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Die Wahrheit des Wortes

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Die Könige des Öls zeigen sich gnädig

23. Juni 2008

Am Wochenende lud der saudi-arabische König Abdullah in seine Sommerresidenz nach Dschidda. Es ging um die weltweite Ölkrise, die mehr und mehr die gesamte Weltwirtschaft mit in die Krise zieht. Man einigte sich unter anderem darauf, dass zum Beispiel Länder wie Saudi-Arabien, aber auch die Vereinigten Arabischen Emirate, und bei Bedarf auch Kuwait ihre Ölfördermengen anheben werden. Prompt wurden auch wieder Sorgen aus dem Hut gezaubert, wie zum Beispiel die Frage, ob Saudi-Arabien überhaupt in der Lage sei über neun Millionen Barrel Öl am Tag zu fördern, wie es der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verlauten ließ. Denn die Probleme sind vielfältig und liegen nicht nur in den Vorräten des schwarzen Goldes begründet. Es geht vielfach vor allem auch um Politik und in der Hauptsache auch um Spekulationsgeschäfte, an deren Folgen sich auch eine Regierung, wie die der Bundesrepublik Deutschland, erfreut.

Der bayrische Wasserhahn-Effekt

Da ist, wie beschrieben, dieses Wochenende die Erhöhung der Fördermengen für Rohöl beschlossen worden. George W. Bush will neue Ölfelder in Gebieten erschließen lassen, die im Moment noch als Naturschutzgebiete gelten und nicht zu letzt wurde vor einigen Wochen verkündete, dass es riesige neue Ölvorkommen vor der Küste Brasiliens gibt. Dies sind alles Aussagen, die erst ein Mal gegen eine Erhöhung von Rohölpreisen sprechen und eher zur Preissenkung führen sollten. Und was macht der Ölpreis? Ein neuer Rekordpreis jagt den nächsten. So sieht es, nach den asiatischen Vorgaben, wohl auch am heutigen Tag wieder aus. Denn wer durch die Beschlüsse vom Wochenende auf Entspannung gehofft hat, muss auch im Moment wieder feststellen, dass diese Hoffnung ein Mal mehr der Enttäuschung weichen muss. Die Erklärung lieferte aber direkt, der auch an der Konferenz beteiligte, deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Glos (CSU) erklärte, dass es eben mit dem Ölhahn nicht wie mit dem Wasserhahn ist, den man einfach aufdreht und direkt etwas rauskommt.

Was würde das deutsche Volk nur ohne solche Erklärungen tun? Die Frage die offen bleibt ist, wie viel muss denn noch am Hahn gedreht werden, bis etwas passiert? Fakt ist, dass sehr viele Stimmen behaupten, dass es gar nicht mehr um Angebot und Nachfrage geht und dies scheint auch sehr schlüssig zu sein, denn trotz der positiven Vorzeichen vom Wochenende, dürfte jetzt schon feststehen, dass spätestens zum nächsten Wochenende die Spritpreise wieder massiv nach oben gehen werden, denn dann beginnen auch im bevölkerungsreichsten Bundesland, in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien. Wie durch Zauberhand schnellen die Preise zu diesen und ähnlichen Anlässen immer wieder nach oben. Man darf gespannt sein unter welchen Vorwand es dies Mal geschieht. Hier muss sich ein Wirtschaftsminister Glos (CSU) natürlich die Frage gefallen lassen, warum der von ihm angesprochene Wasserhahn-Effekt nur einseitig funktioniert. Denn wenn irgendwo auf diesem Erdball auch nur der kleinsten Pipeline etwas passiert, haben wir einen direkten Preisanstieg. Eine Verzögerung an dieser Stelle? Fehlanzeige.

Eine instabile Welt durch globalen Turbokapitalismus

Es gibt aber noch weitere Fragestellung. Da wäre zum Beispiel die Frage, warum die Regierung nicht stärker gegen Spekulanten vorgeht? Richtig, wo sollte ihr Antrieb liegen, schließlich ist auch die Regierung der Bundesrepublik Deutschland einer der großen Gewinner der ständig ansteigenden Energiekosten, zu mindestens kurzfristig. Denn mit jeder Runde Preiserhöhung, fließt wieder mehr Geld in den Fiskus. Wenn man langfristig und nachhaltig regieren würde, würde man wahrscheinlich mehr daran denken, dass die ständig ansteigenden Ölpreise, gerade auch die Binnenkonjunktur mehr und mehr ins Aus drängt. Da eine Legislaturperiode aber nun ein Mal nur vier Jahr dauert, ist Langfristigkeit, genauso wenig wie Nachhaltigkeit etwas, was es großartig zu berücksichtigen gilt. Schließlich dürften die meisten Wähler auch schon vergessen haben, dass es schon eine Regierung gab, die einen Treibstoffpreis von fünf Deutschen Mark langfristig etablieren wollte. Dies entspricht etwa 2,50 Euro und da sind wir noch nicht angelangt.

Wir leben alle in Zeiten des globalisierten Turbokapitalismus und da zählen die aktuellen Zahlen und was irgendwann in der Zukunft passieren könnte, ist derzeit völlig irrelevant. Wobei sich am heutigen Tag auch wieder zeigt, wie nah auch die deutsche Wirtschaft am Abgrund steht. Denn der soeben veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex, hat sich überraschend massiv auf 101,3 Punkte und damit auf den schlechtesten Stand seit Dezember 2005 abgekühlt und dies nicht zu letzt wegen der Ölkrise. Ein weiterer Beweis dafür, dass es uns alle betrifft, denn hier geht es auch um deutsche Arbeitsplätze. Genau an diesem Punkt unterschätzen aber viele der Eliten, die dies zu verantworten haben, die Gesellschaft. Denn natürlich kann man die breiten Massen hervorragend mit einer Fußball-EM oder ähnlichem ablenken und wer denkt bei einem freudigen Autokorso schon an Spritpreise oder gar die Umwelt? Aber die Energiepreisspirale wirkt sich immer mehr auch auf Gebiete außerhalb der Mobilität aus. Spätestens wenn die Menschen keinen Job mehr haben, wenn sie nichts mehr zu Essen haben, zum Beispiel weil oftmals immer mehr Agrarflächen nicht mehr für Lebensmittelbedürfnisse, sondern zur Abdeckung des Energiebedarfs genutzt werden, stehen sie auf. Im Klartext bedeutet dies nichts anderes, als das die Eliten die hinter diesen Auswüchsen des globalen Turbokapitalismus stehen, für eine immer instabilere Welt stehen und sie die Mauern hinter denen sie heute schon leben, vorsichtshalber schon ein Mal verstärken sollten, wenn sie gedenken so weiter zu machen.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Umwelt · Wirtschaft

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