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Die Wahrheit des Wortes

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Die EU und die Kirchen haben verloren

2. Dezember 2009

Dies ist eine Woche in der sich ganz schnell zeigt, wer zu den Verlierern und wer zu den Gewinnern gehört. Da wäre an erster Stelle die Europäische Union (EU) zu nennen, wo man am 01. Dezember 2009 das Inkrafttreten des Lissabon Vertrags feierte. Natürlich fragt man sich, was man dort eigentlich feierte. Zum anderen zählen in dieser Woche aber auch wieder die beiden großen deutschen Kirchen zu den Verlierern, denn man hatte gegen den Einkaufswahn in Deutschland geklagt und das höchste deutsche Gericht, das Bundesverfassungsgericht (BVG) in Karlsruhe, gab den Kirchen zwar in der Sache Recht, allerdings muss sich zeigen, wie viel dieses Recht auf Dauer und im Gesamten Wert ist. Natürlich ist das Medienecho in diesen Kontexten auch wieder sehr interessant. Da ist schon wieder die Rede von `Wir sind Lissabon`. Da fehlt eigentlich nur noch etwas zum Thema `ein europäisches Wintermärchen`, denn zu behaupten `Wir sind Kirche`, könnte bei den Problemen, die man mit dem Mitgliederschwund hat, eine noch gewagtere These sein, als bei der EU von einem Erfolg zu sprechen.

Es war einmal eine Verfassung
Die EU unternimmt eine Menge, allerdings ist die alles entscheidende Frage, die es zu beantworten gilt, für wen. Konnte man vor einiger Zeit noch gemütlich in einer Kneipe im angenehmen Licht einer Glühbirne sitzen und zu seinem Getränk eine Zigarette genießen, sieht die Gegenwart bzw. die Zukunft im wahrsten Sinne des Wortes düster aus, denn geraucht werden darf vielfach so oder so nicht mehr und bald wird man an vielen Orten seine Zeit wohl auch im kalten Licht so genannter Energiesparlampen verbringen müssen. Politik für die Menschen sieht irgendwie anders aus. An dieser Stelle sprechen wir aber im Verhältnis wirklich noch von kleineren Problemen, denn das größte Problem der EU in den letzten Jahren war es, dass man eine Verfassung brauchte und genau dieses Vorhaben ist kläglich gescheitert. Da die vermeintlichen Experten und Eliten in Europa aber Niederlagen scheinbar nicht eingestehen können, wählte man einen anderen Weg und zwar den des Lissabon Vertrages, den man nun, als so etwas wie eine `eigentliche Verfassung` verkauft. Selbst dieses kompromissüberladene Machwerk scheiterte dann allerdings unter anderem noch fast an Volkesstimme in Irland. Hier wiederholte man dann einfach die Abstimmung, so dass es dann letztendlich auch hier passte. Interessant ist es, wie man in Europa Demokratie deklariert.

Außer dieser `eigentlichen Verfassung` hat die EU nun aber auch eine `eigentliche Außenministerin`, die es so eben nicht geben darf, von daher ist die 1956 in Upholland geborene Catherine Ashton EU-Außenbeauftragte. Wer nun aber meint man hätte sich hier für jemand völlig Unbekanntes, eine graue europäische Maus entschieden, liegt falsch, denn Ashton ist immerhin Baroness of Upholland of St. Albans in the County of Hertfordshire. Sie trat ihren neuen Posten bei der EU schon zu Monatsbeginn an, im Gegensatz zu dem Inhaber des zweiten neuen Posten in der EU, die Rede ist vom belgischen Ministerpräsidenten Hermann van Rompuy. Van Rompuy tritt am 01. Januar 2010 seinen Posten als erster hauptamtlicher Ratspräsident der EU an und auch hier könnte man durchaus von einer eher unbekannten Person in der großen europäischen Politik sprechen. Man sieht in beiden Fällen, wie schwach diese neuen Positionen besetzt wurden und natürlich spricht man in den Medien nun davon, den beiden doch erst einmal eine Chance zu  geben, was natürlich auch absolut in Ordnung ist, nur auch hier müsste man im Notfall einräumen, dass die Personalauswahl eigentlich nicht sehr gelungen war. Wobei dies natürlich eine Frage des Blickwinkels sein dürfte.

Kapitalismus siegt in 2009 auch über die Kirchen
Es ist in diesem Jahr 20 Jahre her, dass nicht nur die Mauer fiel, sondern mit der Einführung des Langen Donnerstags auch die Ladenschlussgesetze zu zerfallen begannen. So kann man zum Beispiel in Berlin, der Stadt mit den wohl liberalsten Ladenöffnungszeiten, auch an den Adventssonntagen shoppen gehen. An genau dieser Stelle fühlten sich nun die Kirchen berufen, sich für eine intakte Gesellschaft einzusetzen und man versuchte auf dem Klageweg, den Sonntag als Tag der Familie, als Tag der Ruhe freizuhalten. Man gewann zwar den Block der vier Adventssonntage zurück, allerdings nicht mehr für dieses Jahr, denn natürlich stehen in diesem raubtierkapitalistischem System, die Umsatzerwartungen und Renditen der Unternehmen vor den Interessen der Gesellschaft. Man kann davon ausgehen, dass nun nach neuen Wegen für das nächste Jahr gesucht wird und man muss auch hier einmal den Blickwinkel verändern und dann stellt man zwei Dinge fest. Zum einen, dass gerade auch die verkaufsoffenen Sonntage, nicht nur in Berlin, gut angenommen werden, was natürlich ganz klar gegen die Gedanken der Kirchen geht, denn eine große Masse will es ganz offensichtlich so. Der nächste Punkt ist, dass man in den Kirchen ansonsten nicht gerade allzu großen Wert auf die Einmischung in die Wirtschaft legt, sondern sich in solchen und ähnlichen Kontexten eher zurückhält. Man scheint mit diesem Prozess eine weitere Charmeoffensive starten zu wollen, es quasi als eine Art Leuchtturmprojekt in der tosenden See des Raubtierkapitalismus zu sehen. Diesen Prozess hat man nun gewonnen, allerdings ist das Urteil, wie gesagt, erst nach Weihnachten diesen Jahres umsetzbar und damit hat das BVG natürlich auch die Umsätze des Handels zu mindestens für dieses Jahres geschützt.

Natürlich feiert man dieses BVG-Urteil bei den Kirchen als Sieg und zeigt sich zufrieden aber man darf die Tendenzen nicht übersehen und gegen die werden sich auch die Kirchen wohl kaum auf Dauer durchsetzen. In sofern darf man wohl trotz eines kleinen Sieges, scheinbar von Verlierern sprechen. Abschließend bleibt festzuhalten, dass es bei so vielen Verlierern natürlich auch Sieger geben muss und natürlich ist es auch nicht schwer diese zu finden. Es sind die Vertreter der Gier, die Menschen mit der gewissen Nimmersatt-Mentalität, die sich zu mindestens erst einmal das Weihnachtsgeschäft 2009 gesichert haben und daran hat auch das BVG nichts geändert. Desto weiter man sich von alten gesellschaftlichen Normen trennt, desto radikaler kann man an den Märkten agieren und dagegen helfen scheinbar auch die Kirchen nicht. Auf der anderen Ebene, der der EU, verläuft es ähnlich. Eine ausreichende Anzahl an Kompromissen und grauen Mäusen sorgt für immer größer werdendes Desinteresse in der Bevölkerung und Desinteresse bedeutet am Ende des Tages natürlich auch wieder weniger Kontrolle. Genau diesen Kontrollverlust wird man dann auch in Zukunft weiter ausnutzen, um Staaten und damit letztendlich die Bürger leer zu saugen. Man sieht damit natürlich ganz klar, wer der große Sieger dieser Woche ist. Sich wirklich zu beschweren scheint allerdings fast wie Heuchelei, denn für die meisten gilt wohl auch weiterhin, dass man Sonntags lieber shoppen geht, als in die Kirche und somit unterstützt man das besagte Vorhaben der vermeintlichen Experten und Eliten natürlich. Catherine Ashton, Hermann van Rompuy und natürlich nicht zuletzt die Kirchen, werden hier nicht großartig helfen können oder wollen, da muss man dann als Gesellschaft schon mit eigener Initiative den Kampf gegen eine bürgerferne EU aufnehmen aber vor allem gegen den menschenverachtenden Raubtierkapitalismus.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Wirtschaft

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