fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Dichter und Denker

24. Januar 2008

Deutschland ist hinlänglich bekannt als das Land der Dichter und Denker. Leider muss man hierzu nur einräumen, dass dieser Ruhm aus einer lang vergangenen Zeit stammt und man heute das Gefühl hat, dass wir weit von diesen Zeiten entfernt sind. Einer gewissen Logik zur Folge, müsste man nun natürlich einiges daran setzen, dass wir auch in dieser Zeit, gerade auch in kulturellen Belangen Größe beweisen. Die Wirklichkeit ist leider ein Mal mehr eine andere. Denn gerade auch in diesem Bereich, ist der Rotstift scheinbar alles was zählt.

Vergiftete kulturelle Nährböden

Nehmen wir als ein Beispiel den Leverkusener Pharmakonzern Bayer. An dieser Stelle könnte ich jetzt seitenweise über Ausgliederungsmaßnahmen, Arbeitsplatzabbau und ähnliches philosophieren, möchte mich aber im Kern auf die sozialen und kulturellen Fakten beziehen. Unter anderem für ihre Mitarbeiter betrieb der oben genannte Konzern ein beheiztes Freibad in Leverkusen aber irgendwann wurde dies, im Rahmen allgemeiner Sparmaßnahmen, geschlossen. Ein klarer Fall, wie soziales Engagement abgebaut wird. Man muss nun dazu sagen, dass dieser Fakt nur der Beginn war, denn es sollte Stück für Stück weitergehen. Es dauerte nicht lange, da ging man vom sozialen, in den kulturellen Bereich über. Für mich persönlich hatte es den Anschein, als war die Schließung des Freibades nur ein erster Test, was man sich erlauben kann.

Als nächstes war die Kunstszene in Leverkusen dran. Hier zog man sich unter anderem mit der Schließung der `Galerie am Werk`, aus der kulturellen Affäre. Jetzt mag ich es anderen überlassen, die Bedeutung der Leverkusener Kunstszene, im Kontext bundesweiter Kunst zu beurteilen. Fakt bleibt aber, dass so der Nährboden für eine positive kulturelle Entwicklung vergiftet und somit letztendlich zerstört wird. Mit solchen Maßnahmen lassen sich natürlich Bilanzen verschönern und somit hat man letztendlich zufriedene Aktionäre aber der Beitrag zu einer kulturellen Verbesserung im Land der Dichter und Denker, fehlt natürlich an dieser Stelle völlig. Man sollte sich an verantwortlicher Stelle schon genau überlegen, welche Verantwortung man trägt und in wie weit man dieser nachkommen möchte.

Auch kein Geld für Sport

Ein weiteres Beispiel gefällig? Da man scheinbar beim Bayerkonzern festgestellt hat, dass dieser Weg funktioniert, hat man ihn, wie soll man es sagen, weiter optimiert oder schlicht und ergreifend ausgeweitet. Als nächstes ist nun der Bereich Sport an der Reihe. Auch hier hat Leverkusen, neben dem Erstligaverein im Fußball, einiges zu bieten, von der Leichtathletik bis hin zum Basketball. Hier stellen die Leverkusener so etwas, wie den FC Bayern München des deutschen Basketballs, dar. Sie sind Rekordmeister und stehen seit Jahrzehnten mehr als gut dar. Trotzdem entzieht der Bayerkonzern die Sponsoringgelder zum Saisonende. Wie es dann weitergehen soll ist noch nicht wirklich bekannt aber rosige Zeiten werden es wohl kaum. Das traurige daran ist, dass auch die Kölner Basketballer seit gestern vor dem Aus stehen, da der Hauptsponsor zahlungsunfähig ist und nicht klar ist ob der Spielbetrieb hier überhaupt aktuell Aufrecht erhalten werden kann.

Natürlich kümmert sich der Bayerkonzern auch weiterhin um den Sport in der Stadt, denn unter dem Strich bleibt er immerhin im Fußball als Sponsor aktiv. Nach den bisherigen Geschehnissen, stelle ich mir natürlich die Frage, wie lange noch? Aber nun wird erst ein Mal das Stadion, die BayArena, vielen auch als das Schmuckkästchen der Bundesliga geläufig, umgebaut bzw. vergrößert. Das man darüber nachdenkt, von der Bauphase betroffene Heimspiele, nach Düsseldorf in die LTU-Arena zu verlegen, sei nur nebenbei erwähnt. Außer das nachdem Umbau, wesentlich mehr Zuschauer Platz finden sollen und genau hier ist der Nutzen mehr als umstritten, wird es ein großes Bayerkreuz geben, was allen Menschen wohl zeigen soll, wie engagiert man in dieser Stadt ist. Ich habe da so meine Zweifel, sowohl was den Sport angeht, wie auch die anderen kulturellen Bereiche.

Nur ein kleines Beispiel

Es ging jetzt gerade ein Mal nur um einen Konzern, um eine kleine Stadt in Deutschland, in wie weit dies repräsentativ für das ganze Land sein mag, sollte doch am besten jeder für sich prüfen. Immer wieder wird auf die Wichtigkeit des Ehrenamtes hingewiesen, was natürlich unbestritten ist. Für mich wirkt es nur vielfach so, als ob sich so andere versuchen aus der Verantwortung zu ziehen. Andere machen die Arbeit, während man nachher sagt `Wir sind Deutschland`. Nein, das kann es nicht sein, wenn dieser Staat zu altem Ruhm zurückfinden soll, sind nicht nur die Bürgerinnen und Bürger gefordert sondern unter anderem auch die Konzerne.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Sport

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu