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Die Wahrheit des Wortes

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Die CSU oder Kick it like Beckstein

2. Oktober 2008

In diesen Tagen, stellt sich wieder häufig die Frage, ob Politik eigentlich wirklich noch etwas mit Inhalten zu tun hat oder es nur noch um den medienwirksamen Verkauf von Personen geht. Nach der eklatanten Wahlniederlage der CSU am vergangenen Wochenende bei den Landtagswahlen in Bayern, wurde die Führungsspitze der CSU mehr und mehr demontiert bzw. demontierte sich selbst. Als erstes erwischte es den Parteichef Erwin Huber (CSU). Dies hatte zur Folge, dass die Generalsekretärin Christine Haderthauer (CSU) auch gleich ihren Rücktritt bekannt gab und zum guten Schluss warf auch noch der bayrische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) das Handtuch. Damit wurde zu mindestens in der ersten Woche nachdem Ende des Alleinregierens der CSU in Bayern eines erreicht, es ging nicht um Politik, sondern nur um Köpfe. Nun muss man hoffen, dass es bald endlich wieder um Politik im Freistaat geht.

Folgt Beckstein jetzt Beckham?

In einer Zeit, in der natürlich alles eine Nachricht sein muss, in der selbst werbewirksame Produktneueinführungen und ähnliches in dem Medien als Nachrichten verkauft wird, fällt es der Politik ganz offensichtlich schwer sich diesem Trend zu entziehen. Günther Becksteins Wahlwerbekampagne bezog sich unter anderem auf den britischen Kinoschlager `Kick it like Beckham` aus dem Jahr 2002. Der Titel dieser multikulturellen Gesellschaftskomödie bezieht sich wiederum auf den britischen Ex-Fußballprofi David Beckham. Kenner wissen nun, dass David Beckham auch der Schnelllebigkeit der heutigen Medienwelt zum Opfer fiel und heute als `Promi` in Los Angeles lebt. Konsequent wäre es nun, wenn Günther Beckstein (CSU) ihm dort hin folgen würde. Denn auch er wurde zum Teil Opfer der Medien, die die CSU im gesamten Vorfeld der Wahlen zerredeten. Man sollte aber nicht glauben, dass man in Bayern daraus gelernt hätte. Im Gegenteil, allein die drei zu Beginn erwähnten Rücktritte, wurden nach einer medientauglichen Dramaturgie in Szene gesetzt.

Noch viel schlimmer ist allerdings der Fakt, dass sich dieser Trend bei der CSU fortsetzt, denn auch die Neubesetzung, der nun offenen Positionen, wird wieder mehr für die Medien inszeniert, als das es hier um sachliche Politikfragen gehen würde. Als Parteichef wurde man sich recht schnell einig, dass der Berlinexperte und Bundesminister Horst Seehofer (CSU) diesen Posten übernehmen sollte. Wer nun allerdings Ministerpräsident werden soll wird in einer Art CSU-internen Castingshow zwischen dem Innenminister Joachim Herrmann (CSU), dem Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel (CSU) und dem Fraktionsvorsitzenden Georg Schmid (CSU) ermittelt. Wie sich das für eine klassische Castingshow gehört, werden natürlich auch alle Negativseiten nun öffentlich diskutiert, von mangelnder DSL-Versorgung bis zum Rauchverbot. Sollten alle Stricke reißen, steht natürlich Horst Seehofer (CSU) auch für dieses Amt zur Verfügung. Es dürfte niemanden wirklich überraschen, wenn er es dann doch tatsächlich wird. Am Mittwoch sind wir in diesem Punkt wohl alle etwas schlauer.

Vorbild SPD

Man hat das Gefühl als verfolge die CSU die Strategie, dass Negativschlagzeilen noch immer besser sind als gar keine. Das dieser Schuss gehörig nach hinten losgehen kann, sollte eigentlich allen schon bei der SPD, die hier ganz offensichtlich als großes Vorbild agierte, aufgefallen sein. Die CSU, die mittlerweile in den Medien auch schon Mal gerne als `Chaostruppe` bezeichnet wird, scheint aber auch diesen Fakt billigend in Kauf zu nehmen. Frei nachdem Motto, man muss nur lange genug die Topnachricht stellen um im Gespräch zu bleiben. Um in einer gewissen Mediensprache zu bleiben, geht der Selbstzerfleischungsprozess bei der CSU, ganz nachdem Vorbild der SPD, munter weiter. Man darf abwarten wie viel Wählerpotenzial dies Mal noch verloren geht. In Zeiten, in denen es, wie gesagt, ganz offensichtlich nicht mehr um Inhalte, sondern mehr und mehr um reinen Populismus zu gehen scheint, darf man sich nicht wundern, wenn Personen wie Dr. Gabriele M. Pauli (Freie Wähler) oder Oskar Lafontaine (Die Linke) an Boden gewinnen.

Früher ging es mehr um Inhalte, um die wahre Politik und nicht die Ware Politik. Hier hatten Gruppierungen ohne Programm, ohne politische Aussagekraft wenige Chancen. In der Medienwelt von heute, wo Inhalte oftmals als unwichtig erscheinen, gelten andere Regeln und diese neuen Regeln lassen  dann zum Beispiel den Aufstieg der Ahnen der SED zu, auch wenn sie es in Bayern nicht geschafft haben. Im Freistaat hat sich durch die massive Verschiebung des Mehrheitsverhältnisses eine völlig neue Politiklandschaft ergeben. Anstatt sich aber nun mit Inhalten, mit Grundlagen der verschiedensten Koalitionsmöglichkeit usw. auseinanderzusetzen, schafft man einen internen Machtkampf der am Ende des Tages wirklich niemandem hilft. Der Bürger und Wähler bleibt auch dies Mal auf der Strecke. Genau die Nachricht, die auf diesem Weg transportiert wird, dass es um Köpfe und Seilschaften geht aber nicht wirklich um politische Inhalte, dürfte nicht zu einer breiten Zustimmung in der Gesellschaft führen. Die Folge die hierdurch entsteht ist, dass auch zukünftig das allgemeine Politikinteresse weiter sinken dürfte und damit natürlich auch die Wahlbeteiligungen.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Lupe, der Satireblog // 2. Okt 2008 at 10:47

    geniale replik auf den wahlgang, werde meinen beitrag zum thema (“best of beckstein”) gleich updaten und dich verlinken.

  • 2 sonntagsfrage-online.de // 26. Okt 2008 at 19:43

    Die neuen starken Männer in SPD und CSU

    Nur kurz nachdem Franz Müntefering offiziell erneut zum Parteivorsitzenden der SPD gewählt wurde, geht er konsequent seinen Weg und “räumt auf”. Man spürt durch die Reihen der SPD einen kräftigen aber frischen Wind wehen. Bestes Beispiel hierfür sind die von Franz Müntefering neu eingesetzten Personen. An erster Stelle ist hier natürlich Kajo Wasserhöfel – ein enger Müntefering-Vertrauter – zu nennen. Hier kann man fast von einer Inthronisierung sprechen.
    Der andere stake Mann und machmal Querdenker – böse Zungen sagen auch Querkopf – ist der neue Kopf der CSU Horst Seehofer. Er bietet der Kanzlerin Paroli und scheint der CSU ein Profil einer weiteren großen Volkspartei und nicht der kleinen Schwesterpartei der CDU geben zu wollen.
    Eines ist in beiden Fällen offensichtlich, dass Parteien charismatische Führungspersönlichkeiten mit Ecken und Kanten brauchen, an denen sich die Parteibasis reiben, aber auch orientieren kann. Getreu dem Ausspruch: “Wer keinen Feinde hat, hat im Leben nichts bewegt.”
    In den Umfragen der Sonntagsfrage wirkt sich beides positiv auf die Umfrageergebnisse aus. Die SPD kann ihren Abwärtstrend stoppen und die Union kann sogar leicht zulegen. http://www.sonntagsfrage-online.de

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