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Die Wahrheit des Wortes

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Die etwas andere Öffnung des Gazastreifens

25. Januar 2008

Der Gazastreifen, der einen Teil des palästinensischen Autonomiegebietes darstellt, ist ein kleines Stück Land von gerade Mal etwa 40 Kilometern Länge und einer Breite von etwa sechs bis 14 Kilometern. Dieses ca. 360 Quadratkilometer große Stück Land, auf dem um die 1,5 Millionen Menschen leben, verfügt zum einen über eine natürliche Grenze, die durch das Mittelmeer gekennzeichnet wird aber durch Israel kontrolliert wird, sowie einer kleinen Grenze zu Ägypten und dem großen Grenzverlauf zu Israel. Immer wieder ist die Region in den Schlagzeilen aber seit Ende letzter Woche hat sich ein Mal mehr vieles verändert. Wurde das Gebiet am 18. Januar durch die Israelis abgeriegelt, hatte dies schwerwiegende Folgen und dies nicht nur auf die Energieversorgung des palästinensischen Autonomiegebietes. In diesem Artikel wird versucht ein Mal mehr in die Nähe dessen zu kommen, was wohl tatsächlich passiert ist und wie die Auswirkungen sein könnten.

Warum gab es keinen Strom?

Der grundlegende Konflikt zwischen den Palästinensern und Israel ist die Frage nach dem Grund und Boden beider Völker. Israel wird aus dem Palästinensergebiet immer wieder mit Kassamraketen beschossen, was diesen Grenzverlauf sehr kritisch macht und es somit immer wieder zur kompletten Abriegelung dieser Grenze kommt. Auf Grund der besonderen geografischen Lage, stellt dies immer wieder ein massives Problem der dort lebenden Bevölkerung dar, da sie sobald die Grenzen dicht sind, komplett von allem abgeschnitten sind. Es ist wohl nicht wirklich zu klären, was seit Ende der letzten Woche geschah. Fakt ist, es kam zu erst erneut zu einer Abriegelung durch israelische Sicherheitskräfte, nach Angriffen auf Israel aus dem Gazastreifen.

Die Situation spitzte sich dann Anfang der Woche weiter zu, als die radikalislamische Hamas das einzige Elektrizitätswerk im Gazastreifen abschaltete und somit die Energieversorgung zum erliegen kam. Warum dieser Schritt getätigt wurde, wird von den verschiedenen Seiten unterschiedlich begründet. Die Machthabende radikalislamische Hamas behauptete, es wäre einfach nicht mehr ausreichend Energie durch die israelische Blockade vorhanden. Israel wiederum sagte, dass dem nicht so sei, sondern die Palästinenser dieses Problem eigenständig forciert hätten, um den Blick der Weltöffentlichkeit auf den Gazastreifen zu lenken. Völlig unabhängig davon, wer nun für diese weitere Eskalation des Konfliktes zuständig ist, muss man wohl anmerken, dass es nicht gerade für das erreichen, der in der Nahostfriedenskonferenz in Annapolis in den USA im letzten Jahr vereinbarten Ziele spricht.

Der beste Geheimdienst der Welt?

Aber es gibt noch weitere Fakten in diesem Kontext die zu berücksichtigen sind. Am 23. Januar fiel die Grenze nach Ägypten und es hatte eine gewisse Ventilöffnungswirkung. Hieß es in ersten Medienberichten noch, dass Teile der Grenzbefestigungen spontan von radikalen Islamisten weggesprengt worden seien, änderte sich die Nachrichtenlage hier im Wochenverlauf dahingehend, dass wohl schon seit Wochen und Monaten an den Grenzanlagen manipuliert wurde. Jetzt muss man sagen, dass wir bei dieser Grenzanlage nicht über eine Grenze, wie zwischen Deutschland und Frankreich sprechen, sondern schon über eine massivere Grenzbefestigung. Es sei noch auf eine weitere Besonderheit dieser Grenze hingewiesen, denn sie wird nicht nur von Ägypten kontrolliert, sondern auch von Israel in Zusammenarbeit mit der EU.

Erstaunlich nur, dass weder die Hamas, noch die Beteiligten Ägyptens oder der EU, aber vor allem nicht der israelische Geheimdienst Mossad, einer der besten, wenn nicht der beste Geheimdienst der Welt, davon Kenntnis hatten. Aber es bleiben weitere Ungereimtheiten, die Grenze fiel aber bis heute gibt es keine großen Anstrengungen irgendeiner beteiligten Partei, etwas gegen diese territoriale Verletzung zu tun. Dies alles geschieht in einem Gebiet, wo man durchaus davon sprechen kann, dass oftmals zu erst geschossen und dann gefragt wird. Hier verhält es sich ganz anders. Wenn ich mir die Bilder ansehe, die von dort gesendet werden, tut sich ein reger, positiv wirkender Grenzverkehr auf, der nun erst langsam wieder in geregelte Bahnen gelenkt wird. Wann und ob diese Grenze wieder in den Urzustand zurückgeführt wird ist scheinbar völlig offen.

Der andere Weg zum Frieden?

Natürlich sehe auch ich es als positiv an, dass dort, für diese Verhältnisse, alles relativ friedlich verläuft. Mir ist auch bewusst, dass es ein anderes Verhältnis der Palästinenser zu Ägypten als zu Israel gibt. Aber alles in allem scheint hier auch ein stückweit große Politik im Spiel zu sein. Persönlich sieht für mich der Verlauf der gesamten Situation nicht aus, wie eine plötzliche Bürgerbewegung auf Grund einer humanitären Katastrophe, sondern eher wie das gezielte öffnen eines Ventils, was allen Beteiligten inklusive Herrn George W. Bush, den man als federführend für den neuerlichen Nahostfriedensgipfel in Annapolis ansehen muss, das Gesicht wahren lässt.

Auf Anhieb scheint dies ein völlig neuer Weg zur Befriedung bzw. Stabilisierung der Region zu sein. Bei genauerer Betrachtung ist dem allerdings nicht so. Man muss wissen, dass der Gazastreifen von zwei Gruppen kontrolliert wird, die nicht nur ich als Terrorvereinigungen ansehe. Fakt bleibt auch das Israel heute Nacht wieder Autos im Gazastreifen von den Strassen bombte bzw. schoss. Dies alles spricht leider nicht für einen anderen Weg in den Frieden, sondern sieht weiterhin, wie ein nicht zu lösendes Problem dieser Welt aus. Wenn man dieser Betrachtung folgt, kann man nur von einem scheitern der Nahostfriedenskonferenz in Annapolis und damit von einem scheitern Bushs reden.

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Kategorie: Politik

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