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Die Wahrheit des Wortes

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Die himmlische neue Datensicherheit

18. Oktober 2010

In diesem Artikel geht es quasi um das Rechnen in einer Wolke. Was auf Anhieb traumhaft himmlisch klingt, beinhaltet doch viele Risiken und Nebenwirkungen und zu diesen sollte man wohl kaum Bill Gates, Steven Jobs oder sonstige Experten befragen. Es geht einmal mehr darum, wie man wieder einmal neue Wege schaffen kann, um die raubtierkapitalistischen Systeme noch etwas länger am Leben zu erhalten. Positiv sprechen wir hier also so zu sagen von einer lebensrettenden Maßnahme für ein im Sterben liegendes System. Es geht dabei darum, eigentlich unendlich große Mengen an Speicherplatz für die User zur Verfügung zu stellen und dies nicht mehr in irgendwelchen Geräten die das Haus, die Wohnung oder gar das Büro verschandeln, sondern auf Servern, die irgendwo auf dieser Welt stehen. Schon praktisch, wenn man kein Geld mehr für Festplatten oder andere Speichermedien, in welcher Form auch immer, ausgeben muss, mag nun der ein oder andere denken aber dies ist dann tatsächlich auch schon der erste große Gedankenfehler.

Datenverlustrisiko?
Man darf natürlich nicht denken, dass die großen Unternehmen, die solche Ziele verfolgen, den Speicherplatz umsonst anbieten werden. Dies bedeutet, man muss unter Berücksichtigung verschiedenster Aspekte, verschiedene Möglichkeiten durchkalkulieren. Denn es wäre auch ein fataler Fehler einfach nur die reinen Preise im Verhältnis zum zur Verfügung stehenden Datenvolumen miteinander zu vergleichen. Wenn man sich in der heutigen Zeit einen Rechner kauft, stellt sich die Frage, wie lange dieser hält und hier hat man in den letzten Jahren einiges versucht, um diesen Wert möglichst gering zu halten. Dies geschah zum Beispiel dadurch, dass gewisse Programme, Spiele etc. teilweise nach kurzer Zeit nicht mehr zu benutzen waren, teilweise halfen hier Nachrüstungen, die natürlich auch wieder Geld kosteten, zum Teil war man aber, obwohl rein von der Technik her kein Problem bestand, gezwungen sich neue Geräte zu kaufen. So konnte man mit immer neuen Details, dessen tatsächlicher Nutzen oftmals mindestens umstritten war, neue Umsätze generieren.

Immerhin bestand bei dieser Lösung ein relativ hohes Maß an Datensicherheit, sofern oft genug Datensicherungen durchgeführt wurden und damit lag es in der eigenen Hand des Users. Beim Cloud Computing hilft dies in einem gewissen Maß auch, allerdings fragt man sich hier, was zum Beispiel passiert, wenn Rechnungen platzen. Man kann sich die neuen Prozessszenarien schon förmlich vorstellen. Der Kunde zahlt, aus welchen Gründen auch immer, seine Rechnung nicht und hat plötzlich keinen Zugriff mehr auf seine Daten. Die nächste Frage ist allgemein, wie hoch ist die Erreichbarkeit der eigenen Daten. Man spürt direkt schon, wie viel und vor allem, wie genau man das Kleingedruckte lesen sollte. Es geht aber noch weiter, denn auch Programme sollen auf diesem Wege direkt ausgelagert zur Verfügung gestellt werden und auch dies  klingt erst einmal wieder sehr fein, stellt einen aber vor die selben Fragen, wie im Bereich der Zugriffssicherheit der eigenen Daten. Natürlich sollte jedem bewusst sein, dass es ein sehr hohes Risiko gibt, dass kleine vom Nachbarn gebrannte Programm oder die CD des Freundes, die man sich gezogen hat, dort zu hinterlegen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Redaktion natürlich niemanden ein illegales Verhalten unterstellen möchte aber schon davon ausgeht, dass der Personenkreis mit einer wirklich weißen Weste an dieser Stelle sehr überschaubar ist.

Wer bestimmt die Inhalte?
Auf  der eigenen Festplatte kann man die Inhalte selber bestimmen, denn man ist Eigentümer. Mietet man sich jetzt etwas auf Basis von Cloud Computing, ist man nicht mehr Eigentümer und der Anbieter könnte zum Beispiel gewisse Arten von Freeware oder ähnliches untersagen und damit natürlich die eigenen, gegen Bezahlung zu erhaltenen Programme vor ungebetener Konkurrenz schützen. Beispiele für so etwas gibt es schon in ganz anderen Bereichen. So gab es auch Zeiten, da konnte man Getränke mit an Bord eines Fliegers nehmen aber da es nun scheinbar einen Terrorverdacht gegen die verschiedensten Softdrinks und ähnliches gibt, muss man halt an Bord bezahlen. Ein Schelm wer hier eine gewisse Systematik vermutet. Auch hier wird es wohl wieder einige Prozesse geben aber bis die bei der heutigen Überlastung der Gerichte in Deutschland ausgefochten sind, werden sich die Anbieter schon wieder ganz neuen Ideen ausgedacht haben. Diese Kette könnte man nun endlos fortsetzen und zu mindestens hier in der Redaktion in Köln, kommt man zum Ergebnis, dass all dies nicht wirklich dem Verbraucher dient, zu mal ein weiteres großes Thema noch fehlt, der Überwachungsstaat.

Es gibt den schönen Satz, der da heißt: nur weil du Paranoid bist, heißt dies nicht, dass sie dich nicht trotzdem verfolgen. Getreu dieses Satzes muss man sich auch immer vor Augen halten, wie eng in unserer heutigen Zeit die Wirtschaft mit der Politik verbunden ist. Man darf sich da durchaus die Frage erlauben, wie sicher die eigenen Daten vor den Zugriffen der einzelnen Geheimdienste sind oder ob es da vielleicht Zugeständnisse der ein oder anderen Firma gegenüber irgendwelchen Staaten bzw. staatlichen Organen gibt und welches Recht gilt eigentlich im völlig grenzlosen Internet auch an dieser Stelle? Es gilt auch hier mit einem hohen Maß an Vorsicht an alles heranzugehen, denn nicht erst seit dem damaligen Bundesinnenminister und heutigen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), weiß man, dass der Staat auch schon einmal gerne auf den Rechner im Wohnzimmer schauen würde. Genau hier kann man aber den Stecker ziehen, was sich beim Cloud Computing noch einmal etwas komplexer darstellen dürfte. Natürlich wird es hierzu Richtlinien, Gesetze und ähnliches geben aber die gab es auch bei Daimler und Lidl, wo trotzdem überwacht wurde.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Stefan Braun // 18. Okt 2010 at 17:33

    Es ist, wie so oft, auch hier wieder ein Abwägen der (eigenen) Vor- und Nachteile notwendig. Cloud computing (nicht nur reine Datenablage, sondern eben auch processing) erfordert zuerst einmal Vertrauen zum Dienstanbieter. Vertrauen auf verschiedenen Ebenen. Eine Ebene ist die Sicherheit der Daten vor Verlust (Datensicherung). Eine andere Ebene Sicherheit der Daten vor Zugriff Unbefugter. Eine dritte Ebene die Verfügbarkeit von Resourcen, wenn man sie benötigt und die Flexibilität, die man dabei hat. Denn das ist ja vielleicht der größte Vorteil von cloud computing. Und natürlich sollte man sich darauf verlassen können, selbst auf seine Daten zugreifen zu können.

    Abhängig von den Daten ist es auch noch wichtig zu wissen, wo diese letztlich liegen. So sollten zum Beispiel Personaldaten nicht auf Servern liegen, die irgendwo in der Welt stehen.
    Es gibt also eine Reihe von Fragen für sich zu beantworten.

    Aber letzten Endes ist cloud computing nur die konsequente – nicht sehr revolutionäre – Fortsetzung einer Entwicklung, die (spätestens?) mit Einführung des Internets vor vielen Jahren begonnen hat.

    Wer von uns hat nicht seine mails auf einem server im Netz? Natürlich jeder, der überhaupt einen mail account hat. Macht uns das noch Sorgen? Mails sind bereits so selbstverständlich, dass sich kaum noch jemand Gedanken darüber macht, dass seine Daten durchs Netz schwirren. Natürlich kann man seine mails verschlüsseln. Aber wie viele machen das wirklich?

    Deshalb würde ich dieses Thema nicht so hoch hängen. Es ist eine Option, die genutzt werden kann, aber nicht muss. Und ich bin sicher, dass sie genutzt werden wird. Die Grenzen zwischen lokalen Daten und Daten im Netz sind heute bereits so verwischt, dass wir dauernd ganz selbstverständlich damit umgehen.

Schreib was dazu