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Die Wahrheit des Wortes

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Die Geschichte vom Inderwagen

11. Januar 2008

Arroganz, ist das erste was mir einfällt, wenn ich die Berichte über den Tata Nano, den preiswertesten Wagen der Welt, sehe. Vielleicht ist aber doch ein Mal mehr, einfach nur Angst. Angst schon wieder Trends zu verschlafen und damit meine ich gar nicht unbedingt die Autoindustrie alleine, auch wenn dies nahe liegend wäre, schließlich haben wir hier Trends, wie die Hybridtechnologie, auch schon verschlafen. Aber es geht um mehr als einfach nur technische Trends und Entwicklungen. Es geht darum, dass wir versuchen Märkte, die wir scheinbar als unsere ansehen, zu schützen und ich bekomme das Gefühl, dass dies nicht immer mit fairen Mitteln geschieht.

Uns fehlen Autos

Diese einfache Erkenntnis stand am Anfang des Tata Nanos, dem preiswertesten Auto der Welt, wie man es eigentlich ausdrücken sollte. Da es allerdings um Indien geht, reden wir abwertend vom billigsten Auto. Umgerechnet circa 1.700 Euro. Keine Servolenkung, keine Klimaanlage, keine elektrischen Fensterheber etc. Ich erinnere mich daran, dass viele dieser Errungenschaften, auch in Deutschland noch nicht so lange Standard sind aber man tut hier so, als wäre dies auch seit je her hier Standard. Immerhin hat Herr Rattan Tata es geschafft seine Vision umzusetzen, was hier vielfach Fehlschlägt, da es oftmals an Risikokapital fehlt aber auch eine Unmenge an Bürokratie im Weg steht. Nicht zu vergessen, das ich die Meinung vertrete, dass es auch oftmals einfach an Mut fehlt.

In Indien sprechen wir, mit einer Milliarde Menschen, von einem unvorstellbar großen Markt und man kann schon ein Mal das Gefühl bekommen, als wäre dieser Markt, in den Köpfen vieler westlicher Konzernführer, schon fest aufgeteilt und nun kommt ein Inder in Indien daher und mischt sich in seinem eigenen Land ein. Man könnte auch sagen, dass dies das normalste der Welt ist, schließlich kennt er sein Land am besten. Bei einem Durchschnittseinkommen von umgerechnet circa 200 Euro pro Monat, stellt sich der Preis des Fahrzeuges natürlich noch ein Mal ganz anders dar, als zum Beispiel circa 9.000 Euro für einen VW Fox bei einem Durchschnittseinkommen von circa 2.800 Euro pro Monat. Aber eine solche sachliche Herangehensweise ist scheinbar auch gar nicht erwünscht. Denn schließlich geht es um das Geld des Exportweltmeisters und da muss man seine Märkte schon verteidigen.

Die Könige des Umweltschutzes

Vielfach kommt es bei den wirtschaftlichen Entwicklungen in Ländern, wie Indien aber auch China zu Vorwürfen betreffend mangelnder Verantwortung gegenüber der Umwelt. Inhaltlich ist dies auch erst ein Mal richtig aber auch hier ist wieder eine gewisse westliche Arroganz zu verspüren. Vielfach wird hier mit dem erhobenen Zeigefinger argumentiert und dies halte ich mindestens für falsch. Denn ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeiten, als der Rhein völlig verseucht war und was für Schäden die Schwerindustrie auch hier in Deutschland angerichtet hat, haben wir heute noch vielfach vor Augen. Auch heute tun wir noch nicht alles Mögliche um die Umwelt zu schonen. Wachstum hat noch immer Vorrang. Ich könnte nicht sagen, dass wir mit gutem Beispiel voran gehen. Wir waren nie Könige des Umweltschutzes und sind es in weiten Teilen bis heute nicht.

Wir haben uns entwickelt, wir haben Fehler erkannt, wir verbessern die Zustände zum Teil aber mehr auch nicht. Viel sinnvoller wäre es, noch viel mehr als bislang aus der Erfahrung zu sprechen, den Menschen zu erklären und zwar anhand eigener Beispiel, wo ihre Gier nach Aufstieg und Wachstum letztendlich hinführt. Dies würde auch gleichermaßen beweisen, dass wir es verstanden haben, das wir aus unseren Fehlern gelernt haben. Stattdessen verteidigen wir Märkte bzw. bauen Märkte, auch in anderen Ländern mit weniger restriktiven Gesetzen aus und umgehen so oftmals wieder die Grundsätze eines fairen Verhaltens der Umwelt gegenüber. Dies ist keine wirkliche Position der Stärke, um auf Länder wie Indien und China einzuwirken. Denn warum sollten sie auf uns hören?

Schon vergessen?

Wir haben es geschafft. Da waren zwei Weltkriege im letzten Jahrhundert und dank der vorhergegangenen Generationen stehen wir heute da, wo wir sind und wir haben das zu einem großen Teil auch anderen Nationen zu verdanken, die uns beim Erreichen unserer Ziele geholfen haben. Vielleicht sollten wir uns vor Augen halten, dass andere Menschen, egal wo auf dieser Erde, nun auch teilhaben wollen an Fortschritt und Globalisierung. Wir wollen mit deren Märkten Geld verdienen und könnten wir dies nicht, ging es uns um ein vielfaches schlechter. Also sollten wir mindestens auch akzeptieren, dass auch in den genannten Ländern die Sehnsucht nach einem anderen Leben aufkommt. Man sollte es vielfach partnerschaftlicher sehen und nicht wieder in koloniales Gedankengut zurück fallen.

Natürlich ist mir bewusst, dass so innovative Ideen, wie die des Tata Nano, gerade auch in Gewisserweise unserem Wohlstand gefährlich werden könnten, denn noch sind wir Exportweltmeister aber schon in diesem Jahr könnten wir von China abgelöst werden. Vielleicht ist aber auch dies ein etwas einseitiger Blick, denn was kann zum Beispiel ein Inder, der nun die Möglichkeit hat von seinem Moped auf ein, in jedem Fall sicheres Auto, umzusteigen, dafür das in Deutschland dank, meiner Meinung nach, völlig verkorkster Politik die Binnenkonjunktur so schlecht läuft und wir somit so exportabhängig sind. Vielleicht sollten wir diese Problematik ein Mal versuchen innovativ zu lösen. Dann bräuchten wir auch nicht vor einem Auto von 1.700 Euro Angst haben, sondern könnten Stärke beweisen und mit gutem Vorbild vorangehen, anstatt erst Mal alles nieder zu machen.

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Kategorie: Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 MinutenLohn // 12. Jan 2008 at 09:44

    Die Homepage des Nano braucht sich jedenfalls nicht zu verstecken: Blog, Forum, News, RSS-Feed, Umfrage, Wettbewerb – mehr als manch deutscher Autobauer hier bietet.
    Unbedingt sehenswert: der Flash-aminierte Car-Configurator. Mit Alufelgen und Rally-Streifen ist das Teil auf jedenfall in Europa konkurrenzfähig.

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