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Die Wahrheit des Wortes

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Die Kehrseite der Anarchie

2. April 2009

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt… mögen sich viele Menschen aus dem Bereich der Wirtschaft, Politik und bei den Kirchen in den letzten Jahren und Jahrzehnten gedacht haben. Dies bedeutet, wir reden hier über Anarchie, über eine Abkopplung von Regeln und Gesetzen. Gesetze werden soweit ausgelegt, dass sie auch im Ansatz keiner moralischen Prüfung standhalten würden aber im Notfall vor den meisten Gerichten der Welt bestehen würden. Teilweise, wie zum Beispiel im Fall des Ex-Postchefs Klaus Zumwinkel, wird auch schon Mal über dieses Maß geschritten. Alle gravierenden Verstöße gegen Regeln und Gesetze werden dann schnell in die Hülle der Einzeltaten bzw. Einzelfälle verpackt, um auch nicht im Ansatz Systeme kenntlich zu machen. All dies hat lange Zeit funktioniert, bis wir nun an dem Punkt angelangt sind, an dem wir nun stehen. Herzlich willkommen in der Weltwirtschaftskrise, die die letzte große Weltrezession scheinbar noch trumpft.

Der Fliegenschiss im Universum

Mittlerweile verknüpfen weite Teile der Gesellschaft ganz offensichtlich gewisse Kontexte, wie zum Beispiel Hartmut Mehdorn, Telekom, Lidl oder auch Airbus und Bespitzelung und wenn man sich die dazugehörigen Fakten anschaut, kann man diese Zusammenhänge auch nicht wirklich leugnen oder vertuschen. Es wird der Anschein erweckt, dass gewisse Regeln und Gesetze für eine vermeintliche Elite nicht gelten und selbst wenn sie ein Mal Geltung erlangen, nur in einer minimalistischen Art und Weise verfolgt und bestraft werden. Natürlich führt so etwas immer mehr zu Unmut. Natürlich setzen diese Menschen dem ihre Erfolge und Wohltaten für die Welt entgegen aber auch hier gilt es realistisch zu bleiben. Nehmen wir die, gerade in den letzten Tagen so oft zitierte, Erfolgsgeschichte der BRD in den letzten 60 Jahren. Natürlich kann man hier sehr vieles positiv hervorheben aber man findet auch immer wieder Tiefschläge. Wenn man nun aber nur diese 60 Jahre mit den über 2.000 Jahren des Christentums vergleicht, wird einem klar über was für eine Zeitachse man redet. Wenn man jetzt noch das Christentum in Kontext mit den Milliarden an Jahren der Erdgeschichte setzt, wird einem schnell klar, dass wir über einen Fliegenschiss im Universum reden und über nichts wirklich nachhaltiges.

Aber zurück zur Anarchie der heutigen Zeit. Da sind die Banker, die es bei weitem nicht alleine sind, auch wenn man ihnen gerne dieser Tage versucht die Alleinschuld an der Krise zu zuschieben. Man erinnert sich noch an diese smarten, nett aussehenden, jungen Erfolgstypen, die ihre überflüssige Energie in so genannten Fightclubs wegboxten. Sieger auf der ganzen Linie (ein Schelm, wer hier an Koks oder ähnliches denkt). Nun versammeln sich seit gestern die führenden Politiker der Industriestaaten, sowie der Schwellenländer unter dem Begriff G20 in London, was seitdem gestrigen Tag auch den ein oder anderen auf den Plan ruft, der mit der momentanen Situation nicht ganz so zufrieden ist. Genau hier prallen nun zwei Auffassungsweisen von Anarchie aufeinander und dies ist schon interessant zu beobachten, soweit dies außerhalb Londons überhaupt möglich ist. Denn auch hier versuchen die Medien das Potenzial, wo es nur geht herunterzuspielen. Lange waren Beispielsweise die Abweichungen bei den Teilnehmerzahlen von Veranstaltern und staatlichen Stellen nicht mehr soweit auseinander, wie bei den Demonstrationen der letzten Tage. Man versucht das, was sich seitdem Wochenende zum Beispiel in Paris, Wien, London, Frankfurt und Berlin bewegt, möglichst klein zu reden. Unabhängige Berichterstattung ist das nicht aber man muss offensichtlich den Werbekunden gerecht werden und so eher wirtschaftsorientiert berichten. Witzigerweise scheint es nun, als hat man gerade auch im Bereich der Wirtschaft plötzlich Angst vor der Anarchie, die man sonst so gerne auslebt.

Ein gepanzertes Fahrzeug namens RIOT

Scotland Yard gab den Londoner Bankern den Tipp, sich während des G20-Gipfel doch eher nicht in edlem Tuch zu zeigen, sondern auf Jeans oder ähnliches zurückzugreifen, was laut Aussage einiger Medien auch viele taten. Da war dann nichts mehr von Fightclub-Mentalität zu spüren, sondern eher die pure Angst und Feigheit dazu zustehen, was man tut. Natürlich dürfen diese Menschen nicht erwarten, dass sie die Gesetze und Regeln bestimmen, die gebeugt oder gar gebrochen werden. Dies wer nur allzu vermessen. Wenn man sich von Gesetzen und Regeln löst, gilt dies für alle Bereiche und alle Seiten. Der eine bevorzugt eben Steuer-und Finanzgesetze, während ein anderer es halt mit der Körperverletzung etwas lockerer sieht. Man muss sich entscheiden, ob man in einer geregelten Welt, in einem sozialen, demokratischen System leben mag oder in einem in dem alles erlaubt ist. Wer alleine schon die Bilder vom 1. April aus London gesehen hat, dürfte wissen wie ernst es den Leuten auf der Straße ist, die im Moment für die Krise zahlen, ohne auch nur im Ansatz von den Milliardengewinnen der letzten Jahre und Jahrzehnte profitiert zu haben. So sah man sogar ein gepanzertes Fahrzeug auf der Demonstration in London, welches die Aufschrift RIOT trug. Es hat ganz so den Anschein, als kommt es mehr und mehr zu einer Radilaisierung beider Seiten, die wenn sie nicht gestoppt wird, sehr negativ eskalieren wird.

Aber um genau dies zu verhindern, setzen sich am heutigen Tag die Entscheider der G20 zusammen. Wohl gemerkt direkt mit dem Hinweis, dass die Zeit recht knapp ist, schließlich geht es um die Neuordnung der Weltfinanzwirtschaft. Das nun Mal eben in ein paar Stunden zu erledigen, scheint eine Herkulesaufgabe zu werden. Man kann dieses, ganz offensichtlich verfehlte Zeitmanagement, natürlich auch durchaus als Desinteresse werten und genau dies wäre wohl der fatalste Fehler. Denn sich hier nun in weitere, spätere Treffen zu retten, weil in einer globalisierten Welt die nationalen Interessen plötzlich einen so hohen Stellenwert haben, wird die Menschen nicht zufrieden stellen. Was sich allerdings niemand im Moment wünschen sollte, ist ein weiteres anwachsen der Unzufriedenheit mit den bestehenden Systemen und der daraus immer weiter ansteigenden Gewalt, die man von Europa über Afrika bis nach Asien spüren kann. Die Aufgabe der G20, wie aber auch der Vertreter der verschiedenen Religionen geht weit über den repräsentativen Charakter hinaus. Denn wenn es nur um das Repräsentieren geht, machen sich diese Menschen mehr und mehr unglaubwürdig bis hin zu überflüssig. Es ist nun am heutigen Tag in der Hand der G20- Staaten und deren Vertretern den Beweis anzutreten, dass man wirklich an einem globalen Systemwechsel interessiert ist. Sollte ein solcher Wechsel in London nicht erreicht werden, kann man wohl nicht länger davon überzeugt sein, dass die Welt nicht immer mehr im Chaos und der Anarchie versinkt.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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