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Die Wahrheit des Wortes

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Die Deutschland AG und Heinrich von Pierer

29. Juli 2008

Am heutigen Tag wird aller Voraussicht nach der Aufsichtsrat der Siemens AG Schadensersatzklagen gegen den Ex-Vorstand, darunter auch Mister Siemens Heinrich von Pierer, einreichen. Diese Vorgänge sind die Nachwehen der Siemenskorruptionsaffäre, die man durchaus als noch lange nicht abgeschlossen ansehen darf. Mit einem der etabliertesten deutschen Unternehmen, welches die Siemens AG darstellt, gerät allerdings nicht nur dieser Multikonzern ins Zwielicht, viel mehr muss man es ganzheitlich sehen. Es soll ein Mal mehr um die Frage nach Anspruch und Wirklich in der so genannten deutschen Führungselite gehen.

Von Korruption bis BenQ

Heinrich von Pierer galt lange Jahre, um nicht zu sagen Jahrzehnte, als einer der Galionsfiguren der deutschen Wirtschaft. Nun stellt sich nach und nach raus, dass ein Teil dieses Erfolges mit Schmiergeldern erkauft wurde. Eine Praxis die, auch gerade hinter vorgehaltener Hand auf internationaler Ebene, durchaus als normaler Geschäftsvorgang angesehen wird. Natürlich schuf von Pierer eben auch durch seine Maßnahmen Arbeitsplätze in Deutschland und hat großen Anteil daran, dass Deutschland heute das ist, was es ist. Exportweltmeister. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass wir von einem Volumen von 1,3 Milliarden Euro Schmiergeldern bis 2006 sprechen. Man muss sich auch vor Augen halten, dass dies zwar mit Sicherheit der größte Skandal bei Siemens war, allerdings bei weitem nicht der einzigste, wie zum Beispiel der Verkauf der Handysparte an BenQ bewiesen hat.

Hans Leyendecker von der Süddeutschen Zeitung spricht im Zusammenhang mit von Pierer sogar von Versagen. Und so falsch scheint dieser Ansatz auch gar nicht zu sein, wobei Versagen das eine ist und Vorsatz noch ein Mal etwas anderes. Natürlich bietet das System in Deutschland auch alle Möglichkeiten. Denn man überlege sich, dass von Pierer nach 12 Jahren Vorstandsarbeit, auch genau diese als Aufsichtsrat im Konzern prüfte. Auch wenn dies ein Extremfall ist, muss man sich nur bei den großen deutschen Unternehmen umsehen und stellt sehr schnell fest, wie klar definiert die Positionen von Vorstand und Aufsichtsrat sind. Man darf wohl dem Sprichwort glauben, das eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Will heißen es ist anzunehmen, dass der Vorstand A, der Verantwortung im Aufsichtsrat B übernimmt und umgekehrt, auch kein großes Interesse an Problemen hat, denn diese könnten dann allzu schnell auf sein eigenes Unternehmen zurückfallen.

Heinrich von Pierer als Bundespräsident

Heinrich von Pierer war wohl einer der angesehensten und mächtigsten Wirtschaftsbosse in Deutschland. Aber er wird nun, wie einige andere seiner Kollegen von Zumwinkel bis Ackermann auch, vor dem Kadi landen. Wie ein solches Verfahren ausgehen dürfte ist leider heute schon abzusehen. Denn gilt für den Normalsterblichen der Satz, `Unwissenheit schützt vor Strafe nicht`, scheint dies in solchen Fällen oftmals anders zu sein. Als Vorstandschef der Siemens AG, trug Heinrich von Pierer die Verantwortung und dies erst ein Mal unabhängig vom Wissen oder auch Unwissen der Schmiergeldkonstrukte in seinem Unternehmen. Außerdem reden wir hier nicht von einer Flasche Whisky oder ähnlichem, die irgendein Mitarbeiter in einem fernen Land als Dankeschön erhalten hat, sondern wie gesagt, von 1,3 Milliarden Euro. Wenn solche Summen in einem Unternehmen, nennen wir es ein Mal vorsichtig, bewegt werden, scheint es doch mehr als Zweifelhaft, dass der oberste Chef nichts mitbekommen haben soll.

Natürlich reden wir bei von Pierer, auch von jemand mit einer sehr guten Reputation. Schließlich war er sogar auch schon ein Mal als Bundespräsident im Gespräch und beriet auch gerne Angela Merkel (CDU). Sollten nun diesen Leistungsträgern der Deutschland AG und da ist es egal ob sie Josef Ackermann, Klaus Zumwinkel oder Heinrich von Pierer heißen, harte Urteile drohen, wäre dies nicht nur ein Schaden an den vermeintlich so weißen Westen der Führungselite unseres Landes, sondern ein Imageschaden auch für den Standort Deutschland. Allein dies spiegelt natürlich schon das Interesse vieler verschiedener Interessensgruppen wieder, dass solche Personen meist unbeschadet durch diese Verhandlungen gehen. Erschreckend ist nur mit anzusehen, mit welcher scheinbaren Rücksichtslosigkeit diese Herren den Ruf des Landes, des Standortes und damit letztendlich die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter langfristig gefährden und gerade diesen gegenüber haben sie eine hohe Verantwortung, die natürlich auch immer gerne als Grundlage ihrer Topvergütungen herangezogen wird.

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Kategorie: Gesellschaft · Wirtschaft

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