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Die Wahrheit des Wortes

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Die Bahn bleibt der Wahn

14. Juli 2010

Es ist jetzt etwas mehr als ein Jahr her, dass Hartmut Mehdorn die Deutsche Bahn AG, fast zwei Jahre vorm Ende seines Vertrags, verlassen hat. Hierfür erhielt er übrigens fast 5 Millionen Euro Abfindung. Danach übernahm Rüdiger Grube, der übrigens schon von 1990 bis 1992 sein Büroleiter war, den Posten des obersten Lokomotivführers, wurde also Chef der Deutschen Bahn AG. Dieser Wechsel in der Führungsspitze des Unternehmens wurde damals in den Medien als großer Wurf gefeiert, denn man meinte dort, dass sich nun alles zum Besseren wenden würde. Schaut man sich allerdings die Negativschlagzeilen der letzten Monate an, kann man dieser These kaum folgen, sondern bekommt eher das Gefühl, dass sich der Wahn bei der Bahn lustig und munter weiter ausbreitet. Das aktuellste Beispiel beschäftigt die Nachrichtenwelt nun auch schon wieder seitdem Wochenende, als mehrere Fahrgäste der DB kollabierten, da in ICEs nun auch schon die Klimaanlagen ausfallen.

Der Sommer und der Winter
Scheinbar kommt man bei der Deutschen Bahn AG weder mit dem Sommer, noch mit dem Winter klar. Man erinnert sich noch gut an das Bahnchaos bei der DB, welches der letzte Winter ausgelöst hatte. Man tat gerade so, als wären länger anhaltende Kälteperioden mit Schnee etwas völlig außergewöhnliches für diesen Teil Europas. Dann kam die Phase des Frühlings, wo man positiv anmerken muss, dass die DB hier ausnahmsweise einmal keine Probleme mit dem Klima hatte. Dummerweise folgt auf den Frühling bekanntermaßen der Sommer und auch von diesem wurde man bei der Bahn scheinbar völlig überrascht und so fielen im Vorzeigezug des Konzerns die Klimaanlagen aus, was für Innentemperaturen sorgte, die so hoch waren, dass selbst junge Menschen kollabierten. Man muss wohl von Glück sprechen, dass niemand schwerer verletzt wurde oder gar ums Leben kam. Wenn man so etwa mitbekommt, könnte man denken, man spricht von einem Kleinstunternehmen aber man spricht hier von einem Weltkonzern.

Natürlich fragt man sich bei alldem Chaos, welches sich bald noch durch erneute Streiks ausweiten könnte, wieso die Bahn ständig die Preise erhöht, denn nach einer, diesen Erhöhungen angepassten Leistungssteigerung, sieht es beim besten Willen nicht aus. Auf der anderen Seite ist das Prinzip stetig sinkender Leistungen, bei immer höheren Belastungen, natürlich ein Thema, welches man in Deutschland zum Beispiel auch aus dem Gesundheitswesen sehr gut kennt. Da überrascht es auch nicht, dass der Staat natürlich auch bei der Bahn kräftig mitmischt. Es darf einen natürlich nicht verwundern, dass sich die Proteste aus dem politischen Berlin auch hier ganz klar in Grenzen halten, schließlich verfolgt man natürlich auch noch einige Ziele und wie so oft in der Politik müssen die nicht immer etwas mit den grundlegenden Interessen der Bevölkerung zu tun haben. Was man im aktuellen Fall aus Berlin hörte, war da wieder etwa so bezeichnend, wie der Fakt, dass die Bahn laut der Staatsanwaltschaft Fulda keine Schuld am ICE-Unglück im Landrückentunnel nahe Fulda trägt, wo 73 Menschen verletzt wurden.

Keine nachhaltigen Schädigungen
Wenn man im Winter den Gehweg vor seinem Haus nicht schneefrei hält, kann dies schon einmal schnell richtig teuer werden. Wenn die Bahn ihre Tunnel nicht vor Schafherden oder ähnlichem schützt, trifft sie keine Schuld. Man versteht relativ schnell, warum viele Menschen im Land meinen, dass hier oftmals mit zweierlei Maß gemessen würde. Dies wird dann natürlich auch noch einmal unterstützt, wenn der Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erklärt, dass bei dem aktuellen Unglück, wo auch wieder gegen die DB ermittelt wird, niemand nachhaltig zu Schaden kam. Inhaltlich mag dies vielleicht stimmen aber was bedeutet dies? Wen man einem anderen Menschen zum Beispiel die Nase bricht, verletzt man ihn auch nicht nachhaltig und dem Opfer ist im Regelfall mit einem kurzen Arztbesuch geholfen, trotzdem spricht man hier von einer Körperverletzung, einer Straftat und es dürfte kaum einen Richter geben, der sich hier auf die Aussage, dass die Verletzung nicht nachhaltig gewesen sei, einlassen würde.

Es sieht doch so aus, als würde auch nachdem Wechsel von Hartmut Mehdorn hinzu Rüdiger Grube, die Rotstiftphilosophie die Konzerngeschicke weiter bestimmen. Auch dies wäre dann wieder ein gutes Zeichen, wie auf Kosten der Bevölkerung und deren Sicherheit gespart würde. Man hat die Bilder der Bahnkatastrophe von Eschede noch vor Augen und man muss bei vielen der aktuellen Unglücke und Zwischenfällen bei der Bahn wohl davon sprechen, dass es pures Glück war, dass es immer noch verhältnismäßig glimpflich ablief. Es wäre allerdings ein fataler Fehler, sowohl von Seiten der Deutschen Bahn AG, wie auch von Seiten der Politik und hier natürlich im speziellen von Seiten des Bundesverkehrsministeriums, sich auf dieses Glück zu verlassen. Denn würde man in Zukunft irgendwann von diesem Glück verlassen werden, wären die Folgen wohl mindestens ein zweites Eschede und das kann wohl kaum im Interesse eines Rüdiger Grube, noch im Interesse eines Verkehrsministers Peter Ramsauer (CSU) sein.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Technik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Petra // 14. Jul 2010 at 09:59

    Jegliches Wetterunbill (zuletzt vorgestern der Sturm) führt bei der Bahn zu Ausfällen und Verspätungen. Wenn man dies tatsächlich weiter umlegen würde auf menschlichen Arbeitsalltag würde die Produktivität im Lande noch weiter sinken. Gewitterneigung? Uuuh, da bleib ich mal lieber zu Hause. Eis und Schnee? Viel zu gefährlich für den Arbeitsweg! Temperaturen über 30 Grad? Ist ja wohl klar, dass man da nicht arbeiten kann.
    Ich habe gestern mein Ticket nach Berlin für morgen stornieren lassen. Die Vorstellung allein in eine solche “Klimakatastrophe” zu kommen löst in mir schiere Panik aus. Die Frage allerdings, wo ich denn wohl das Ticket stornieren lassen könne und das Geld zurückbekäme hatte leider zur Folge, dass ich bei der Hotline der DB anrufen musste. Da mein Anliegen wohl so ungewöhnlich war, landete ich bei der Hotline “Lob und Tadel – Kundenmeinungen”. Also quasi Beschwerdemanagement, nicht wahr? Das war sehr lustig. Die Dame schien allein durch meine Frechheit, ein Anliegen zu haben, schon sehr gereizt, gab zwei widersprüchliche Antworten. Nochmals nachgefragt, welche der Antworten man denn jetzt als wahr erkennen könne, entrang sich ihrer Kehle nur ein verzweifeltes “Ich bin auch nur ein Mensch!”. Ach so. Und ich bin auch nur Kunde. Ich empfahl ihr dringend und wohlmeinend eine Weiterbildung oder Coaching im Beschwerdemanagement. Ich hoffe, ich konnte ihr weiterhelfen…”Der Anruf aus dem Festnetz kostet 0,49 ct/Minute. Mobilfunkpreise können abweichen”. Wer war jetzt nochmal die Hotline?

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