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Die Wahrheit des Wortes

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Die Krankheit im Gesundheitssystem

4. September 2009

Man hat über Jahre versucht im Gesundheitswesen angeschlagene Sachverhalte in einem besseren Licht erstrahlen zu lassen. So wurden aus Krankenkassen Gesundheitskassen, die nur leider mittlerweile vielfach zu kranken Kassen wurden. Dieses einfache Beispiel zeigt schon sehr schön, dass es nicht sehr effizient ist, in einem System, von dem man annimmt es hätte ein massives Problem, nur oberflächliche Veränderungen vorzunehmen. Während die Kassenpatienten immer mehr Beiträge zahlen müssen, steht denen ein immer geringerer Leistungskatalog entgegen. In einer solchen Situation kommt es natürlich nicht sehr gut bei den Versicherten an, wenn nun wohl auch Ärzte bestochen worden sein sollen und Krankenhäuser diese Bestechungsgelder aufgebracht haben sollen. Da passt es nicht wirklich von Ärzten zu sprechen, die immer weniger verdienen aber es scheint auch eine Erklärung für die Finanznot vieler Krankenhäuser zu geben.

Hat die Gesundheitsministerin versagt?

Auch bei dieser Entwicklung wurde von vielen nicht bis zum Ende gedacht. Es ging um eine immer größer werdende Kommerzialisierung des Gesundheitswesen und da man annahm weniger Staat und mehr Privatwirtschaft, würde allen Beteiligten mehr bringen, nahm alles seinen Lauf. Niemand berücksichtigte, dass natürlich das Geld, welches auf der einen Seite abfließt, irgendwo anders fehlt und im Moment scheint klar zu sein, wer der große Verlierer ist. Es ist, wie schon so oft, wieder einmal der Versicherte, der Patient. Denn wenn man immer mehr einzahlen muss, um immer weniger zu erhalten, muss man wohl von einem kranken System sprechen. Wenn man nun noch hört, dass Ärzte wohl nach der Brieftasche entschieden haben, welche Patienten in welchen Kliniken behandelt wurden, spricht dies nicht für eine medizinische Entscheidung im Sinne der Patienten. Aber es ging wohl nicht nur um Krankenhäuser, sondern auch um Sanitätshäuser oder zum Beispiel auch um Hörgeräteakustiker. Nun erwartet man gerade von Mediziner ein hohes Maß an Ethik und Moral und es ist unverständlich, wie dies nun mit dem Begriff Kopfgeld in einen Kontext passen soll. In diesem Zusammenhang gibt es aber noch viel mehr Fragen im Ressort der skandalgebeutelten Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD).

Neben den so genannten Kopfgeldern, gibt es auch noch einen weiteren Skandal der im Moment die Berufsgruppe der Mediziner erschüttert. Denn im Umfeld des Ermittlungsverfahrens der Kölner Staatsanwaltschaft gegen ein Institut aus Bergisch Gladbach, in dem es um Bestechung im Kontext des Erwerbs von Doktortiteln geht, sollen gerade auch sehr viele Mediziner betroffen sein. Diese Fälle werfen einen weiteren dunklen Schatten auf das Gesundheitssystem in Deutschland. So zeigt sich, dass die ganze Reform des Gesundheitswesen wohl mehr Nachteile mit sich bringt, als das sie Vorteile aufweist. Dies spricht natürlich nicht für die Arbeit des Bundesgesundheitsministeriums und vor allem nicht für die Chefin Ulla Schmidt (SPD). Es erweckt wieder den Anschein, als müsse man hier von einem Versagen sprechen. Genau dieser Vorwurf wird auch von den Krankenhäusern und der Ärzteschaft untermauert, denn von hier aus heißt es, dass an vielen heutigen Zustände die Politik schuld sei, da sie die Wirtschaft immer mehr in den Fokus des Gesundheitswesen gerückt hätte. Natürlich muss man hier auch klar und deutlich sagen, dass eine Motivation solcher Beschuldigung auch das weiterreichen des Schwarzen Peters ist. Denn man muss auch festhalten, dass nur weil die Politik Fakten schafft, dies noch keine Einladung zu kriminellen Handlung sein darf.

Der Kanzlerkandidat und das Kompetenzteam

Es ist noch gar nicht allzu lange her, dass Ärzte aus Protest ihre Praxen schlossen, um dagegen zu demonstrieren, dass sie bald alle viel weniger Geld verdienen würden. Mittlerweile weiß man aber auch, dass dem, bis auf einige wenige Ausnahmen, nicht so ist, sondern viele von ihnen nun mehr Geld verdienen. Wenn man in einer solchen Situation dann auch noch mitbekommt, dass Ärzte laut verschiedenen Berichten aus den Medien bis zu 1.000 Euro pro Patient erhielten, liegt die Vermutung sehr nah, dass auch Mediziner mittlerweile in der Mitte des Raubtierkapitalismus angelangt sind. Dieser Vertrauensverlust, den dieser Skandal mit sich bringt, dürfte übrigens auch nicht unerheblich sein. Das Problem ist nur, wem soll man noch vertrauen und gerade bei Ärzten muss eine Vertrauensbasis gegeben sein aber die schwindet natürlich mit jedem neuen Baustein des Skandals mehr und mehr. Wenn man sich dann noch überlegt, dass immer mehr Ärzte dazu übergehen sich Finanzauskünfte über ihre Patienten einzuholen, schlägt dies wohl dem Fass den Boden aus. Selber die Hand aufhalten aber Liquiditätsprüfungen bei Patienten vorzunehmen passt nicht wirklich zusammen. Man sieht an diesen Beispielen, wie wichtig ein Umdenken auch in diesem Teil des Systems ist. Leider muss man aber auch hier eher davon ausgehen, dass genau dies so schnell nicht der Fall sein wird.

Über Jahre doktorte man an dem Gesundheitswesen herum und hat im Moment so etwas, wie einen rein medizinwirtschaftlichen Zweig geschaffen. Die Nachteile dieser Entwicklung kommen nun Stück für Stück ans Tageslicht und immer wieder taucht der Name Ulla Schmidt (SPD) auf. Der aktuelle Wahlkampf zeigt aber auch, dass dieser Weg so fortgesetzt werden soll. Denn nicht nur das Frau Schmidt (SPD) schon der zweiten Regierung hintereinander angehört, ist sie auch vom Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier (SPD) in sein aktuelles Kompetenzteam geholt worden, was für eine mögliche Fortsetzung dieser Politik in den nächsten Jahren sprechen könnte. Woran man an dieser Stelle die Kompetenz festmacht, sei erst einmal dahingestellt. In diesem Kontext fragt man sich natürlich auch, warum der Wahlkampf so gut wie nicht in Fahrt kommt, denn wie man sehr schön sieht, liegt es nicht an mangelndem thematisch gut fundiertem Zündstoff. Es gilt auch zu berücksichtigen, dass wir hier noch von einem verhältnismäßig kleinem Problem des Gesundheitswesen reden, denn wie ein solches System mit den wahrscheinlichen Folgen einer H1N1-Pandemie in einigen Wochen umgehen soll, ist auch noch nicht nachhaltig geklärt. Es ist nur zu befürchten, dass sich dann auch an dieser Stelle eine gewisse Kompetenzlosigkeit zeigen wird und diese könnte dort im schlimmsten Fall auch noch vielen Menschen das Leben kosten. Ein schlimmes Szenario, was da auf unsere Gesellschaft zu kommen könnte.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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