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Die Wahrheit des Wortes

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Die Lust der Gier – amoralische Kaste sagt wo´s lang geht in Österreich

19. Februar 2009

Bei aller Liebe zu Österreich, doch was jetzt täglich in den Medien auftaucht, hat die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn schon längst überschritten. Man darf zwischen den Zeilen der Meldungen lesen und der Ruf nach Ethik und Moral wird zunehmend lauter. Danach darf man tief Luft holen ob der absurden Verstrickungen und Verhaltensweisen so mancher in der Öffentlichkeit stehenden Personen, um nicht daran zu ersticken. Von wem oder was die Rede ist? Vom Cross-Border-Leasing (CBL) der österreichischen Kommunen, vom oberösterreichischen Raiffeisenlandesbank-Chef Scharinger und von der Ohnmacht die Krise nicht wahrhaben zu wollen.

Stichwort Cross-Border-Leasing. Da unsere Gemeinden, insbesondere die Gemeinde Wien, schon in der Vergangenheit finanziell schwer angeschlagen waren, griff man zu einem “Wundermittel” als Lösung in der Not. Man verkaufte einfach, wie im Fall Wien, die Straßenbahn in die USA. Von dort leaste man sich die Bim (österreichisch für Straßenbahn) wieder zurück, und zwar mit dem Erlös des Straßenbahnverkaufes. Dazu benötigte man eine Bank oder einen Investor mit guter Bonität, um mit Skrupellosigkeit ein Steuerschlupfloch in den USA auszunützen. Ein solches Geschäftsgebaren geht zu Lasten der US-amerikanischen Steuerzahler. Zu deutsch: Die Gemeinde Wien prellt gemeinsam mit einem US-Investor mittels CBL-Geschäft die amerikanischen Steuerzahler. Und das bei vollem Bewusstsein! Die Verantwortlichen verkaufen dieses Vorgehen der Zivilgesellschaft gegenüber als völlig normale Abwicklung eines Geschäftes. “Hier von Gewinn zu sprechen, ist moralisch und ökonomisch absurd.”, so Attac Austria. Angeblich sind  an die 80 österreichischen Kommunen in Cross-Border-Leasing Geschäfte verwickelt.

Stichwort Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Heute ist Opernball in Wien und die leidige Diskussion über die moralische und ethische Vertretbarkeit eines dortigen Erscheinens so mancher Großverdiener füllt die Sendezeiten des ORF. Auch  der Chef der Raiffeisenlandesbank, Ludwig Scharinger, wird am Ball der Bälle teilnehmen. Scharinger meint, die 17 000 Euro für die Loge wären gerechtfertigt, weil das ein anstrengender Abend wird. Schließlich würden “Geschäftsfreunde” kommen, und er könne sich Wege sparen. Warum, weil man in der Loge Business machen wird. Da taucht ein Bild vor dem inneren Auge auf: “Oligarchentum, russischer Kommunismus”. Ach ja, die RB ist ja im Ostgeschäft dick drin. Und es erscheint im Auge des außenstehenden Betrachters, dass man von den Russen gelernt hat, wie man das große Business macht.  Achtung heiß, Finger weg, möchte man da sagen. Oligarch Oleg Deripaska hat angeblich 90 Prozent seines Vermögens verloren. Und Hans Peter Haselsteiner möchte seinen Oleg gerne weiterhin im STRABAG-Boot haben, die Raiffeisen will die Reißleine ziehen. Wer nicht zahlen kann, fliegt raus.

Stichwort Krisenreaktion. Die Linzer Einkaufszentren quellen über und machen seit Jänner diesen Jahres Rekordumsätze. Das Wirtschaftsblatt von heute spricht von einem Pilgerstrom, und von der Krise sei keine Spur. Die Leute kaufen ja. Auch Scharinger reagierte gestern im Club 2 pikiert auf das Stichwort Krise. Er lade alle ein nach Oberösterreich zu kommen. Oberösterreich hat keine Krise. KTM-Chef Pierer findet dafür andere Worte. Heute ist alles bereits da, von dem Pierer am 21. Dezember 2008 im Interview mit der Sonntags Rundschau gesprochen hatte: Kreditausfälle von 8 Prozent und Verstaatlichung der Banken, Diskussion ums Zusperren von GM und Chrysler, rapides Ansteigen der Arbeitslosenzahl auf 600 000 im kommenden halben Jahr. Das kommt bekannt vor. Nur das mit den Arbeitslosen dauert noch ein Weilchen.

I hear nix, siag nix, sag nix. So nebenbei ist die Grüne-Chefin Glawischnig mit ihrem Antrag um eine Obergrenze der Managergehälter am Dienstag im Parlament abgeblitzt – mit ihr auch BZÖ und FPÖ; Opposition hat nichts zu melden in Österreich. So nebenbei schreibt die FURCHE, dass 30 Fluglinien in den USA bereits Konkurs angemeldet haben. So nebenbei streicht die AUA weitere Destinationen. Und so nebenbei fahren die amerikanischen Autokonzerne ihre Produktion auf Null herunter. Fazit: Die Blauäugigkeit das wirtschaftliche Heil in der industriellen Produktion und ihrem unbegrenzten Wachstum gesehen zu haben ist jetzt im Prozess der Nullzone angelangt. Der grenzenlose wild wuchernde Kapitalismus ist genauso am Ende wie die Planwirtschaft des Kommunismus.  Alles, was sich der selbstsüchtigen Gier und dem Verwerfen an Integrität verschworen hatte, bricht nun zusammen. Was wahr und integer ist, wird Erfolg haben. Die Gegensätze treten deutlich ans Licht und ermöglichen dadurch jene Entscheidungen zu treffen, die dem politischen und wirtschaftlichen und wohl auch gesellschaftlichen Paradigmenwechsel ermöglichen werden. Und darin wird die große Herausforderung im Laufe des Jahres 2009 liegen, die Welt neu zu erfinden. Integrität statt Gier, Illusion grenzenlos wachsender Scheingeschäfte oder ausbalancierter Geldfluss einer Kreislaufwirtschaft. Davos hat jedenfalls keine Lösungen gefunden und die gehobene Gesellschaft – die Furche bezeichnet diese als “”von moralischen Geboten völlig losgelöste Kaste” – geht heute lieber auf den Opernball, als das wahre Ausmaß der Krise begreifen zu wollen.

AMW

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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