fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Die finnische Arbeitnehmerflatrate

16. Januar 2008

Da war er wieder, der so oft vernommene Donnerschlag für die deutsche Wirtschaft. Gerade erst hatte das Statistische Bundesamt, die Inflationsrate für das Jahr 2007 endgültig auf 2,2 Prozent festgeschrieben und Hartmut Mehdorn von der Deutschen Bahn, den realen Preis für den mit Manfred Schell von der GDL ausgehandelten Tarifvertrag bekannt gegeben, da hatte auch Nokia noch eine Überraschung für den deutschen Markt parat, die Schließung des Bochumer Werks. Es geht voran, zu mindestens wenn es um Gewinnmaximierung geht. Schade nur wenn man Arbeitnehmer oder Kunde ist.

Abbau und Erhöhung

Genau dies sind ein Mal mehr die Schlagworte der letzten Stunden und Tage. Nokia hat verkündet sein Bochumer Werk zu schließen und somit weit über 2.000 Arbeitsplätze abzubauen. Nach Medienberichte könnten noch Mal gut 2.000 Arbeitsplätze bei Zulieferern und Leiharbeitern hinzukommen. Kernaussage des finnischen Mobiltelefonherstellers, die Produktionskosten in Rumänien, wo die Produktion nun hin verlegt werden soll, sind einfach wesentlich günstiger als hier. Nicht nur die Nutzer dieser Telefon sind begeisterte Anhänger von Flatrates, die Konzerne ebenso. Es hat nur den Anschein als handle es sich, um so etwas wie eine Arbeitnehmerflatrate und die, so hat es den Anschein, gibt es zur Zeit in Rumänien besonders günstig.

Aber auch die Bahn muss schauen wo sie Geld einspart, schließlich hat man eine Privatisierung vor sich. Hier hat man aber scheinbar zum Teil einen anderen Weg gefunden. Zum einen will man wohl ein Mal mehr die Preise erhöhen und hierbei muss man berücksichtigen, dass die Deutsche Bahn in den letzten vier Jahren die Preise um gut 20 Prozent erhöht hat, aber scheinbar kann man den Kunden ja vieles zu muten. Zum anderen zaubert aber auch die Deutsche Bahn den Klassiker des Kostensparens aus dem Hut und will Stellen abbauen. Dies sieht für mich doch alles wieder nach Aufschwung aus. Preiserhöhung und Stellenabbau waren doch klare Anzeichen für einen Aufschwung, oder?

Nachher ist man immer so überrascht

Mit der eben erwähnten Inflationsrate von 2,2 Prozent, haben wir die höchste seit dem Jahr 1994. Ein Fakt der sich über das gesamte letzte Jahr abzeichnete aber immer wieder, in meinen Augen geschönt wurde. Auch die Abwanderung von Konzernen in Länder, wo es bessere Subvention gibt, als in Deutschland, ist nichts überraschend Neues. Die Frage die sich für mich stellt ist, warum man nicht ein Mal Wahrheiten verkündet, wenn es an der Zeit ist. Hat man etwa Angst vor dem Wahlvieh? Wenn sich Unternehmen in Deutschland ansiedeln, gerade auch in Ostdeutschland, wird nicht gerne darüber geredet, wie teuer, im Sinne der vergebenen Subventionen, diese Neuansiedlungen waren. Laufen diese dann aus und kommt es zu Verlagerungen, wie es gerade in Bochum den Anschein hat, ist der Aufschrei riesig. Nicht zu vergessen, dass man aber die Lorbeeren zuvor gerne entgegen genommen hat, wenn man ein Mal mehr ein Großunternehmen angesiedelt hat.

Die Deutsche Bahn und die GDL haben lange verhandelt, nun ist das Ergebnis, laut Herrn Schell zu 99 Prozent Vertragsreif. Also kann nun mit der Aufarbeitung begonnen werden und dies tut Herr Mehdorn nun mit den eben beschriebenen Mitteln. Sollte nun die GDBA und die Transnet, zum Beispiel auf Grund von Stellenabbau, beginnen zu streiken, dürfte das, laut meiner Auffassung, auch nicht viel ausmachen. Im Notfall dreht man dann noch weiter an der Preisschraube, denn der Kunde zahlt es, dass ist es was solchen Konzernen diese Macht gibt. Keiner kann sich heute überrascht zeigen, dass die 11 Prozent mehr Lohn, die die GDL erstritten hat, auch irgendwo finanziert werden müssen und natürlich verzichtet dadurch ein Konzern auf dem Weg der Privatisierung, nicht auf Gewinne. Also sind wir doch alle ein Mal nur halb so überrascht, sowohl was die Neuigkeiten der Deutschen Bahn angeht, wie auch die von Nokia.

Danke an uns selbst

Um es noch ein Mal klar und deutlich zu sagen, wir fahren mit der Deutschen Bahn, egal wie oft die Preise erhöht werden. Wir wählen diese Politiker, egal ob schwarz oder rot, im Notfall bringen wir ja sogar beide gemeinsam an die Macht. Also müssen wir uns doch, am Ende des Tages, bei uns selbst bedanken, denn wir tragen einen großen Teil der Verantwortung selbst. Wir könnten es ändern aber wir tun es nicht.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Gesellschaft · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 gkk // 19. Jan 2008 at 15:21

    Man sollte von Nokia die deutschen Bundes- und Landesförderungen abnehmen, auch sollte die EU die Förderungen für die Übersiedlung nach Rumänien nicht bezahlen, Rumänien als EU Land dürfte dann an Nokia auch keine Förderungen bezahlen.
    Nokia hat ja übrigens auch seine Standorte in Finnland großteils geschlossen.
    Nein, ein rumänisches Handy will ich eigentlich nicht, wenn also Deutschland und die EU da nichts zusammenbringt, bleibt ja nur der Kundenboykott.
    Das sage ich als Österreicher, weil Deutschland und die Alt-EU-Staaten sind mir näher als die Reformländer, die wir ja kräftig subventionieren und die uns offenbar ganz schön um unser Geld quertreiben.
    GKK

Schreib was dazu