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Die Wahrheit des Wortes

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Die Feier von Peking und der Krieg im Kaukasus

11. August 2008

Am vergangenen Freitag haben Milliarden von Menschen gebannt beobachten können, wie sich das neue China der Weltöffentlichkeit präsentierte. Über die kleineren Mängel, die eine solche Mammutveranstaltung mit zehntausenden von Protagonisten mit sich bringt, wurde dezent hinweg gesehen. Auch klare politische Zeichen, bei den so oft als absolut politikfrei deklarierten Spielen, wie zum Beispiel das Taiwan nur unter einer Fantasiefahne einlaufen dürfte, wurden ebenfalls ignoriert. Die größte Ignoranz zeigte sich allerdings in diesem Kontext scheinbar gegenüber dem zu dieser Zeit ausbrechenden Krieg im Kaukasus. Der sich mittlerweile seit der Eröffnung der Olympischen Spiele kontinuierlich ausbreitete und langsam ein Flächenbrand in der Region geworden ist.

Krieg und der Olympische Frieden

Man dürfte sich im Vorfeld der Olympischen Spiele von Peking schon daran gewöhnen, dass sich die Herren der Ringe von Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bis zu Dr. Thomas Bach, Vizepräsident des IOC und Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) weder von Folter, noch von Mord oder gar Krieg beeindrucken lassen. Alle drei Faktoren stehen von Darfur bis Tibet in einem klaren Kontext zu den Machthabern des Ausrichterlandes, was aber weder beim IOC, noch beim DOSB jemanden zum Einlenken bewegte. So verwundert es auch nicht, dass sich niemand zu dem, was im Moment im Kaukasus geschieht, äußerte. Denn auch durch so etwas, möchte man sich ganz offensichtlich nicht das Hochgefühl, von dem vor allem auch die lieb gewonnen Geldgeber profitieren, zerstören lassen.

Der georgische Präsident Michail Saakaschwili nutzte die Plattform der Olympischen Spiele, um seine ganz eigenen Zeichen zusetzen und marschierte mit Truppen in Südossetien ein, einer im Norden von Georgien gelegenen Provinz. Diese Provinz erklärte sich Anfang der 1990er als autonom, was allerdings völkerrechtlich nie anerkannt wurde. Genauso verhält es sich mit der ebenfalls abtrünnigen Provinz Aprasien im Nordwesten des Landes, wo sich über das Wochenende hin, eine zweite Front auftat. Beide Provinzen sind auch für Russland nicht uninteressant. So überraschte auch niemanden die blitzschnelle und harte Reaktion Russlands auf diese Militäraktionen, die letztendlich zu diesem Krieg im Kaukasus führte. Ein Krieg zum Beginn des Olympischen Friedens. Geschichtlich gesehen nichts Neues, was die Sache allerdings nicht besser macht.

Unpolitischer Einsatz für Frieden und Freiheit?

Die Medien versuchten lange Zeit diesen Krieg im Kaukasus nur als weitere Eskalation, eines schon über ein Jahrzehnt andauernden Konfliktes zu deklarieren, schließlich hatte man sich seit Monaten bzw. seit Jahren auf diesen positiven Feiertag in Peking eingeschworen. Auf Grund der Härte des Konfliktes und den damit verbundenen hohen Opferzahlen, gelang dies aber nur bedingt und so wurden zum Ende des Freitags, die Schlagzeilen zur Eröffnungsfeier in Peking vom Krieg zwischen Georgien und Russland verdrängt. Man verdrängt der Zeit auch ganz gerne, dass dieser Krieg nicht gerade als Aushängeschild deutscher Außenpolitik zu sehen ist. Vor gar nicht allzu langer Zeit, war der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) noch in der Region unterwegs, um zu vermitteln. Heute muss man diese Mission wohl als völlig gescheitert ansehen. Es bleibt nun abzuwarten, ob der französische Außenminister M. Bernard Kouchner, der im Rahmen des französischen EU-Rastvorsitzes, nun versucht zu vermitteln, mehr Glück hat.

Es gibt aber noch einen weiteren Kontext zwischen den Olympischen Spielen in Peking und dem Krieg im Kaukasus. Es geht um das klare Verbot politischer Äußerung während der Spiele. Wie eingeschüchtert die Sportler vom IOC wurden, konnte man seit Freitag ausreichend zur Kenntnis nehmen. Denn Zeichen, für zum Beispiel Tibet, scheint es keine zu geben, was die chinesischen Machthaber sehr erfreuen dürfte. Allerdings scheint es für Rogge und Bach kein Problem zu sein, wenn sich die aus Georgien stammende Sportschützin Nino Salukwadse und ihre russische Kollegin und Freundin Natalia Paderina für einen Frieden zwischen ihren Ländern einsetzen. Nachdem Gewinn der Silbermedaille bzw. der Bronzemedaille, küssten sich beide und es gab ein Statement für Frieden in der Region. Man bekommt den Eintrug, dass der Einsatz für den Frieden im Kaukasus völlig unpolitisch sei, allerdings der Einsatz für mehr Rechte der Tibeter so politisch ist, dass er mit der Drohung der Disqualifikation von den Spielen, untersagt wird. Deutlicher kann man nicht aufzeigen, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.

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Kategorie: Europa · Free Tibet · Politik · Sport

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