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Die Wahrheit des Wortes

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Die katholische Kirche und die Jugend

22. August 2011

Nun ist auch der Weltjugendtag der katholischen Kirche in der spanischen Hauptstadt Madrid vorbei und er hat vor allem einen Beweis erbracht, wie weit die Ablehnung gegenüber der katholischen Kirche in Spanien, und nicht nur in Spanien, mittlerweile schon geht. Man darf nur hoffen, dass im Vatikan niemand allzu überrascht darüber ist, dass Papst Benedikt XVI. in Madrid so viel Ablehnung entgegen gebracht wurde. Spricht man von der katholischen Kirche und der Jugend, denkt man natürlich, wenn nicht gerade Weltjugendtag war, in aller erster Linie an die skandalösen Missbrauchsfälle, wo der Papst auch noch immer ausreichende Erklärungen vermeidet, wie der Teufel das Weihwasser. Mittlerweile sind die Probleme aber noch wesentlich größer geworden, auch wenn dies unvorstellbar klingen mag, denn die Menschen, und hier spricht man nicht nur von der Jugend, begreifen immer mehr, dass die Kirchen auf die heutigen, so wichtigen Fragen schon lange keine Antworten mehr haben. Die westliche Welt, und damit quasi das Ballungszentrum des christlichen Glaubens, steht vor dem Bankrott und die Armut breitet sich immer schneller aus und bislang fiel gerade auch die katholische Kirche in diesem Kontext vor allem durch Schweigen auf. Kirche und ruinierender, globalisierter Raubtierkapitalismus war dann auch ein Hauptgrund für die Proteste gegen den Papstbesuch in Spanien.

Hat die katholische Kirche es endlich begriffen?
Fast jeder zweite Jugendliche unter 25 Jahren hat in Spanien keine Arbeit, hier kann man schon von einem Massenproblem der Perspektivlosigkeit sprechen. Wo solche Folgen des globalisierten Raubtierkapitalismus hinführen können, konnte man noch zuletzt in England sehen und hier ist die Quote noch nicht einmal so schlimm, wie in Spanien. Wie gesagt, war dies bislang aber kein großes Thema im Vatikan aber auch dies sollte sich mit dem Besuch des Weltjugendtages verändern, denn Papst Benedikt XVI. forderte unter anderem mehr Menschlichkeit in der Wirtschaft, was man schon einmal als einen ersten kleinen, zaghaften Schritt in die richtige Rechnung einstufen kann. Allerdings bleibt es fraglich, ob dies nicht quasi in aller letzter Sekunde auf den Plan kam, da es am Vorabend der Ankunft des Papstes in der spanischen Hauptstadt schwere Ausschreitungen gab. Denn es gibt sehr, sehr viele Menschen, die den Papst nicht in Spanien sehen wollten und dafür gab es mindestens zwei große Gründe. Der eine Grund ist das viele Spanier eine massivere Trennung von Staat und Kirche fordern, ein noch viel größer Grund dürften allerdings die Kosten gewesen sein, denn wie gesagt, auch Spanien hat kein Geld mehr und viele Menschen fragen sich dann, ob ein so teurer Besuch des Oberhirten aus Rom wirklich sein muss.

Die Summen, um die es hier geht sind erstaunlicherweise einmal mehr sehr schwankend, auf der einen Seite redet man von 10 Millionen Euro, auf der anderen Seite gibt es Quellen die von dem fünffachen, also von 50 Millionen Euro sprechen. Vielleicht denkt man sich aber auch im Vatikan, dass dies kaum erwähnenswerte Summe sind, wird es in der heutigen Welt doch erst bei Milliarden bzw. Billionen spannend. Genau diese Ignoranz gegenüber Werten ist es natürlich auch, die so viele Menschen wütend macht und dies erst einmal völlig unabhängig von den Kirchen. Es ist natürlich auch richtig, dass Menschen bemängeln, dass man für einen solchen Besuch, wie den des Papstes, für eine Veranstaltung, wie den Weltjugendtag, Finanzmittel bereitstellen kann und sowohl die Sicherheitskräfte müssen bezahlt werden, wie auch die Reinigungstrupps etc., die nach solchen Großveranstaltungen auch immer die Hände voll zu tun haben, auf der anderen Seite aber Gelder bei Schulen etc. gekürzt werden, da die Kassen dann gähnend leer sind. Man merkt die Weltwirtschaftskrise ist schon längst auch im Vatikan angelangt und vielleicht begreift man dies dort nun auch endlich einmal in einem ausreichenden Maß und beschäftigt sich wirklich in der Tiefe mit diesem wirklich riesigen Problem. Chancen gibt es auch weiterhin viele, so steht bald schon der Papstbesuch in Deutschland an, einem Land, welches auch mehr und mehr von der Krise gebeutelt wird.

Wie sieht Deutschland den Papst?
Wir sind Papst. Das diese Zeiten lange vorbei sind, dürfte mittlerweile auch schon durch die dicken Mauern des Vatikans gedrungen sein. Man kann es durchaus als erschreckend bezeichnen, wie schnell Papst Benedikt XVI. sein Image heruntergefahren hat und damit natürlich auch das Image der katholischen Kirche und Ausschreitungen im Vorfeld eines Papstbesuches, wie eben jetzt in Spanien, zeigen genau dies. Es wäre übertrieben und verfrüht darüber zu urteilen, wie es bei seinem Besuch in Deutschland zugehen wird aber die Akzeptanz dürfte in den letzten Jahren in jedem Fall auch in Deutschland abgenommen haben. Denn auch hier gilt, dass weder die Kirchen ganz allgemein, noch die katholische Kirche im speziellen und natürlich auch der Papst es nicht geschafft haben, den Menschen Antworten auf die immer drängenderen Fragen zu geben. Dies ist eine gute Stelle, um noch einmal das Thema Jugend aufzugreifen, denn für diese ist das Thema Perspektivlosigkeit wohl am gravierendsten und genau hier könnte und sollte man Boden wieder gutmachen und die am Anfang des Artikels erwähnten mahnenden Worte des Papstes in Richtung des aktuellen Wirtschaftssystem der westlichen Welt, könnten da ein guter erster Schritt gewesen sein, der nun natürlich in einen Weg ausgebaut werden müsste, an dessen Ende es dann auch für die Kirchen ein wenig besser aussehen könnte. Wie dringend dieser Weg gebraucht wird, sollten die Erfahrungen aus Madrid sehr deutlich gezeigt haben.

Natürlich bedeutet dies auch, dass sich der Papst und damit natürlich die katholische Kirche klar und vor allem auch nachhaltig und glaubwürdig positionieren muss und dies fällt den Kirchen natürlich in aktuellen Kontext immer schwer, allerdings wird man gar keine andere Wahl haben, denn neben den hier beschrieben Problemen, gibt es noch weitere. Eines ist, dass sich scheinbar immer mehr Gewaltbereitschaft auch im Christentum ausbreitet. Im Fall des norwegischen Attentäters Anders B., der in Oslo und auf der Fjordinsel Utoya insgesamt 77 Menschen tötete, denen das ganze Wochenende über in Norwegen gedacht wurde, ist ein christlich, fundamentalistischer Hintergrund im Gespräch gewesen und es gilt noch zu klären, ob sich dieser Verdacht bestätigt. Klarer sieht es da wohl mit dem jungen Mexikaner aus der in Madrid verhaftet wurde, da er scheinbar die kranke Idee hatte mit Bomben die Anhänger der Gegenbewegung des Papstes zu töten. Man erkennt hier klar und deutlich Tendenzen, die man bislang immer gerne rein dem Islam zugeschrieben hatte. Sollte sich der hier geschildert Weg allerdings in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in blutiger Form fortsetzen, würde dies ein weiteres großes Problem für die Religionen ganz allgemein darstellen. Auch hierzu muss der Vatikan ganz klar Stellung beziehen. Denn Gewalt, auch das hat Spanien gezeigt, kann keine Lösung sein, vor allem nicht, wenn es um das so oft angemahnte friedliche Miteinander geht.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Wirtschaft

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