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Die Wahrheit des Wortes

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Die große Lüge vom Ende des Abschwungs

14. August 2009

Ist es nicht schön, kaum nähern sich in Deutschland die Bundestagswahlen und schon wird alles besser in diesem Land. Noch vor kurzem steckte die Republik ganz tief drin in der Weltwirtschaftskrise aber nun gibt es scheinbar nur noch eine Richtung der man folgt und die heißt Aufschwung. Man stellt sich schnell die Frage, ob dies ein weiterer gezielter Versuch von Volksverdummung ist oder ob die Menschen, die sich in diesen Tage so turbooptimistisch zeigen, wirklich so verblendet sind, dass sie die Realität gar nicht mehr wahrnehmen? Der DAX klettert und klettert mit kleinen Dämpfern und nun wurde auch noch das Ende der Rezession ausgerufen. Was kann da noch schief gehen, mag sich manch einer Fragen. Fakt ist, dass noch eine riesige Menge schief gehen kann und das wird auch noch der Letzte spüren und dann auch realisieren müssen, dass in diesem Land nicht immer nur die Wahrheit verbreitet wird.

BIP-Daten plusminus 0,3 Prozent

Das Statistische Bundesamt gab in dieser Woche bekannt, dass die Wirtschaft in Deutschland im zweiten Quartal gewachsen sei. Es ist die Rede von einem Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 0,3 Prozent. Allerdings musste das Statistische Bundesamt auch gerade erst die Zahlen für das erste Quartal um ebenfalls 0,3 Prozent korrigieren, was noch einmal sehr schön verdeutlicht über welche Größenordnung wir hier sprechen. Das die Medien auf Grund dieser Zahlen gleich das Ende der Rezession einläuten, darf man wohl durchaus mindestens als fahrlässig einstufen. Wenn man sich dann noch überlegt, wie viele Milliarden Euro und Dollar in die weltweiten Konjunkturpakete geflossen sind, um ein Wachstum von wahnsinnigen 0,3 Prozent zu erzielen, kann man sich vorstellen, wie es um die Rentabilität des eingebrachten Kapitals bestellt ist. Warum es dann noch immer Menschen gibt, die das Krisenmanagement der aktuellen Regierung in den Himmel loben, bleibt wohl schleierhaft. Außerdem geht ein wenig unter, dass man die selben Fehler, wie vor und während der Krise begeht und sich geradewegs wieder in die Geiselhaft anderer Volkswirtschaften begibt anstatt nachhaltig an der eigenen Binnenkonjunktur zu arbeiten. Soviel zu dem Thema, dass man aus der Vergangenheit lernen sollte.

Man regt sich darüber auf, dass der Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) einen Gesetzentwurf an die weltweit zweitgrößte Wirtschaftskanzlei Linklaters LLP abgegeben hat, die unter anderem gut 2.400 Anwälte beschäftigt. So schürt man natürlich den Verdacht, dass dies ein Ausnahmefall sei. Das die Lobbyarbeit in Deutschland mittlerweile soweit geht, dass man sich manchmal fragt, ob dieses Land wirklich noch von einer Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) regiert wird oder nicht vielleicht doch schon zum Beispiel vom Chef der Deutschen Bank Josef Ackermann, geht auch etwas unter. Wenn die Regierung einräumt, externe Partner zu brauchen, da sie mit manchen Aufgaben überlastet bzw. überfordert ist, sollte man sich fragen, wofür man in diesem Land Steuern bezahlt und die Regierung sollte sich vielleicht darüber Gedanken machen, ob sie nicht im Ganzen zurücktreten sollte. Wir erinnern uns alle noch an die großspurigen Versprechungen der Bundesregierung, dass nun endlich neue Systeme etabliert werden müssten, faktisch haben sich allerdings die Systeme, die in die Krise führten, einfach nur weiter verfestigt. Für die Gesellschaft in Deutschland aber auch im Rest Europas bzw. auf der Welt, bedeutet dies noch mehr Belastungen durch den Staat und noch mehr Hungerlohn. Die Schere zwischen den Reichen und den Armen in diesem Land, wie eben auch in vielen anderen Ländern, wird auch weiterhin immer größer.

Das Aus für Escada und Arcandor

Aber kommen wir zurück zur aktuellen Wirtschaftslage in Deutschland, von der man uns im Moment gerne vorgaukelt, wie gut es um sie bestellt sei. Escada hat am gestrigen Tag beim Amtsgericht München den Insolvenzantrag gestellt. Hier stehen gut 2.300 Jobs zur Disposition. Sollte an diesem Wochenende nicht noch ein Ankerinvestor auftauchen, der Arcandor im Ganzen übernimmt, steht hier die Zerschlagung des Konzerns an. Allein im Bereich des dazugehörigen Versandhändlers Quelle, würden wir dann in Fürth bei Nürnberg alleine schon über 3.700 Arbeitsplätze sprechen. Außerdem darf man nicht übersehen, dass bis zum Monatsende auch noch die letzten der 2.600 Mitarbeiter von Hertie auf der Strasse stehen. Nur bei diesen paar wenigen Beispielen reden wir schon von mehr als 8.500 Arbeitsplätzen und wir haben noch gar nicht angefangen zu rechnen, was bei Opel, VW, Porsche, Conti etc. noch alles zur Disposition stehen könnte. Also hier von der Talsohle oder gar von guten Nachrichten aus der Wirtschaft zu sprechen, ist an Zynismus kaum noch zu überbieten. Es ist schön, dass die Manager wieder ihre Bonifikationen bekommen, die Banken wieder Milliardengewinne machen, während sie den Mittelstand auch weiterhin kredittechnisch austrocknen, nur mit Gerechtigkeit oder einem nachhaltigen Aufschwung hat das alles gar nichts zu tun.

Der Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD) spricht in seinem Zehnjahresplan, pardon, Deutschlandplan von Vollbeschäftigung bis 2020, da stellen sich ganz schnell zwei Fragen. Die erste ist, wie er das beim heutigen Verlauf, der gerade erst an Fahrt gewinnt, überhaupt schaffen will. Zum zweiten ist da die Frage, ob die Menschen zukünftig angemessen von ihrer Arbeit leben können. Denn Arbeit zu beschaffen ist das eine, von dieser auch den Lebensunterhalt zu bestreiten, ist noch einmal etwas völlig anderes. Dieser Fakt geht leider in der heutigen Zeit von unbezahlten Praktikumplätzen und 1-Euro-Jobs unter. Natürlich bleibt auch in dieser Situation die Binnenkonjunktur ein großes Problem, denn desto mehr die Menschen an den Staat abgeben müssen, um die Fehlentscheidungen der vermeintlichen Eliten und Experten auszugleichen, desto weniger können sie konsumieren. Greifbare Haftungsmodelle für Manager, die völlig sorglos, wenn nicht sogar oft genug planlos, ganze Großunternehmen vor die Wand setzen, wären schon einmal ein guter Ansatz in der Politik. Hier kommt natürlich wieder die Lobbyarbeit quer und schließlich gibt es für viele Politiker auch noch ein Leben nach der Politik und das möchte man sich scheinbar auch nicht verbauen. Wohin all dies führt, haben die Europawahlen gezeigt. Desto mehr sich die Politik von der Gesellschaft entfernt, desto größer wird das politische Desinteresse und dies schädigt letztendlich die Demokratie nachhaltig.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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