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Die Wahrheit des Wortes

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Die Distanz zu Tunesien

14. Januar 2011

Ganz langsam tauchen die sozialen Unruhen, die es seit gut vier Wochen in Tunesien gibt, auch in den etablierten Massenmedien in Deutschland auf. In Blogs, Foren und anderen Medien, die die Nachrichtenwelt der Zukunft mehr und mehr bestimmen werden, konnte man all dies natürlich schon länger verfolgen. Bislang spricht man schon von über 50 Toten, die dieser Konflikt gefordert hat und auch die Regierung räumt Opfer ein. Auslöser der Gewalt ist Armut gekoppelt mit völliger Aussichtslosigkeit auf eine Verbesserung der Situation und vielleicht liegt auch hier einer der Gründe, warum man nicht wirklich gerne über so etwas berichten möchte, denn auch Deutschland bewegt sich, wenn auch noch in einer völlig anderen Dimension, auf ein solches Szenario zu. Armut und Aussichtslosigkeit werden auch im ehemaligen Land der Dichter und Denker zu einem immer größeren Problem und Länder, wie zum Beispiel Tunesien, zeigen da in erschreckender Form auf, wo so etwas hinführen kann. Genau solche Beispiele sollte man auch in Deutschland sehr ernst nehmen, bevor es zu spät ist.

Demokratien auf dem Rückmarsch
Überall ist die Rede vom Fortschritt in gesellschaftlichen, politischen und natürlich vor allem auch in wirtschaftlichen Belangen. Die USA führen Kriege vom Irak bis nach Afghanistan unter dem Vorwand hier Demokratien nach westlichem Vorbild einzuführen. Aber was bitte schön bedeutet dies? Westliche Demokratie bedeutet, dass in Ungarn Songs des US-Rappers Ice T auf dem Index stehen und man in der Europäischen Union (EU) versucht eine Zensur einzuführen, wie man sie aus schlimmsten Zeiten des Ostblocks kennt. Außerdem wird Kapital immer häufiger als Mittel der Zensur eingesetzt, in dem Menschen mit Klagen und ähnlichem überzogen werden bis sie mit ihrer Sache scheitern. Wie weit Zensurversuche gehen können und welche Formen so etwas scheinbar im schlimmsten Fall annehmen kann, hat gerade erst der Fall des Wikileaks-Gründers Julian Assange gezeigt. Ob man diese vermeintliche Form von Demokratie wirklich verbreiten sollte, ist natürlich mehr als fraglich, was übrigens ganz allgemein gilt, wenn es um den Einsatz von Waffen im Kontext der Verbreitung irgendwelcher Ideologien geht.

Schaut man sich an, was die Globalisierung der Menschheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten gebracht hat, mag man gerne Erfolge, wie zum Beispiel den Fall des Eisernen Vorhangs, feiern, muss aber auch hier die Gesamtheit sehen und die zeigt wohl, dass die Demokratien immer mehr auf dem Rückmarsch sind und durch eine Art der Diktatur des Kapitals ersetzt werden. Dies bedeutet, dass letztendlich zwar auf dem Papier eine demokratische Staatsform besteht, diese aber durch das Kapital gegen die tatsächlichen Interessen der Mehrheit umgesetzt wird und somit muss man natürlich von Scheindemokratien sprechen. In Tunesien ist auch dies ein großes Problem, denn ein kleiner Machtapparat regiert hier gegen die Mehrheiten im Land. Da solche Prozesse auch meist mit einem großen Maß an Armut in weiten Teilen der Bevölkerung zusammentrifft, entsteht natürlich ein riesiges Potenzial an Frustration, Wut und Zorn, was sich dann, wie aktuell in Tunesien, auch ganz schnell in Gewalt auf der Strasse entladen kann. Dieses Risiko scheint den tatsächlichen Machthabern aber oftmals völlig egal zu sein.

Die Beispiele Spanien und Ungarn
Nun liegt Tunesien auf einem anderen, fernen Kontinent und viele Menschen werden meinen, dass man all dies mit Europa und gerade auch mit den Staaten innerhalb der EU nicht vergleichen kann und genau dies ist ein Trugschluss. Denn es ist noch gar nicht so lange her, dass man das Militär in Spanien gegen wild streikende Fluglotsen einsetzte und nicht zu vergessen, dass es auch in der EU, wie eben bereits erwähnt, Angriffe auch die Pressefreiheit gibt. Natürlich versuchen die vermeintlichen Experten und Eliten nun eine möglichst große Distanz zu den Problemen in Tunesien aufzubauen, denn die Menschen sollen wohl kaum auf die Idee gebracht werden, dass es eben durchaus vergleichbare Ansätze gibt. Das Problem der Kluft zwischen den Armen und den Reichen, welches auch in Tunesien eine große Rolle spielt, wird auch in weiten Teilen Europas ein immer größeres sein und zeigt, wie global diese Problematik ist. Man sollte gerade auch als Europäer die Probleme Tunesiens genau analysieren, um zu sehen, wo man selber in Europa steht. Glücklicherweise ist man zur Informationsgewinnung nicht mehr nur allein auf die etablierten Massenmedien angewiesen und es gilt natürlich diesen Zustand auszubauen.

In Tunesien gehen die Menschen auf die Strasse, da sie ihre Situation nicht länger ertragen, da die Machthabenden scheinbar nur noch den Ausweg der Gewalt sehen, um ihre Macht zu sichern, kommt es zu Toten und Verletzten und diese Entwicklung könnte auch irgendwann in Europa ankommen. Wie schnell so etwas eskalieren kann, hat sich im letzten Jahr bei den schweren Ausschreitungen im Kontext von Stuttgart 21 gezeigt, wo man, so zynisch es klingen mag, nur von Verletzten und nicht von Toten sprechen muss. Aber auch dies könnte sich schneller ändern, als man aktuell noch denken mag. Die Rechtfertigung wäre dann wohl auch in Deutschland, die, wie man sie in Tunesien oder sonst wo, wo solche Gewaltexzesse stattfinden, ebenfalls nutzt. Denn kein Staat und schon einmal gar keine Demokratie würde freiwillig einräumen, dass man die Gesundheit und sogar das Leben der Bürger aufs Spiel setzen würde, um seine Macht zu erhalten. Es sind natürlich auch diese Vorgänge, die klare Zeichen gegen Freiheit und Demokratie setzen, auch dies gilt es zu berücksichtigen. Es ist also an jedem freiheitsliebenden Menschen selbst sich früh genug dafür einzusetzen, dass man Demokratie und Freiheit leben kann, bevor es zu spät ist und der Konflikt in diesem Kontext gänzlich eskaliert.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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