fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Die frustrierende Realität

19. August 2011

Auch in dieser Woche zeigte es sich wieder deutlich, die Realität ist noch frustrierender, als manche Realisten, die man immer wieder gerne versucht, als Pessimisten zu degradieren, es prophezeit hatten. Wie sieht es in der deutschen Wirtschaft aus? Den Aufschwung von dem man immer wieder gesprochen hat, gibt es faktisch nicht. Mitarbeiter deutscher Konzerne sind überwiegend frustriert und das Ende des Euros klopft noch immer mit voller Wucht an die Tür des maroden Hauses Europa. Diese Lage auch nur im Ansatz noch in irgend einer Art und Weise positiv darzustellen, grenzt schon an völlige Volksverdummung. Das Problem ist, dass das hier beschriebene Bild natürlich auch weiterhin fleißig die Gesellschaft spaltet. Dies wiederum kann schlimme Folgen haben, wie man zuletzt in England sehen konnte und England ist näher, als manch ein vermeintlicher Experte meint, denn auch in Berlin gingen in dieser Woche wieder Autos gleich reihenweise in Flammen auf. Ein kurzer Blick auf diese Woche macht deutlich, wie schlecht es in Deutschland aussieht, wie gereizt die Stimmung mittlerweile auch hier ist und dies sollte das politische Berlin endlich verstehen und im angemessenen Rahmen reagieren, ohne dem britischen Vorbild zu folgen.

Lügen von London bis Berlin
Es ist gerade erst ein paar Tage her, dass in London ganze Straßenzüge in Flammen aufgingen und erst ein unvorstellbar massives Polizeiaufgebaut die Ruhe vorerst wieder herstellen konnte. Eine Hetzjagd am Rande freiheitlicher und demokratischer Spielregeln unter der Leitung des britischen Premiers David Cameron sollte beginnen. Der Einsatz des Militärs gegen die eigene Bevölkerung wurde genauso diskutiert, wie der Entzug von sozialem Wohnraum für die Straftäter. Es fehlte am Ende des Tages nur noch, dass man eine ganze gesellschaftliche Gruppe als Abschaum deklariert und vorgeschlagen hätte, sie in Lagern unterzubringen, was in der europäischen Geschichte auch kein Novum gewesen wäre. Dies sind drastische Worte und hier sollen auch nicht die Juden mit den Straftätern aus England verglichen werden, es soll nur ein erschreckendes Prinzip verdeutlicht werden, welches man in diesen Tagen in Europa erkennen kann. Denn bei all dem geht es nicht im Ansatz um die verfehlte Politik, die einen Großteil der Menschen erst in diese Situation gebracht hat. Genau an diesem Punkt ist man auch wieder bei der Situation in Deutschland, wo man auch schon einmal gerne von spätrömischer Dekadenz spricht aber kaum sinnvolle Vorschläge parat hat, wie das immer größer werdende Ungleichgewicht in der Bevölkerung bekämpft werden soll.

Deutschland steckt schon lange Zeit, spätestens seitdem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise, tief in den Problemen mit drin, man ändert allerdings auch nichts an der Situation und rutscht so immer mehr mit ab. Soziale Leistungen werden Begriffen, wie zum Beispiel Eigenverantwortung geopfert und sparen ist es, was jedermann tun soll, da man angeblich viel zu lange schon über seinen Verhältnissen gelebt hat, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einmal anmerkelte. An dieser Stelle sollte man übrigens auch nicht überrascht sein, wenn die Binnenkonjunktur auch weiterhin nicht in Schwung kommt. Die aktuellen Quartalszahlen zum Wirtschaftswachstum in Deutschland aus dieser Woche haben den wahnsinnigen Wachstumswert von 0,1 Prozent ergeben. Dies sind gerade einmal schlappe 20 Prozent dessen, was sich vermeintliche Experten erhofft hatten und was man den Bürgern bislang verkaufte. Die aktuellen Zahlen haben eigentlich schon gar nichts mehr mit dem Begriff Konjunktur zu tun, auch dies muss ganz deutlich kommuniziert werden. Dies hindert aber nicht daran weiter an den alten Jahreszahlen festzuhalten und weiter so zu tun, als sei all dies nicht gravierend. Die Utopie hat einen Namen und der lautet Aufschwung und auch im politischen Berlin redet man sehr gerne über diese Utopie. Eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, wie man sie auch aktuell wieder erleben muss, wird die Gesellschaft natürlich auch wieder weiter spalten und jetzt schon ist die Wut über all dies zum Beispiel in den beiden größten deutschen Städten, also in Berlin und Hamburg, immer wieder zu erkennen, denn auch hier brennen Autos und werden Versuche unternommen Häuser in Brand zu setzen.

Der große Frust bei der Bahn
Auch bei denen, die jetzt noch einen Job haben von dem man sein Leben halbwegs in Würde stemmen kann, wächst die Frustration. Wie die Financial Times Deutschland (FTD) in dieser Woche mitteilte, hat eine interne Studie bei der Deutschen Bahn AG ergeben, dass 70 Prozent der Beschäftigten frustriert bzw. unmotiviert sind. Hier kann man nicht wirklich von einer kleinen Minderheit sprechen, sondern sollte eher von einer überwiegenden Mehrheit sprechen und man darf vermuten, dass dieses Ergebnis in der Fläche ganz ähnlich aussehen würde. Natürlich fragt man sich auch bei solchen Studien, die die Bahn übrigens erst einmal nicht kommentieren wollte, wieso deutsche Topmanager stetig wachsende Gehälter zu verzeichnen haben, denn ganz offensichtlich liegt bei deutschen Großkonzernen von der Mitarbeiterführung bis zur strategischen Ausrichtung ganzer Konzerne einiges im Argen. Das Beispiel Bahn zeigt, dass man Frust nicht immer an einigen arbeitsunwilligen, auf Krawall gebürsteten Personen festmachen kann, sondern die Bandbreite, vor allem auch für Alltagsfrustrationen, in Deutschland recht hoch zu sein scheint. Dies zeigt auch, wie krank die Gesellschaft in Deutschland mittlerweile ist, was auch ein allgemeiner Anstieg der Gewaltbereitschaft im Land beweist und die Polizei, als sichtbarster Vertreter des Staates, beklagt schon lange immer höhere Aggression. All dies wird aber immer wieder ignoriert, ohne zu berücksichtigen, dass man hier von einem Problem spricht, welches man nicht aussitzen kann.

Wurde es in letzter Zeit auch um die französische Bonität sehr unruhig, kann man sich schon einmal damit auseinandersetzen, was wohl passieren wird, wenn Deutschland an der Reihe ist. Auch in diesen Tagen kann man gerade auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB) sehr hektisches Treiben erleben, was zeigt, dass es längst nicht mehr nur um die Kleinen, wie zum Beispiel Irland oder Griechenland, geht. All dies sind Prozesse, die absehbar waren und alles andere als überraschend kamen, denn weder die USA sind durch einen Zufall im Ruin angelangt, noch war die Problematik Griechenlands eine plötzlich auftretende Überraschung. Hier wird man natürlich das Gefühl nicht los, dass an manch einer Stelle ganz bewusst getäuscht und gelogen wird. An dieser Stelle kommen nun auch wieder die Medien und hier, wie so oft, vor allem die etablierten Massenmedien ins Spiel, die genau dieses Spiel der vermeintlichen Experten aus der Wirtschaft und der Politik mitspielen und kaum kritisch an die Sache herangehen. Dabei hat gerade auch diese Woche wieder gezeigt, dass es ausreichend Anlass für Kritik gibt und es ist davon auszugehen, dass die Märkte unruhig bleiben und dies auch weiterhin für das politische Parkett gilt aber vor allem merkt man, wie sich diese allgemeine Unruhe auch immer mehr auf den Straßen Europas zeigt und man stellt fest, dass brennende Städte lange schon keine vereinzelten Probleme in Frankreich, Griechenland oder England mehr darstellen und man schaut dann schon ein wenig skeptisch auf 2012, wo mit Olympia in London und der Euro 2012 in Polen und der Ukraine gleich zwei riesige Veranstaltungen stattfinden aber vielleicht gibt es auch schon Pläne bei der NATO, wie man dies abwickeln will, Cameron wird dies wohl freuen.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu