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Die Wahrheit des Wortes

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Deutschland und der Krieg

8. April 2010

Natürlich ist es ein ganz spezielles Thema, wenn man von Deutschland und dem Krieg spricht. Deutsche Soldaten kämpfen in einem fremden, fernen Land, das lässt manch einen noch immer zusammenzucken. Man fragt sich nur auch, ob diese Reaktion im Jahr 2010 wirklich noch zeitgemäß ist. Jeder kennt den Satz, dass nie wieder eine Gefahr von Deutschland ausgehen darf. Folgt man dieser These auf eine ganz zynische Art und Weise, muss man wohl einräumen, dass dies auch im Moment in Afghanistan noch der Fall ist. Man darf bei all dem auch nicht vergessen, dass wir beim Einsatz deutscher Soldaten von Bündnistreue gegenüber der NATO sprechen und somit kann man hier nicht davon reden, dass Deutschland einfach mal eben irgendwo am Hindukusch in den Krieg gezogen ist. Trotzdem wirft dieser Krieg, wie ihn die Bundesregierung nun auch endlich, zu mindestens umgangssprachlich, nennt, viele Fragen auf, die bis hin zur Finanzlage in Deutschland reichen.

Angriff ist die beste Verteidigung
Deutschland darf keine Angriffskriege führen, die Bundeswehr hat die Aufgabe in Deutschland den Frieden zu sichern. Bei solchen Vorgaben fragt man sich natürlich, was die Männer und Frauen dann nun eigentlich in Afghanistan zu suchen zu haben. Die Antwort auf diese Frage lässt viele Rückschlüsse zu. Vor allem zu Beginn des Einsatzes, war vielfach die Rede davon, dass die Sicherheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt werden muss. Es ist letztendlich dieselbe Argumentationskette, wie sie zum Beispiel auch Russland für Gefechte im Nordkaukasus nutzt. Auch hier sagt man, dass von dort aus eine riesige Gefahr ausgeht und legitimiert damit kriegerischen Auseinandersetzungen in den verschiedenen nordkaukasischen Provinzen. Man sieht auch hier sehr deutlich, dass dies keine deutsche Erfindung ist, um Kriegseinsätze fernab der eigenen Heimat erklären zu können. Wie legitim all dies ist, sei erst einmal dahingestellt. Denn wer bedroht Deutschland, in welcher Form? Wie abstrakt oder realistisch ist diese Bedrohungslage wirklich?

Für die Öffentlichkeit ist die Bedrohung spürbar. Polizeipanzer vor deutschen Flughäfen. Terroristen der Sauerlandgruppe die in Düsseldorf verurteilt wurden, weil sie unzählige Unschuldige in Deutschland töten wollten etc. Aber bei all dem bleiben natürlich auch wieder weitere Fragen offen, gerade auch wenn man bedenkt, dass der letzte wirklich große Terror in Deutschland, und zwar der der Rote Armee Fraktion (RAF), schon Jahrzehnte zurückliegt. Hauptauslöser für den aktuellen Krieg in Afghanistan sind die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA und auch hier gibt es viele Zweifel, ob sich wirklich alles so zu getragen hat, wie es vielfach in den verschiedensten Medien kommuniziert wird. Wie schnell sich vermeintliche Realitäten verschieben können, weiß man noch zu gut im Kontext der Bombenlabors für schmutzige Bomben im Irak, die es niemals gab und trotzdem bauten die Amerikaner einen Krieg auf diesen vermeintlichen Fakten auf. Nun ist die Lage in Afghanistan noch einmal eine etwas andere aber auch dies macht diesen Krieg nicht besser.

Kein Geld für Krieg
Nun bleibt es aber auch Fakt, dass Deutschland allein aus Gründen der Bündnistreue eine Verpflichtung hat die NATO-Partner zu unterstützen und da es egal wie man es dreht und wendet, nun wirklich nicht darum geht ein Land zu erobern oder einfach so unschuldige Zivilisten zu töten, kann man einmal annehmen, dass dieser Bundeswehreinsatz juristisch, wie auch moralisch vertretbar sein kann. An dieser Stelle endet die Fragekette allerdings noch lange nicht, denn spätestens seit am Karfreitag drei junge Soldaten gefallen sind, ist eine große Diskussion über Ausrüstung und Ausbildung der Truppe entbrannt. So verfügt die Bundeswehr in Afghanistan nicht über eigene Kampfhubschrauber, die Bodenkräfte aus der Luft beschützen bzw. unterstützen könnten. Bei dem Gefecht vom Karfreitag forderte man so auch diesmal externe Luftunterstützung an und Kampfjets überflogen wohl auch den Gefechtsbereich, griffen allerdings nicht ein, denn die Taliban hielten sich wieder in Mitten von Zivilisten auf, was bedeutet ein Luftschlag hätte mit Sicherheit auch wieder unschuldige Menschenleben gefordert und dies wollte man unbedingt verhindern, was letztendlich wohl auch mitverantwortlich für die drei Todesfälle war.

Warum ist die Lage der Bundeswehr in Afghanistan so schlecht, wie es im Moment vielfach aufgezeigt wird? Dieser Frage geht man gerade auch an einer Stelle kaum auf den Grund und zwar beim Thema Kosten. Ausbildung kostet Geld, Material und dessen Transport, Instandhaltung und ähnliches kostet ebenfalls Geld. Nun ist die Haushaltslage in Deutschland auf Grund einer Staatsverschuldung, wie sie die Bundesrepublik Deutschland seit ihrem bestehen noch nicht erlebt hat, unbeschreiblich schlecht und da muss man auch einmal über die Frage nachdenken, ob sich Deutschland einen solchen Krieg überhaupt noch leisten kann und diese Frage ist an dieser Stelle rein auf das Finanzielle bezogen. Sollte sich irgendwann einmal herausstellen, dass sich Deutschland diesen Krieg hätte eigentlich gar nicht leisten können, man aber doch seiner Bündnispflicht in diesem großen Maße nachkommt und schließlich ist man hier nach den USA und Großbritannien der drittgrößte Truppensteller, wäre dies fatal. Es würde letztendlich bedeuten das die Bundesregierung in Afghanistan ihre eigenen Soldaten bewusst opfert. Dies wäre dann nicht nur mehr als menschenverachtend, sondern gerade auch politisch absolut nicht tragbar. Wenn dem nicht so ist, bleibt eine letzte Frage noch offen und zwar die, warum die Bundesregierung die Einsatzbedingungen in Afghanistan nicht endlich verbessert, schließlich waren all die Probleme auch schon vor dem letzten Karfreitag bekannt.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Martina Jäger // 8. Apr 2010 at 08:02

    in zukunft wird es vermehrt kriege geben, bei denen es um die verteidigung wirtschaftlicher interessen und ressourcen nichterneuerbarer energien geht.

    wenn deutschland nach dem wille des volkes abstand zu dieser interessen- und konfliktbearbeitung herbeiführen will, müssen wir, denke ich, aus der nato austreten. ist das möglich? ich werde mich mal erkunden müssen.

    was afghanistan betrifft finde ich u.a. peter schollatours stellungsnahmen und bücher interessant, um mehr über den hintergrund zentralasiens zu erfahren.

Schreib was dazu