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Die Wahrheit des Wortes

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Die Kirche sucht Freunde

6. August 2010

Wenn man sich diese Woche anschaut, hat man das Gefühl, als sei der ein oder andere Kirchenmensch auf der Suche nach neuen Freunden, was nach den herben Verlusten der letzten Monate auch schon fast verständlich anmutet. Man muss aber natürlich auch immer im Bewusstsein haben, dass es nicht darum ging, dass es irgendwelche Intrigen gegen die Kirche oder den Vatikan gab, sondern man sich die ganzen Probleme selber eingehandelt hat. Denn schließlich waren es Geistliche die durch Gewalt und Missbrauch oder auch einfach nur durch Trunkenheitsfahrten ihr Image selbst durch den Dreck gezogen haben. Wobei es mindestens genauso negativ war, dass man in den allermeisten Fällen, bis es gar nicht mehr anders ging, schwieg und vertuschte und dies bis zum Oberhirten in Rom. Was sich nun diese Woche abspielte, wirkte dann in diesem Kontext doch schon etwas schräg.

Die Kirche und die Armut
Die Kirchen in Deutschland setzen sich immer wieder zur Bekämpfung der Armut in Deutschland oder auch in anderen Teilen der Welt ein, dies ist erst einmal ein Fakt, den man unabhängig von allen anderen Geschehnisse festhalten muss und auch anerkennen sollte. An dieser Stelle folgt aber auch schon ein riesiges ABER. Man sollte nicht vergessen, dass auch die Kirchen in vielen Belangen schon seit ewigen Zeiten Strukturen aufweisen, wie man sie ansonsten aus der Politik und der Wirtschaft kennt und man fragt sich natürlich, ob die Hilfe nicht noch viel weitergehen könnte und müsste, denn Kapital, Schätze und Immobilien sind doch in großem Maße vorhanden. Die Kirchen haben eine große gesellschaftliche Verantwortung und dieser sind sie, wie die ganzen Skandale der letzten Wochen und Monate immer wieder gezeigt haben, nur allzu oft nicht in Ansatz nachgekommen. So etwas rüttelt natürlich am gesellschaftlichen Status.

Sehr enttäuschend war da vor allem auch immer wieder das große Schweigen aus dem Vatikan. Denn Papst Benedikt XVI. hat bislang eigentlich jede Gelegenheit ausgelassen, sich einmal wirklich in der Sache zu äußern und zu erklären, wie er all die Missbrauchs-und Gewaltvorwürfe sieht und was er gedenkt zu tun. Denn noch immer gibt es scheinbar keine im Ansatz annehmbare Lösung dafür, wie man mit den Opfern umgehen will. Der Fokus, gerade auch bei der katholischen Kirche, ist doch vielfach scheinbar mehr auf die Täter als auf die Opfer gerichtet. Anstatt sich hier nun einmal klar zu positionieren, tat man in dieser Woche einmal mehr so, als sei nichts geschehen und mischte sich fleißig in die Armutsdebatte ein, was natürlich schon eine komische Wirkung hat, wenn man sich überlegt, welche Baustellen sonst noch alle bei den Kirchen offen sind. Es fühlt sich schon ein wenig so an, als hätte man dieses Thema speziell gewählt, um endlich einmal wieder bessere Schlagzeilen zu bekommen, die man im Moment so bitter nötig hat.

Eigennutz
Sollte diese Vermutung richtig sein, würde dies bedeuten, dass diese Äußerung doch eher einem strategischen Ziel verbunden sind, als man es auf Anhieb merkt. Vielleicht führt ein solches Verhalten sogar dazu, dass das ein oder andere Schäfchen zurückgeholt wird aber viele Menschen erkennen wohl auch den Eigennutz solcher Aussagen. Man ist durch das bisherige Verhalten schon ein Stück an den Rande der Gesellschaft geraten und versucht jetzt wohl auf diese Art wieder mehr in die Mitte zurücken. Wesentlicher sinnvoller wäre es allerdings sich zu mindestens parallel zu solchen Beiträgen, ebenso offensiv zu zeigen, wenn es um die Aufklärung in eigener Sache ginge. Arbeit gibt es an dieser Front ausreichend und da reicht es nicht im Ansatz aus, wenn sich offensichtliche Täter, wie zum Beispiel Walter Mixa, nach einer Privataudienz beim Papst schweigend zurückziehen. Aufklären, Klarheit sieht irgendwie anders aus. Dabei ist die Klarheit gerade etwas, was eine Religionsgemeinschaft, wie zum Beispiel die Kirchen, auch brauchen.

Alles andere kennt man schon zur Genüge aus den Bereichen der Politik und der Wirtschaft. Wenn die Kirche sich auch weiterhin verhält, wie man es von den dortigen Protagonisten her kennt, wird auch diese Aktion zu nichts führen. Man verspielt somit eine weitere gute Chance sich der Mitte der Gesellschaft wieder etwas anzunähern. Wenn man dort wieder angekommen ist, kann man sich auch in aller Ruhe einmischen aber von der Strafbank aus, sollte man es lieber lassen, denn es wirkt befremdlich. Genauso befremdlich, wie das Schweigen aus dem Vatikan. Man darf nun in den nächsten Wochen und Monaten gebannt beobachten, was zum einen vielleicht noch an weiteren Ablenkungsversuchen kommen mag aber auch ob man vielleicht einmal tatsächlich etwas tut, um Menschen wieder von der Kirche zu überzeugen. Denn mit solchen Aktionen, wie in dieser Woche, wird man wohl vergeblich nach vielen neuen Freunden suchen. Wäre die Kirche allerdings wirklich einmal bereit aktiv und ohne äußerlichen Druck aufzuklären und aufzuräumen, würde es sich vielleicht anders darstellen.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Josef // 6. Aug 2010 at 12:02

    Genau meine Meinung auch wenn diese auf keinen fruchtbaren Boden fällt

Schreib was dazu