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Die Wahrheit des Wortes

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Deutschland sucht den Supersprit

9. März 2011

Unabhängig davon, wie man den gestrigen Gipfel zum Thema E10 kommentieren möchte, bleibt es ein Thema, welches wieder einmal sehr schön die Inkompetenz aufzeigt, die scheinbar in weiten Teilen der Wirtschaft und der Politik verbreitet ist. Leidtragende sind bekanntermaßen jetzt schon wieder einmal die Bürger, genauer gesagt die Autofahrer. Bei E10 spricht man von einem Kraftstoff dem zehn Prozent Bioethanol beigemischt sind, damit die Bundesregierung irgendwann einmal eine bessere Klimabilanz vorlegen kann. Schneller ginge dies wahrscheinlich bei dementsprechenden Auflagen gerade im Bereich der Schwerindustrie aber die genießt als Teil der deutschen Wirtschaft natürlich auch Narrenfreiheit und wird mit so etwas nicht belästigt, da sorgt man lieber für weiter ansteigende Kosten an der Zapfsäule. Unabhängig von den Entwicklungen der Spritpreise, die so oder so immer nur eine Richtung kennen und trotz aller Merkwürdigkeiten hier niemand von Preisabsprachen sprechen mag, bleibt auch noch die Frage, was E10 für die Motoren bedeutet.

Abwrackprämie 2.0?
Als damals das Thema E10 aufkam, stellte sich auch gleich die Frage nach der Verträglichkeit für die Motoren und es war sehr schwer überhaupt jemand zu finden, der in diesem Kontext verwertbare Aussagen gemacht hätte. Man darf wohl auch jetzt noch davon ausgehen, dass es so gut wie unmöglich sein dürfte, irgendwann einmal jemanden haftbar zu machen, sollte dem eigenen Fahrzeug etwas passieren. Aber auch hier gibt es etwas Positives, sollten Motoren in größerer Stückzahl zerstört werden, hätte es etwas von einer Abwrackprämie 2.0 und die Automobilindustrie könnte sich zwangsläufig wieder über mehr Absatz freuen. Manch einer braucht bei solchen Entwicklungen dann bald noch einen Drittjob aber auch für so etwas gibt es schon einen Namen, denn die Menschen, die selbst mit zwei Jobs nicht mehr hinkommen, nennt man Multijobber und auch deren Zahl wächst. Zurück zur Belastung durch E10, gerade erst wurde durch BMW bekannt, dass es letztendlich scheinbar immer schädlich ist diesen Kraftstoff zu tanken, so etwas als Kommunikationsproblem abzutun, ist ein Witz. Denn es stellt sich natürlich die Frage, wie so etwas in einem Staat der Regeln und Normen passieren kann.

All dies legt die Vermutung nahe, dass man schon von durchaus bekannten Problemen sprechen muss, die nur irgendwie ungeplant an die Öffentlichkeit gelangt sind. Folgt man dieser These, ist dies kein Kommunikationsproblem, sondern Betrug. Da es seit der vermeintlichen Plagiatsaffäre um den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) scheinbar zur guten Sitte in diesem Land geworden ist, auch vermeintliche Sachverhalte gleich zur Anzeige zu bringen, sollte man diesem Weg dann doch bitte auch bei E10 folgen und auch Strafanzeige gegen die Verantwortlichen stellen. Das Spektrum könnte hier durchaus von Sachbeschädigung bis hin zu Betrug reichen. Die Art und Weise, wie in diesem Land Politik gegen die Bürger und für die Wirtschaft gemacht wird, zeigt sich auch an diesem Beispiel wieder einmal sehr schön und jeder sollte sich fragen, ob er meint, dass dies eine Politik ist, die noch dem mehrheitlichen Bürgerwillen entspricht. Man fragt sich auch wieder einmal, welche Aufgabe eigentlich eine Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) in diesem Land hat, wenn sie von Dioxinskandalen, die mittlerweile auch schon gänzlich ohne nachhaltige Ergebnisse aus den Medien verschwunden sind, bis hin zu E10 so große Probleme mit dem Umgang mit solchen Skandalen hat.

Umweltschutz?
Natürlich spricht man bei Fakten, wie zum Beispiel auch der Einführung von E10, immer gerne von den großen Zielen des Umweltschutzes, von einer positiven Klimabilanz, was natürlich erst einmal alles wahnsinnig gut klingt. Man muss sich nur auch fragen, warum dies eigentlich immer nur zum Nachteil der breiten Masse der Bevölkerung geschehen muss und völlig nachrangig ist, wenn es sich negativ auf die Gewinnmaximierung der Wirtschaft auswirken würde. Entweder sind die Ziele, die man hier immer wieder gerne formuliert, ernsthaft gemeint, dann sollte man aber wirklich bei den großen Unternehmen anfangen oder man spricht auch hier wieder einfach nur von Heuchelei. Natürlich muss man bei der Politik der letzten Monate eher von Letzterem ausgehen, gerade auch weil eher der Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in Erscheinung tritt, als der Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU). Auch diese Entwicklung spricht wieder eine klare Sprache, die jedem Bürger eigentlich Sorge machen sollte, denn es zeigt wieder einmal sehr schön auf für wen in diesem Land Politik gemacht wird und am Ende des Tages steht auch hier wieder nur eine Minderheit, eine gewisse kleine Clique einer vermeintlichen Elite ganz vorne und der Rest soll wieder die Zeche zahlen.

Wenn die Bundesregierung nicht in der Lage ist oder nicht den Willen besitzt sich hier für die Bürger einzusetzen, muss man sich fragen, ob diese Regierung eigentlich noch von der Masse der Bevölkerung getragen wird. Was sich hier vom Verbraucherschutzministerium über das Umweltministerium bis zum Wirtschaftsministerium in den letzten Wochen und Monaten abgespielt hat, ist an Dilettantismus kaum noch zu überbieten und es fällt manch einem immer schwerer noch zu glauben, dass es wirklich die Unfähigkeit der Politik ist, was schon schlimm genug wäre, sondern viel mehr der Wille dort fehlt. Denn die Unfähigkeit erstreckt sich doch meist immer nur in eine Richtung, während die Bürger mit immer mehr Auflagen belastet werden und hier sei zum Beispiel auch wieder der Bereich der Kontrollen im Bereich von Restaurants oder ähnlichem erwähnt, wo man erstaunlich genau und bis ins Detail prüfen kann, fehlt so etwas im Bereich der Wirtschaft scheinbar in weiten Teilen. Ein solcher Ehrgeiz der Verantwortlichen ist zum Beispiel im Fall von E10 oder ähnlichem nicht wirklich zu finden. Leider ist davon auszugehen, dass auch ein solcher Skandal, wie zuvor der Dioxinskandal, ohne nachhaltige Konsequenzen, gerade auch im Bereich der politisch Verantwortlichen, bald wieder aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden sein wird und man sich dann wohl wieder vermeintlich wichtigeren Aufgaben, wie zum Beispiel der Doktorarbeit eines zu Guttenbergs (CSU), widmet.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Helwig Mohrmann // 29. Mrz 2011 at 12:28

    Im Rückblick betrachtet, war die Abwrackprämie keine so schlechte Idee. Es wurde ja seinerzeit befürchtet, dass die Absatzzahlen in den Jahren danach einbrechen würden. Das hat sich Dank der sehr guten Absatzzahlen in den USA und vor allem China nicht bewahrheitet. Deutschland ist für die deutschen Autobauer auch nicht länger der wichtigste Umschlagplatz. Alle erwarten sich von Asien eine neue Blütezeit.

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