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Die Wahrheit des Wortes

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Die Bauernfänger aus Brüssel

22. April 2008

Man erinnert sich noch zu gut an die Butterberge und Milchseen, die es über sehr lange Jahre gab und die oftmals in der Kritik standen. Heute sind sie verschwunden und man will uns klar machen, dass nicht nur diese verschwunden sind, sondern schlagartig die Weltbevölkerung so unglaublich explodiert ist bzw. sich die Nahrungsgewohnheiten zum Beispiel in China und Indien ganz plötzlich so massiv verändert haben, dass nun eine Nahrungsknappheit grassiert. Was mich in einer Welt voller Experten und Eliten, die ein Gutachten nachdem anderen auf die Märkte werfen und weitreichende Prognosen aufstellen, sehr irritiert, ist die Plötzlichkeit dieser Geschehnisse. Wobei es auch sehr interessant ist, wenn auch nicht verwunderlich, dass wieder viele Lösungsvorschläge vorhanden sind, aber keine Schuldigen für die bisherigen Fehler und Versäumnisse auszumachen sind.

Gärtner zum Bock gemacht

Es hat den Anschein, dass genau die Experten und Eliten die diese Entwicklungen, die mit Sicherheit nicht von jetzt auf gleich ohne vorherige Anzeichen entstanden sind, ganz offensichtlich nicht haben kommen sehen. Nun stehen sie aber in der Frage der Problemlösungen ganz weit vorne. Fakt ist, dass wir über eine völlig verfehlte und übereilte Agrarpolitik reden, ganz eng dabei ist natürlich auch die völlig verfehlte Subventionspolitik anzusiedeln. Laut Angaben der ARD fließen jährlich 45 bis 50 Milliarden Euro an EU-Agrarsubventionen und man muss wohl dem Subventionskritiker und Direktor der umweltpolitischen Abteilung der Stiftung Europäisches Naturerbe (EURONATUR) Dipl. Ing. Lutz Ribbe zustimmen, dass dieser lobbyistisch gesteuerte Subventionswahn nicht wirklich für eine Preisstabilität oder ähnliches sorgt. Er ging sogar noch weiter und sprach davon, dass der Teufel immer auf den größten Haufen scheißt und auch dies scheint Politiker oder andere einflussreiche Menschen nicht zum Einlenken zu bewegen.

Wenn man sich überlegt, dass man heute bis zu neun Euro für Spargel auf dem Wochenmarkt zahlt, das Lidl vor Preissteigerungen warnt, was man natürlich auch mit ausreichender Vorsicht genießen muss, denn Lidl ist zur Zeit natürlich auch stark damit beschäftigt von seinen internen Problemen abzulenken, wird einem klar wo der Hase lang läuft. Wie vielfach berichtet, klettert, nicht zu letzt auch aus diesen Gründen, die Inflationsrate in Deutschland immer schneller und immer höher. So stark wie hier die Abgaben an den Staat und auch die Inflation steigt, können sich die Löhne gar nicht mehr entwickeln und vor zu hohen Tarifabschlüssen wird auch vielfach gewarnt. Es scheint als müsste man hier einen überdimensionierten gordischen Knoten lösen. Denn es entsteht mehr und mehr eine negative Spirale nach unten, die sich immer weiter selbst anheizt.

Lobbyismus statt Politik?

Es gibt in Deutschland mehr als 300.000 Bauern und die haben eine nicht zu unterschätzende Lobby. Ihr Hauptvertreter Gerd Sonnleitner vom Deutschen Bauernverband (DBV) macht deshalb auch schon ein Mal klar, dass der Anteil der für Nahrung in Deutschland ausgegeben wird, zwar stetig ansteigen wird aber auch in Zukunft kaum mehr als gut elf Prozent des verfügbaren Einkommens einnehmen wird. Diese elf Prozent entsprechen auch dem heutigen Anteil und damit sind wir Spitze. Denn im Verhältnis kann man sich, laut Sonnleitners Aussage, nirgendwo anders auf der Welt preiswerter ernähren. In dem Zusammenhang muss man erwähnen, dass es noch einen weiteren Bereich gibt in dem wir Spitze sind, wenn auch nur auf Platz zwei. Es ist der Bereich der Masse an Geringverdiener, wo wir direkt hinter den USA kommen. Aber es wird noch besser, der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA) Frank-Jürgen Weise meint sogar, dass die Arbeitslosenzahlen zukünftig sogar immer wieder unter die Dreimillionengrenze fallen könnten. Wenn man sich die bisherigen Senkungen der Arbeitslosenzahlen ansieht, führten diese vor allem zu einem, zu noch mehr Armut. Denn immer mehr Menschen können von dem was sie verdienen, nicht mehr Leben. Was natürlich entgegen der Aussage von Herrn Sonnleitner steht.

Aber seit dem Essensplan für Hartz VI-Empfänger, des Berliner Finanzsenators Dr. Thilo Sarrazin (SPD), wissen wir natürlich, wie preiswert man sich in Deutschland ernähren kann. Gut, es gibt auch Zahlen die dafür sprechen, dass gerade in den sozial schlechter gestellten Familien, die Auswüchse falscher Ernährung immer deutlicher sichtbar werden aber diese Menschen haben eben nicht so eine starke Lobby, wie zum Beispiel die angesprochenen Bauern. Jetzt müsste man davon ausgehen, dass gerade auch diesen Menschen durch die Politik geholfen wird, leider stellt man auch in diesem Bereich immer wieder fest, dass es wohl scheinbar in der EU, aber auch in Deutschland immer mehr um Lobbyistenarbeit und nicht mehr um eigenständige Politik geht. Es bleibt zu hoffen, dass nun langsam sowohl die Politiker in Berlin, aber auch die in Brüssel merken, was die letzten Jahre alles schief gelaufen ist und wie negativ sich diese Schieflage auch noch weiter auswirken wird, wenn man nicht endlich den Kurs wechselt.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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