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Die Wahrheit des Wortes

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Deutschland und seine blühenden Landschaften

26. Februar 2009

In diesem Jahr jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum 20. Mal. Dies bedeutet, dass Deutschland in diesem Jahr den runden Geburtstag eines wichtigen historischen Ereignisses zu feiern hat. Dieses oftmals rein national betrachtete Ereignis muss, wie man heute weiß, durchaus in einem sehr internationalen, einem globalen Kontext gesehen werden. Die Redaktion von fairschreiben.de greift diesen Anlass im laufenden Jahr immer wieder auf, um über die Mauer selbst, die Geschichte der Mauer, aber natürlich auch über die weitreichenden Folgen des Endes der DDR zu schreiben und dies, wie gesagt unter nationalen, wie auch internationalen Aspekten. Im heutigen ersten Artikel zu diesem Thema, geht es zum einen um die Geschichte der Mauer und deren Bau aber auch um die bis heute spürbaren wirtschaftlichen Folgen des Mauerfalls für Ost und West. Es ist also so etwas, wie eine Hochgeschwindigkeitsreise durch die deutsche Geschichte von 1961 bis 2009.

Die Maueropfer

Vom 13. August 1961 an trennte die Berliner Mauer die Stadt und ihre Randgebiete auf einer Länge von fast 170 Kilometern. Berlin war scheinbar für immer in zwei Teile geteilt. Heute weiß man, dass es natürlich nicht für immer war. In der Zeit bis zum Mauerfall am 09. November 1989, versuchten unzählige Menschen aus der DDR zu flüchten. Vielen gelang die Flucht über den so genannten `antifaschistischen Schutzwall` auch aber sehr viele Menschen überlebten ihren Fluchtversuch auch nicht.  Wie viele Menschen genau in den 28 Jahren der Teilung verstarben, ist auch 20 Jahre nach dem Fall der Mauer nicht gänzlich geklärt, man geht von einer Zahl zwischen 125 und über 200 Opfern aus. Die Reaktionen, gerade auch von Seiten der Alliierten, waren 1961 noch eher verhalten, schließlich war der Zweite Weltkrieg noch keine 20 Jahre vorbei und die Lage zwischen der westlichen und der östlichen Welt war noch immer sehr angespannt. So sagte John F. Kennedy, der 35. Präsident der USA: `Keine sehr schöne Lösung, aber tausendmal besser als Krieg`. Der britische Premierminister Harold MacMillan äußerte sich, wie folgt: `Die Ostdeuteschen halten den Flüchtlingsstrom auf und verschanzen sich hinter einem noch dichteren Eisernen Vorhang. Daran ist an sich nichts Gesetzwidriges`.

Aber fast 30 Jahre nach diesen Aussagen sollte dann doch alles anders kommen, die Mauer fiel. Ich erinnere mich noch genau an diese Nachricht und wie sie auf mich wirkte. Es war abstrakt bis beängstigend. Ich selbst war 10 Jahre nach dem Bau der Mauer in Westdeutschland geboren und hatte weder den Osten Berlins, noch die restliche DDR bis zu diesem Tag jemals besucht. Mich beschäftigte in diesen Tagen vor meinem Abitur eigentlich nur der Zwiespalt zwischen Freiheit und Kosten. Natürlich gönnte ich jedem Menschen seine Freiheit, dass stand nie in Frage aber es war mir auch vom ersten Tag an klar, dass Ost, wie auch West teuer für diese Freiheit bezahlen würden. Somit kam es natürlich zu der, durchaus philosophisch zu betrachtenden Frage, wie hoch darf der Preis für die Freiheit sein? In der damals vorherrschenden Euphorie gingen meine Finanzierungsfragen oftmals unter bzw. wurden mit finanzmathematischen Ansätzen beantwortet, von denen selbst mir damals schon klar war, dass sie nicht aufgehen konnten, sondern ganz offensichtlich nur schön gerechnet waren. Viele meiner damaligen Kritiker, die euphorisch meinten jeder Preis für die Freiheit sei gerechtfertigt, vertreten übrigens 20 Jahre später eine völlig andere Meinung und zwar meine damalige, in einer weitaus radikalisierten Form. Heute behauptet man, man hätte dies damals alles durch die Euphorie falsch betrachtet, wie erschreckend ein solches Eingeständnis gerade auch in Deutschland ist, brauche ich wohl nicht näher zu erläutern.

Bundeskanzler Helmut Kohl

Ganz eng verbunden mit dem Fall der Berliner Mauer ist natürlich auch der Name des damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Er regierte damals schon seit 1982 als sechster Bundeskanzler die Bundesrepublik Deutschland und sollte die Geschicke des Landes auch noch bis 1998 leiten. Natürlich beeinflusste er maßgeblich den innerdeutschen Einigungsprozess genauso mit, wie er auch einer der führenden Kräfte im europäischen Einigungsprozess war. Durch den Fall der Berliner Mauer, wurde natürlich auch der Eiserne Vorhang immer löchriger bis er sich letztendlich, genau wie die damalige Sowjetunion, völlig auflöste. Diese Fakten wirkten sich natürlich auch noch ein Mal wie ein Katalysator auf die Weiterentwicklung der Europäischen Union (EU) aus. Hier beginnt die Geschichte in einer auffälligen Parallele bis in die heutigen Tage der Weltwirtschaftskrise zu verlaufen. Denn Kohl (CDU) prägte auch den Begriff der `blühenden Landschaften`, die den Menschen in Ost, wie West suggerierte, dass alles gut werden würde. Heute weiß man, dass bei weitem nicht alles gut gelaufen ist. Das wirtschaftliche Gefälle, wie auch das emotionale ist zwischen Ost und West noch immer massiv und die Landschaften die blühen sollten, erscheinen einem häufig eher als eine nackte, kalte Wüste. Der Aufbau Ost, der wie gesagt bei weitem noch nicht abgeschlossen ist, wurde seiner Zeit durch die Einführung eines Solidaritätszuschlages mitfinanziert. Heute, 20 Jahre nach dem Mauerfall, steht Deutschland vor dem nächsten Solidaritätszuschlag, ob er letztendlich diesen Namen tragen wird oder als eine besondere Steuer getarnt daher kommen wird, ist noch nicht geklärt. Feststeht scheinbar nur, dass das wesentlich größer Experiment einer weiteren Zusammenführung, welches wohl den Titel Globalisierung trägt, genauso weit vom Ziel entfernt ist, wie das, was man damals den Deutschen in Ost und West versprach. Es sei angemerkt, dass die Kosten für dieses misslungene Experiment dies Mal wahrscheinlich noch höher werden.

Heute weiß man, es gab in Deutschland keine dauerhaft blühenden Landschaften und heute ist realistisch auch nicht abzusehen, ob und wann es sie jemals geben wird. Die Globalisierung, die mit dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs auch erst so richtig durchstarten konnte, scheint genauso zu verlaufen, deshalb braucht man bald auch einen weiteren Solidaritätszuschlag für diesen Misserfolg. Dem Volk, dies Mal nicht nur den Deutschen, sondern allen Europäern, wenn nicht sogar der gesamten Weltbevölkerung wurde abermals vorgegaukelt, dass nun alles gut werden würde, es wieder blühende Landschaften, nur in noch größerem Ausmaß, geben würde. Aber auch dieses Experiment wurde vor die Wand gesetzt. Das Ergebnis kennen wir heute alle als Weltwirtschaftskrise. Die Fakten die sich in der Wiedervereinigung Deutschlands abzeichneten, sowohl wirtschaftlich, wie aber auch sozial und emotional, wurden bei der Globalisierung, ganz offensichtlich aus reiner Profitgier, ignoriert, anstatt sie zu nutzen. Natürlich sind die Ausmaße dieses Versagens auf einer globalisierten Ebene noch ein Mal wesentlich massiver, als sie es allein schon auf der innerdeutschen Ebene waren bzw. sind. Ob es ein geschichtlicher Zufall bleiben wird oder ob sich irgendwann im geschichtlichen Gesamtkontext so etwas wie ein Prinzip ergeben wird, wird die Zeit zeigen. Es ist nur schon auffällig, dass man immer wieder lesen kann, dass Helmut Kohl (CDU) 1998 letztendlich auch wegen den Folgen der Wiedervereinigung politisch abdanken musste. Nun weist einiges daraufhin, dass sein politischer Ziehsohn oder um es korrekt auszudrücken, seine Ziehtochter, Angela Merkel (CDU) durchaus an den Folgen der gescheiterten Globalisierung ihr politisches Ende finden könnte.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Soccerianer // 13. Mrz 2009 at 18:51

    Schöner Bericht, der einem noch mal klar macht, wie jung dieses Land in der jetzigen Form eigentlich noch ist!

Schreib was dazu