzichtet wird, schränkt dies die Informationsvielfalt für die Bevölkerung massiv ein. In Deutschland werden Journalisten weder vom Staat, noch von der Industrie in der Art, wie man es aus den oben genannten Ländern kennt, schikaniert, eingeschränkt oder ähnliches. Hier gibt es andere Formen, wie man immer massiveren Einfluss nimmt und diese Entwicklung ist nicht minder gefährlich für die Demokratie.

Praktikanten und Freiberufler

Schon vor Beginn der Weltwirtschaftskrise wurde das Geld bei vielen Unternehmen im Mediensektor knapp. Man kann an dieser Stelle Fernsehsender genauso anführen, wie natürlich auch diverse Verlagshäuser. Diese finanziellen Probleme führten zu einem sich immer weiter ausbreitenden Trend in der Branche, weg von den angestellten Mitarbeitern hinzu Freiberuflern, Praktikanten und Volontären. Genau auf diese Gruppe von `Partner` kann man natürlich einen ganz anderen Druck ausüben, als auf festangestellte Mitarbeiter. Denn hier kann man einfach Beiträge ablehnen ohne den Kostenaperrat eines Angestellten betreiben zu müssen. Um diesem Druck zu entgehen, kommt es scheinbar immer häufiger dazu, den Vorgaben und Interessen der Auftraggeber zu folgen und eigene, kritische Arbeit hinten anzustellen, schließlich gilt auch hier der, gerade auch in der Krise, so wichtige Satz, dass man von irgendetwas Leben muss. Medienunternehmen, Fernsehanstalten, Zeitungsmacher etc. sind natürlich weitestgehend abhängig von der Werbung und die kommt natürlich aus der Industrie, dem Handel, den Verbänden und ähnlichen und genau hier entsteht der Interessenskonflikt. Natürlich ist kein Werbekunde davon angetan, wenn man negativ über ihn berichtet. So entsteht scheinbar eine immer seichter werdende Informationslandschaft. Vergleicht man in den heutigen Tagen einmal verschiedene große Zeitungen und Nachrichtensendungen, wird einem bald klar, dass es bis auf einige Nuancen, wie gleichgeschaltet wirkt, was natürlich nicht für individualistische journalistische Arbeit spricht. Es sind immer wieder sehr ähnliche Ansätze, die scheinbar oftmals nur das Ziel verfolgen, niemandem auf die Füße zutreten.

Nehmen wir das Beispiel Nachterstedt in Sachsen-Anhalt, wo am Wochenende eine halbe Siedlung in den Concordiasee abstürzte. Es ist ganz offensichtlich ein bergbautechnisches Problem. Damit wird es, wenn man eine Gesamtkontext zu Unglücken aus dem Ruhrgebiet oder auch zur Asse in Niedersachsen, aus der immer wieder radioaktive Lauge austritt, ein Gesamtproblem im Kontext des Bergbaus. In diesen Kontext kann man letztendlich auch den Einsturz des Stadtarchivs in Köln mit einbinden, denn auch hier geht es ganz offensichtlich um Technologien aus dem Bergbau. Aber man vermeidet diese Zusammenhänge und kocht so etwas lieber auf einer kleinen, recht regionalen Flamme. Aber auch regional betrachtet, müssten sich weitere, kritische Fragen entwickeln, zum Beispiel nach der Gesamtsicherheit der unzähligen Seen, die in den Neuen Bundesländern in der gleichen Art, wie der Concordiasee, entstanden sind. Aber auch auf diesem Gebiet ist man mit den immer wiederkehrenden und gleichklingenden Antworten zufrieden und vermeidet weitestgehend kritische Fragen und eigene investigative Arbeit. Überraschen dürfte all dies kaum jemanden, denn letztendlich stehen häufig die großen und mächtigen Energiekonzerne hinter dem Bergbau, also sehr liquide Werbekunden. Es geht aber auch darum, dass die Tausenden von Arbeitsplätzen, die hier durch das Ende des Tagebaus nach der Wende wegfielen, nun durch eine neue Tourismusindustrie aufgefangen werden sollen, die in der Hauptsache auf diesen Seen basiert. Man sieht neben einem wirtschaftlichen Interesse, spielt auch hier die Politik eine sehr große Rolle. Es hat den Anschein als sei hier sehr deutlich zu erkennen, wie weit der Einfluss der Wirtschaft und der Politik auf die Medien reicht.

Der Fall Opel

Ein weiteres sehr schönes Beispiel ist der Fall der Insolvenz von Opel. Vor einigen Wochen erst ging noch die Nachricht durch fast alle Medien, dass Opel durch den aus Österreich stammenden Magna-Konzern gerettet worden sei, außerdem war zu hören, dass Opel nun endlich vom maroden Mutterkonzern General Motors (GM) getrennt sei. Nun weiß man, dass diese Nachrichten, so scheinbar auch wieder falsch waren. Aber so kam wieder Ruhe in den aufgewühlten Automobilsektor und man konnte all dies auch ein wenig aus dem Gesamtkontext zu weiteren Pleiten, wie zum Beispiel die von Karstadt und Quelle aus dem Hause Arcandor, abtrennen, um keinen allzu großen negativen Gesamteindruck in der Gesellschaft entstehen zu lassen. Während in dieser vermeintlichen Ruhephase bei Opel, nun die gerade angesprochenen Handelsunternehmen medientechnisch abgearbeitet werden konnten und nun im Hintergrund verschwunden sind, taucht plötzlich, seit einigen Tagen, Opel wieder auf. Gestern Abend lief einmal mehr eine aller letzte Frist für die Bieter für den laut ZDF MOMA doch noch zu GM gehörenden Tochterkonzern Opel ab. Magna, dass schon als Retter und Erlöser gefeierte Unternehmen, ist noch immer dabei aber es sind mit dem Finanzinvestor RHJ International mit Sitz in Belgien und dem chinesischen Autobauer BAIC zwei weitere mit ins Boot gekommen. BAIC räumt man im Moment wohl auf der Ebene der Wirtschaft aber auch auf der Ebene der Politik, die schlechtesten Karten ein. GM bevorzugt wohl RHJ International und in Deutschland bleibt man bei dem Wunsch nach Magna. Entscheidend soll aber angeblich die Empfehlung von GM, die die Angebote zur Prüfung als erstes bekommen haben sollen, sein. Man sieht auch hier gibt es die ganze Wahrheit wohl nur in kleinen, für die Gesellschaft vertretbaren Portionen.

Angeblich sind die nun eingereichten Angebote entgültig und dürfen auch nicht mehr nachgebessert werden. Ob dem tatsächlich so ist, wird man leider wieder erst in Laufe der Zeit erfahren, denn wenn man den Medien im allgemeinen trauen würde, würde dies auch bedeuten, dass Opel und damit unzählige Arbeitsplätze schon längst gerettet seien. Die Rettung von Opel und der Erhalt einer Vielzahl der Arbeitsplätze wurde genau dort schon gefeiert und nun stellt sich plötzlich und vermeintlich überraschend heraus, dass selbst eine Insolvenz des Unternehmens noch in dem Fall möglich ist, sollten sich die Beteiligten gar nicht einig werden. Mit einer solchen, wohl von der Industrie gesteuerten und allzu oft nicht ausreichend durch die Medien geprüften, Informationspolitik, entsteht natürlich in der Gesellschaft sehr schnell ein allzu positives Bild, einer gar nicht allzu gut aussehenden Situation. Natürlich ist das, was man mit dieser Taktik anstrebt, auch im Interesse der Politik, denn hier möchte man offensichtlich unnötige Unruhen vor den Bundestagswahlen im Herbst diesen Jahres vermeiden. Aber es stellt sich auch die Frage, wie viel all dies noch mit gutem, unabhängigen Journalismus zu tun hat. Man muss es wohl auch als Aufgabe der Medien ansehen, dass bestehende Wirtschaftssystem, wie auch das politische System und die dort vorhandenen Abläufe, genau und vor allem auch kritisch zu beobachten. Dabei sollte man wirtschaftliche Interessen erst einmal weniger berücksichtigen, als man es scheinbar im Moment tut, bevor man immer wieder die Nachrichten, die gerade noch aktuell waren, auch schon wieder revidieren muss, denn dies schadet letztendlich der Glaubwürdigkeit der gesamten Branche noch viel mehr, als der eventuelle Verlust einiger Werbeeinnahmen.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu