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Die Wahrheit des Wortes

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Deutschland beweg dich

15. September 2009

Es scheint als würde die Qualität der Gewalt im Land neue Höhen erreichen. Am Wochenende kam es erneut zu schwersten Ausschreitungen in Hamburg. In München schlugen Jugendliche abermals einen Passanten tot und all dies überrascht kaum noch. In diesem Land herrscht Stillstand und dies gilt politisch, wie auch wirtschaftlich und gewisse Menschen scheinen dies auch so zu wollen, ohne über die gesellschaftlichen Auswirkungen nachzudenken. So steigt auf der anderen Seite die Unzufriedenheit in der Bevölkerung, auch dies zeigte sich am Wochenende ganz eindeutig. Die große demokratische Chance, die die Wahlen Ende des Monats bieten, wurden leider im Vorfeld noch nicht als Chance genutzt. Die Parteien hatten lange Zeit sich klar zu positionieren, leider wurde auch diese Chance kaum genutzt. Die Wirtschaft hatte die Chance aus der Krise zu lernen aber auch hier nutzte man die Chance nicht. Nun scheint mehr und mehr eine gesellschaftliche Antwort auf all die Probleme ans Tageslicht zu kommen und die ist durchaus nicht nur positiv zu bewerten.

Frust bedeutet irgendwann auch Gewalt

In weiten Teilen der Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland macht sich Frustration breit. Dies ist auch nicht verwunderlich, meinen doch 52 Prozent es ginge ungerecht in diesem Land zu. Viele Bürger sind nicht mehr bereit es wortlos hinzunehmen, dass sich dieser Staat immer mehr in Richtung eines Überwachungsstaates entwickelt. So gingen am Wochenende über 10.000 Menschen in Berlin auf die Strasse und stellten zum Beispiel die Frage `Wer überwacht eigentlich Schäuble?`. Es ist schön zu sehen, dass Menschen diese Form der Demokratie nutzen und für die Meinungsfreiheit und gegen die totale Überwachung kämpfen. Denn natürlich muss man hinterfragen, wieso in großen Teilen der Wirtschaft immer mehr Überwachung von Arbeitnehmern an der Tagesordnung ist und auch die Überwachung von Seiten des Staates immer größer wird. Auf der anderen Seite kann sich aber eine Weltwirtschaftskrise völlig unkontrolliert ausbreiten. Auch an diesem Beispiel sieht man sehr schön, dass auch im Bundesinnenministerium, also im Hause von Wolfgang Schäuble (CDU), scheinbar einiges falsch läuft. Man wäre in der Politik, wie aber auch in der Wirtschaft, gut beraten besser auf die Stimme des Volkes zu hören. Denn so lange die vermeintlichen Eliten und Experten in diesem Land die breite Masse ignorieren, wird sich auch deren Frust immer mehr aufbauen.

Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass Frustration in manchen Fällen eben auch zu Gewalt führen kann. Desto mehr man nun den Anteil an frustrierten Personen in einer Gesellschaft erhöht, desto höher ist natürlich auch das Gewaltpotenzial. Am vergangen Wochenende wurde dies auch wieder im München deutlich, wo ein unschuldiger Passant von Heranwachsenden einfach so zu Tode geprügelt wurde. Ein noch direkteren Zusammenhang konnte man am Wochenende in Hamburg sehen, wo die Ausschreitungen im Schanzenviertel so schwer waren, dass die Einsatzkräfte von 1.400 auf 2.000 erhöht werden mussten und sogar Warnschüsse fielen. Im Rahmen der eben angesprochenen Demonstration in Berlin tauchte jetzt ein Video auf, auf der mutmaßliche Polizeigewalt zu sehen ist. Auch an dieser Stelle bewegt sich etwas im Land und man sollte sich überlegen, ob es nicht an der Zeit ist dagegen zu steuern. Die Lösung solcher Probleme liegt allerdings nicht in immer größeren Polizeiaufgeboten und immer härteren Strafen, sondern darin, die Frustration in der Gesellschaft abzubauen. Wenn der Staat aber nun immer mehr eine kleine Elite unterstützt, die die Bevölkerung in weiten Teilen ausnutzen, ist dies einfach nur kontraproduktiv. Natürlich frustriert es die Bevölkerung, wenn es immer weniger Lohn und immer weniger Soziales gibt, während die Topgehälter und Bonifikationen trotz massiver Fehler steil nach oben gehen bzw. auf höchstem Niveau stagnieren.

Entsolidarisierung bei Opel

Immer mehr Steuergelder fließen in Unternehmen ab, die von Menschen geleitet werden, die scheinbar nicht wirklich etwas von ihrem Job verstehen. Dieser Trend zeichnet sich übrigens scheinbar auch in der Politik ab. Die großen Medien sind mittlerweile über Werbeeinnahmen und ähnliches so eng mit dem gesamten System verknüpft, dass es auch hier oftmals an breiter Kritik fehlt. Trotzdem zeigt sich, desto näher der Wahltermin zu den Bundestagswahlen rückt, desto mehr Wahrheiten kommen in diesem Land ans Licht. Ein Beispiel ist zum Beispiel die Katastrophe bei Opel, wo die Zahl derer, die wohl ihren Job verlieren werden, nun stetig ansteigt. Die Erklärungsversuche eines Bundeswirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) werden da auch nicht helfen, der Frust wächst auch hier. Natürlich funktioniert gerade auch bei Opel das Prinzip der Entsolidarisierung noch recht gut aber es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange noch. Man spielt deutsche Arbeitsplätze ganz bewusst gegen andere in Europa aus. An dieser Stelle ist dann nicht mehr viel von dem einen gemeinsamen Europa zu spüren. In der Europäischen Union (EU) denkt man plötzlich doch wieder sehr national. Eine Entwicklung die im übrigen die Frage aufwirft, ab wann man den europäischen Gedanken wirklich als gescheitert ansehen muss. Wie schlecht das Image der EU in der Gesellschaft ist, zeigte sich zu letzt bei den Europawahlen sehr eindeutig. Aber das Mittel der Entsolidarisierung ist nicht nur ein Problem im europäischen Kontext.

Auch in Deutschland selbst wird scheinbar daraufgebaut, dass möglichst viele Menschen um ihre Arbeitsplätze bangen und somit nicht auffallen wollen. Mit diesem Mittel sinkt eben auch der solidarische Kampf gegen Stellenabbau. Große Bewegungen, wie man sie aus Zeiten des Untergangs der Schwerindustrie im Ruhrgebiet kennt, gibt es nicht mehr, da jeder erst einmal auf sein eigenes Wohl fixiert ist. Somit hat man natürlich von Seiten der Wirtschaft, aber auch von Seiten der Politik her, erst einmal einen riesigen Vorteil. Allerdings scheint man den beschriebenen Frustrationsanteil nicht berücksichtigt zu haben. Hier liegt aber genau das Problem, denn wenn die Protestkultur weiterhin so zerstört wird, wenn Angst weiterhin so eingesetzt wird wie im Moment, wird sich in Deutschland kaum etwas bewegen, wie man es am Wochenende auf der Demonstration in Berlin erleben dürfte. Stattdessen wird sich immer mehr eine Bewegung, eine Entwicklung zeigen, wie man sie am Wochenende in Hamburg und München erleben konnte. Diese Art Bewegung kann allerdings weder im Interesse der Politik, noch im Interesse der Wirtschaft oder gar der Gesellschaft sein. Deutschland muss sich noch viel mehr demokratisch bewegen, wie es in Berlin der Fall war. So lange von Seiten der Politik und der Wirtschaft weiterhin versucht wird, die Massen mit leeren Versprechungen, Wortbrüchen und Lügen zu betrügen, ist es sehr wichtig dem mit einem hohen Maß an Solidarität zu begegnen, denn nur so kann man Deutschland wieder auf einen guten Weg bringen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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