fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Die Diktatur des Kapitals

19. November 2008

In einer Zeit, in der selbst die Kirche mit CD-Produktionen dem schnöden Mammon folgt ohne mit der Wimper zu zucken, muss die Frage gestellt werden, ob die Gesellschaft noch auf dem rechten Weg ist. Wenn man sich in der heutigen Zeit umschaut, zählt nur noch eines und das ist der Kontostand. Alles andere ist diesem untergeordnet. Allerdings muss man auch dies noch differenziert sehen, denn Kapital wird auf den verschiedenen Ebenen der Gesellschaft und vor allem auch in der Wirtschaft noch ein Mal nach ganz besonderen Kriterien verteilt. Wer an dieser Stelle noch an Gerechtigkeit glaubt oder darauf hofft, dass diese ein Mal zurückkehrt, ist auf dem Holzweg. So lange alle dieses Spiel mitspielen, wonach es im Moment aussieht, wird sich selbstverständlich auch nichts an der Diktatur des Kapitals verändern.

Fehler sind nicht gleich Fehler

Nehmen wir ein durchschnittliches Mitglied dieser Gesellschaft, welches einen fünfstelligen Betrag durch die Pleite der Lehman Brothers verloren hat. Nehmen wir an, dieses verlorene Geld war für die Altersversorgung gedacht, somit hat diese Person nun wohl nur die Möglichkeit den Ruhestand mit weniger Kapital zu bestreiten als geplant oder sich nachdem Austritt aus dem eigentlichen Arbeitsleben, einen neuen Job zu besorgen. Der Staat wird hier nicht helfen. Nehmen wir einen Herrn Adolf Merckle, der laut Medienberichten der fünfreichste Mann Deutschlands ist und dem laut diesen Berichten 80 Prozent der Heidelberg Zement, sowie die Unternehmen Kässbohrer und Ratiopharm gehören. Ein Mann von dem man also durchaus behaupten darf, dass er sich um seinen Ruhestand keine Sorgen machen braucht. Dieser Mann verspekuliert sich nun, laut besagten Medienberichten, mit VW-Aktien und verliert gut eine Milliarde Euro. Ein Prozess der gerade auch in der Finanzwelt immer Mal passieren kann, so etwas nennt sich unternehmerisches Risiko.

Während man es nun als selbstverständlich ansieht, dass die Person aus unserem ersten Beispiel auch im Ruhestand noch arbeiten muss, kann man nicht mit der gleichen Selbstverständlichkeit an das zweite Beispiel herangehen. Denn nicht das man nun meint Herr Merckle würde Unternehmensanteile oder gar Unternehmen verkaufen und somit sein Kapital für das Alter verkleinern. Nein, er wendet sich einfach an die Regierung der Bundesrepublik Deutschland und bittet das man ihm hier hilft, seine Fehler zu auszubügeln. Man braucht wohl nicht zu erklären was passiert, wenn sich ein Durchschnittsbürger, wie in unserem ersten Beispiel, mit dieser Bitte an die Politik wendet. Im Grundgesetz dieses Staates ist verankert, dass jeder Mensch gleich ist. Die Wertigkeit und Nachhaltigkeit dieses Paragraphen, zeigt der Vergleich dieser beiden Beispiele sehr schön. Jetzt mag man natürlich behaupten, dass noch gar keine Gelder geflossen sind und gar nicht feststeht, wie sich dieser Fall entwickeln wird aber alleine die Option sagt schon einiges über dieses Land aus. Außerdem sprechen wir im schlimmsten Fall so oder so wieder nur von einem Einzelfall, wie schon bei der IKB-Pleite oder der Beinahe-Pleite der Hypo Real Estate (HRE).

Überzeugende Produktpolitik bei Opel

Es geht aber noch weiter. Nehmen wir ein Mal das Beispiel Opel. Man versucht uns dieser Tage zu verkaufen, wie gut es Opel bis zu den momentanen, massiven Problemen beim Mutterkonzern General Motors (GM) ging. Vergessen scheint da der massive Stellenabbau. Vergessen scheint da eine über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte verfehlte Produktentwicklung. Man schiebt, wie man es letztendlich mit der gesamten Weltwirtschaftskrise macht, alles auf die Amerikaner. Nicht mit einem Ton wird danach gefragt, welche massiven Fehler in Deutschland gemacht wurden oder wie man diese für die Zukunft verhindern kann. Man geht einfach hin und pumpt Milliarden in die Wirtschaft, um ganz nebenher noch zu erklären, dass das höchste Ziel von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD), der ausgeglichene Staatshaushalt 2011 nicht mehr zu halten sei. Wie weggeblasen sind Argumente, wie das man nicht das Geld der nächsten Generationen ausgeben kann, man den Kindern keinen riesigen Berg Schulden hinterlassen darf. Man merkt an diesen Verhaltensmustern, wer auch in Deutschland im Moment den Weg diktiert, die Wirtschaft und niemand anderes.

Mit Spannung darf man nun abwarten, wie man einen Automobilkonzern wie Opel mit in das Bankenrettungspaket einbinden wird oder einen eigenen Weg für Milliardenhilfe findet. In diesem Kontext bleibt auch noch festzuhalten, dass es erstaunlich ist, dass man nun bei nur einigen Milliarden Euro bis Weihnachten braucht, um dies auch juristisch einwandfrei zu gestallten. Während man 500 Milliarden Euro juristisch einwandfrei für die Banken innerhalb einer Woche bereitstellen konnte. Man bekommt das Gefühl, dass der Weg hier ein ganz einfacher ist. Welcher Wähler würde sich schon an Hilfen der Politik für die Wirtschaft erinnern, die an einem unbedeutenden, grauen Tag im November vergeben wurden? Ist Frau Merkel (CDU) natürlich plötzlich so etwas, wie der Weihnachtsmann oder viel mehr die Weihnachtsfrau, dürfte dies über die ausreichende Nachhaltigkeit bis zu den Bundestagswahlen im nächsten Jahr verfügen. Denn immerhin wählt hier noch das Volk und nicht nur die Firmeninhaber und die Zocker vom Main. Vielleicht sollten sich aber ein Mal alle überlegen, wie dies alles finanziert werden soll, woher diese ganzen Milliarden schließlich kommen sollen? Entweder die Steuern und Preise steigen noch massiver oder wir haben bald gar kein Sozialsystem mehr. Jeder hat die Verantwortung, jeder kann demonstrieren und protestieren, wer diese Chance nicht nutzt, unterstützt letztendlich nur diese Politik, die wiederum die Diktatur des Kapitals, erst möglich gemacht hat.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu