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Die Wahrheit des Wortes

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Deutschland in der Rezession

14. Oktober 2008

So eben gaben die führenden deutschen Wirtschaftsforschungs-institute in Berlin ihre Pressekonferenz zu ihrem Herbstgutachten. Wie so oft in den ganzen letzten Tagen und Wochen, gab es somit auch heute wieder ein weiteres interessantes Kapitel in dem Wirtschaftskrimi, in dem wir uns alle befinden. Nimmt man die Inhalte dieser Pressekonferenz zusammen mit den Statements zum Rettungspaket der deutschen Wirtschaft von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), wird einem auch wieder sehr schnell klar, wer in diesem Krimi das Opfer ist. Es ist kaum noch eine Überraschung aber das Opfer ist Mal wieder der Bürger und Steuerzahler.

Die Wirtschaftsfrösche

Wenn man sich ein Mal die Wetterberichte anschaut, die uns täglich von verschiedenen Wetterfröschen geliefert werden, fällt einem vor allem auf, dass sie die Vergangenheit sehr gut aufzeigen und bewerten können. Allerdings wenn es um die Zukunft geht, sieht es oft ganz anders aus. Versagt die Prognose dann völlig, gibt es zwei gängige Verhaltensmuster, wie die Betroffenen darauf reagieren. Zum einen waren es die anderen, die die Fehler gemacht haben oder es war einfach etwas unvorhersehbares, was zu den Fehlern führte. Diese Fakten konnte man gerade auch sehr schön in Deutschland, in diesem Jahr im Kontext zum angekündigten Jahrhundertsommer verfolgen. Da liegt es auf der Hand, bei der heute vor die Presse getretenen Wirtschaftselite eben nicht von Wetterfröschen, sondern von Wirtschaftsfröschen zu sprechen. Denn im Bereich der Prognosen verhält es sich sehr ähnlich.

Nachdem man nun die Prognosen aus dem Frühjahr massiv nach unten korrigieren musste, kann man annehmen, dass die Finanzmarktkrise vor einem halben Jahr übersehen wurde bzw. in ihrer Stärke völlig falsch eingeschätzt wurde. Genau hier liegt die Gefahr, denn viele Menschen verlassen sich auf diese Prognosen. Der problematische Unterschied zwischen einem Wetterfrosch und einem Wirtschaftsfrosch ist, liegt die Wetterprognose daneben, wird man nur nass, liegen allerdings Wirtschaftsexperten daneben, kostet einen dies ggf. den Arbeitsplatz und oder das Vermögen. In diesem Kontext muss man sich natürlich auch vor Augen halten, wie interessant man als Bürger in diesem Land noch ist. Denn es scheint doch immer mehr der Fall zu sein, als sei man nur noch Humankapital und nicht mehr. Eine sich immer mehr verstärkende Entwicklung, die vor allem ethisch und moralisch mehr als bedenklich ist.

Die Konzerne kassieren und der Bürger geht leer aus

Ein Beispiel, die Bundesregierung spielt die Krise auch weiterhin runter. Selbst die gerade behandelten Experten tun sich schwer damit, die Krise zu benennen. Man redet von Abschwung, von Abkühlung, ja sogar hier und da von einer leichten Rezession. Fakt ist, wir stecken je nach Model schon mittendrin in der Rezession und sollte sich gerade auch weltwirtschaftlich nicht bald nachhaltig etwas verändern, wird es auch noch wesentlich gravierender. Dem Bürger wird aber eine positive Welt vorgegaukelt, damit er auch schön weiter die Systeme stützt. Noch viel schlimmer ist, dass die Bundesregierung dem Bürger nur ein politisches Signal zur Sicherung seiner Gelder gab. Faktisch, also juristisch betrachtet, etwas völlig wertloses. Der Finanzsektor wiederum bekommt seine Gelder oder Optionen darauf gesetzlich verbrieft und hat somit einen juristischen Anspruch. Dies hat mit Bürgernähe nichts zu tun, sondern stellt einen reinen Schmusekurs zur Wirtschaft dar. Der Siegeszug des Turbokapitalismus scheint trotz der Krise ungebrochen weiter zu gehen.

Aber all diese Maßnahmen gibt es nur um den Bürger zu schützen, um es ihm leichter zu machen, auch dieses Märchen wird uns täglich verkauft. Auch hier ist es sehr spannend einen Blick auf die Fakten zu werfen. Gestern verkündete der Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) auch voller Freude, dass die Arbeitnehmer auch massiv entlastet würden, in dem die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gesenkt würden. Was er nicht erwähnte ist, dass seine Kollegin, Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), Stück für Stück die Krankenkassenbeiträge ins uferlose treibt und man damit am Ende des Tages festhalten darf, dass es hier keine Entlastung für die Arbeitnehmer geben wird. Viel mehr stellt es sich durch den Gesundheitsfonds nun so dar, dass die Arbeitnehmer mögliche Mehrbeiträge alleine schultern müssen und sich diese nicht, wie bisher immer üblich, mit ihrem Arbeitgeber teilen. Auch dies kann man wohl kaum als Entgegenkommen für den Bürger werten. Mit Spannung darf man nun abwarten welche große Bank, nach der Verabschiedung des Finanznotfallplans, als erstes die Taschen aufhält. Denn wie gesagt, hier bestehen klare Ansprüche.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Angelika M. Wohofsky // 15. Okt 2008 at 14:46

    Zum Runterspielen der Krise hier eine Info, erschienen bei APA (Austria Presseagentur) heute, den 15.10.2008

    “Bankaktien zählten in dem wieder unsichereren Marktumfeld zu den größten Verlierern. Minenwerte notierten ebenfalls am unteren Ende der Kursliste. Sie litten unter sinkenden Kupferpreisen und einer Meldung von Rio Tinto, wonach der Rohstoffkonzern mit einem Abflauen der Nachfrage aus China rechnet.

    Die Meldung, wonach sich die USA nach Einschätzung der Fed in San Francisco bereits in einer Rezession befinden, trug sicherlich auch zur Unsicherheit auf den Märkten bei. Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel rechnet für ihr Land nicht mit einer Rezession. Die Angst vor einer Verschärfung der Weltwirtschaftskrise lässt die Nachfrage nach Staatsanleihen steigen, da diese als relativ sicher gelten.”

    Schon spannend, dass jetzt das Wort “Weltwirtschaftskrise” in den Mund genommen wird und man mit dem Begriff “Rezession” so umgeht wie mit “Weltwirtschaftskrise” vor wenigen Wochen: Nein, Rezession habe man keine, so ernst ist es (noch) nicht. Zwischen den Zeilen gelesen bedeutet das: JA, wir haben auch eine Rezession. Wie ich darauf komme? Ganz einfach, weil das Wörtchen “nicht” vom Gehirn nicht wahrgenommen wird.

    Fakt ist, wir alle sind in einer Weltwirtschaftskrise, und eine logische Konsequenz daraus ist die Rezession. Das ist eine Milchmädchenrechnung. Und in den Mittagsnachrichten des ORF-Teletext stand, dass wir mit einer Teuerung in Österreich von 3,7 % weiter rechnen werden müssen, und das Wirtschaftswachstum für kommendes Jahr jedoch nur 0,6 % ausmachen wird – glückliches Österreich, denn in Deutschland wächst die Wirtschaft 2009 nur um prognostizierte 0,2 %. Also ist doch eine Rezession im Anmarsch. Und die todernsten Gesichter der österreichischen Wirtschaftsexperten bei den TV-Diskussionen geben mir mehr zu denken als Aussagen optimischer PolitikerInnen. Bei denen stirbt anscheinend die Hoffnung zuletzt, denn die Weltwirtschaftskrise “verschärft” sich ja jetzt – wann hat sie eigentlich begonnen?

    AMW

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