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Die Wahrheit des Wortes

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Deutschland und der Krieg

22. Oktober 2008

Nachdem am heutigen Tag die Soldaten in Kundus Abschied von ihren beiden gefallenen Kameraden nehmen, werden die die beiden Leichen der jungen Soldaten nach Zweibrücken in Rheinland-Pfalz überführt. In Zweibrücken wird es dann am Freitag eine Trauerfeier geben, an der auch der Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) teilnehmen wird. Mit Spannung darf man auf sein Verhalten blicken, denn er verursachte schon häufiger Unmut mit seinen Äußerungen. Dies lag oftmals daran, dass er nicht einräumen will, dass in Afghanistan deutsche Soldaten fallen. Er versucht diesen Sachverhalt, so zynisch es klingen mag, immer etwas zu schönen und spricht lieber von Verstorbenen. Dabei sollte auch ihm klar sein, dass Deutschland schon längst im Krieg steht und wir somit von Gefallenen reden.

Krieg in der heutigen Zeit

Die Zeiten der großen Schlachten, wie man sie noch aus den beiden vorangegangenen Weltkriegen des letzten Jahrhunderts kennt, sind im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte. Wie die gesamte Welt sich im Wandel befindet, so befindet sich auch der Krieg schon seit langer Zeit in einem Wandlungsprozess. Nicht nur das sich mit dem Ende des Kalten Krieges geopolitisch sehr vieles, bis hin zu völligen Neuausrichtungen im territorialen Kontext ergeben hat, haben sich auch die Feindbilder verändert. Die Zeiten in denen sich die beiden großen Blöcke meist an klar gezogenen Linien gegenüberstanden, gehören der Vergangenheit an. Nicht erst seit den Attentaten vom 11. September 2001 ist klar, dass der größte Gegner dieses Jahrhunderts, wenn nicht gar Jahrtausends der Terrorismus sein dürfte und hier stehen die Militärs weltweit vor ganz neuen Aufgaben.

Die heutigen Gegner gehören oftmals nicht mehr einer klar zugeordneten feindlichen Armee an. Somit sind die Gegner natürlich auch schwerer auszumachen und da sie vielfach sehr starken Rückhalt in der Bevölkerung haben, haben sie auch oftmals die Chance aus dem Nichts aufzutauchen, zu töten und wieder zu verschwinden. Das Schlachtfeld ist plötzlich überall. Die Kriege dieses Jahrhunderts werden an ganz vielen kleinen Fronten gekämpft. In einer Welt in der immer alles möglichst positiv kommuniziert werden soll, spricht man daher auch  ungern von Krieg oder Kriegsgebieten und redet viel lieber von einem Krisenherd, denn das klingt wesentlich harmloser, nicht so militärisch und vor allem zeitlich überschaubar. Gerade auch im Kontext zu Afghanistan ist zu sagen, dass wir hier ganz klar von einem Kriegsgebiet und nicht nur von einem Krisengebiet sprechen.

Die Verteidigung Deutschlands in fernen Ländern

Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland soll schon seit Jahren auch am Hindukusch verteidigt werden und dies ist nicht gerade ein Einfall irgendwelcher Militärs, sondern in erster Linie sprechen wir hier von politischen Entscheidungen, die militärisch umgesetzt werden. Wenn nun Deutschland seine Streitkräfte im Ausland einsetzt, um das Land zu verteidigen, sollten gerade auch die Verantwortlichen, wie zum Beispiel auch der Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) so viel Achtung vor den Soldaten haben, dass er einräumt, dass diese sich im Krieg befinden und wenn man sich in einem Kriegsgebiet aufhält, ist die wohl größte Gefahr für jeden Soldaten das er fällt. Von Seiten der Regierung tut man gerne so, als ginge es bei dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan nur darum Brunnen und Schulen zu bauen, dies ist aber, wie auch die aktuellen tragischen Fälle beweisen, nicht korrekt.

Laut Medienberichten waren die gefallenen Soldaten in Afghanistan gerade dabei Waffendepots ausfindig zu machen und deren Inhalt zu sichern. Dies bedeutet nichts anderes, als das man dem militärischen Gegner den Nachschub an Kampfmitteln abschneidet und dies ist definitiv eine militärische und keine humanitäre Aufgabe. Es ist auch gerne die Rede vom militärischen Versagen in Afghanistan, was auch nicht gerade als Unterstützung für die Soldaten vor Ort angesehen werden darf, beinhaltet diese Aussage doch auch das Versagen der Soldaten vor Ort, die jeden Tag ihr Leben für Deutschland aufs Spiel setzen. Man sollte viel mehr über das politische Versagen offen reden. Man sollte über Ausrüstung reden. Man sollte darüber reden, welche politischen Fehler zu einer solch verfahrenen Situation, die laut Aussagen vieler Experten immer aussichtsloser wird, führten. Es sind nicht die Soldaten die versagen, es ist die Politik die versagt hat.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Luigi // 22. Okt 2008 at 20:10

    Bravo! Genau so sieht es aus. Die Regierung verharmlost und schweigt viele Sachverhalte, die den Krieg angehen einfach tot. Ich vermisse bis heute eine Ansprache unseres Kanzlers, ausgestrahlt über alle Kanäle des Fernsehens und des Radios, das wir uns im Krieg befinden und das unsere Soldaten unsere moralische Unterstützung brauchen. Aber das macht sich ja nicht gut in der Vita eines Politikers, wenn da steht das dieser den Befehl gegeben hat unsere freiheitliche Grundordnung zu schützen.

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