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Die Wahrheit des Wortes

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Deutschland 2011 – Das große Fest

3. März 2011

11.11 Uhr ist es soweit und in weiten Teilen Deutschlands beginnt wieder das jecke bzw. närrische Treiben. Der Frohsinn kennt keine Grenze mehr, was ganz am Rande auch für den Konsum von Alkohol, Drogen und Sex gilt. Das ist Leben. Das ist ein Fest. Deutschland feiert Karneval. Brauchtum und Sinn des Ganzen rücken dabei Jahr für Jahr immer mehr in den Hintergrund aber auch dies ist nur ein gutes Spiegelbild dieser Gesellschaft in der sich eine gewissen Sinnentleerung immer mehr verbreitet. Niemand darf in einer solchen Situation, in einer solchen Gesellschaft erstaunt sein, dass die Opfer solcher Feste, die Schnapsleichen immer jünger werden, denn sie folgen nur ihren Vorbildern und auch dies sagt natürlich nichts Gutes über unsere Gesellschaft aus. Auch in diesem Jahr gibt es wieder unzählige Aktionen gegen Alkoholmissbrauch, gegen Drogen und auch in diesem Jahr darf man davon ausgehen, dass all dies nicht wirklich etwas an der Situation ändert, da einmal mehr wieder nur die Symptome behandelt werden und man sich nicht um den wirklichen Kern des Problems kümmert. Politik, Medien, Gewerkschaften und Kirchen alle haben hier versagt und sich ihrer Verantwortung entzogen, auch das stellt man in diesem Jahr wieder fest.

Wenn die Politik feiert
Es ist wieder ein Jahr mit sehr vielen Wahlen, manch einer in den etablierten Massenmedien spricht auch schon wieder von einem Superwahljahr 2011 aber was bedeuten Wahlen eigentlich in diesem Staat noch? Wahlen bedeuten vor allem, dass die Protagonisten, die es seit Jahren, um nicht zu sagen Jahrzehnten nicht schaffen dieses Land vernünftig im Sinne der Menschen zu regieren, sich selber feiern und Gründe gibt es irgendwie immer. Bestes Beispiel war zuletzt noch die Wahl zur Hamburger Bürgerschaft. Für die einen war Hamburg alles bedeutend, auch mit Blick auf den Rest der Republik und für die anderen war es ein rein auf die Stadt bezogenes Ergebnis, welches keinerlei bundespolitische Bedeutung hatte. Eben immer, wie es gerade passt. Man merkt an diesem Beispiel auch sehr schön, dass es in diesem Land an wirklicher politischer Vielfalt, wie man sie von einer ausgewogenen Demokratie erwarten sollte, fehlt. Denn am Ende des Tages gibt es hier nur zwei Lager, die Unionsparteien und die SPD. Alles andere ist schmückendes Beiwerk, welches hier und da kleine Impulse setzt, wenn es einmal richtig gut läuft aber in der Regel doch die Aufgabe hat Mehrheiten zu schaffen. Nun ist es aber auch so, dass sich diese beiden Lager, von denen man hier spricht, inhaltlich, konzeptionell eigentlich kaum noch von einander unterscheiden und damit ist man verdammt nahe an einem Einparteiensystem, welches so gar nicht für eine Demokratie spricht.

Aber dieser Staat, diese Gesellschaft definiert sich glücklicherweise nicht nur über die Politik, es gibt am Ende des Tages auch noch wichtige andere gesellschaftliche Bereiche, die das Leben hier ausmachen. So zum Beispiel die Religionen, was in Deutschland noch in aller erster Linie bedeutet, die Kirchen. Auch ihnen spricht man wichtige gesellschaftliche Aufgaben zu und finanziert sie deshalb auch unter anderem über Kirchensteuern. Hier bei ist es aber auch wieder wie mit der Politik, dem Staat, denn auch dieser zieht für alles mögliche Steuern ein und leistet dafür immer weniger. Zwei harte Winter in Folge und man hat in ganz Deutschland Straßenverhältnisse, wie damals kurz nach der Wende in Ostdeutschland, da kommen Frage auf. Im Kontext der Kirchen, fragt man sich auch so einiges, vor allem aber mehr und mehr, welche Bedeutung sie eigentlich noch haben, gerade  auch wenn sie immer mehr in Skandalen von Kindesmissbrauch bis hin zu merkwürdig angesparten Geheimgeldern aufgehen und sich im Gegenzug mit dem positiven Einwirken auf die Gesellschaft doch sehr zurückhalten, um es einmal vorsichtig zu formulieren. Immer mehr Arbeit, für immer weniger Geld, steigende Armut, die Spaltung der Gesellschaft, man kann nicht gerade behaupten, dass es an Themen mangeln würde mit denen man sich auf Seiten der Kirchen wirklich beschäftigen könnte, wenn man etwas Gutes für diese Gesellschaft tun wollte aber man tut es eben nicht im Ansatz in einem ausreichenden Maß.

Wenn die Wirtschaft feiert
Ganz wichtig, um nicht zu sagen scheinbar das aller, aller Wichtigste in diesem Staat ist die Wirtschaft und die hat in diesen Tagen wieder wirklich einiges zu feiern, denn man hat erst jüngst festgestellt, dass man seine völlige Inkompetenz im Notfall auch noch von den Bürgern durch ihre Steuergelder ausfinanziert bekommt. Deutschland ist ein Wunderland für all die, die scheinbar nicht wirklich in der Lage sind Unternehmen so zu führen, dass am Ende des Tages alle davon profitieren. Arbeit gibt es in diesem Land glücklicherweise ohne Ende, so spricht man auch von steigenden Beschäftigungsquoten und feiert damit sowohl die Wirtschaft, wie auch die Politik die all dies möglich gemacht hat. Was man dabei gerne übersieht, ist dass immer mehr Mensch von der vorhandenen Arbeit gar nicht mehr menschenwürdig leben können und damit die Rentabilität nur noch auf einer Seite stimmt. In einem Staat, der sich fälschlicherweise noch immer Sozialstaat nennt, sollte aber auch das genannte Problem im Notfall keines sein, ist es allerdings doch im zunehmenden Maß, da die Kassen leer sind, da man sich politisch dazu entschieden hat, doch lieber die Wirtschaft und das System des globalisierten Raubtierkapitalismus zu unterstützen, als die eigenen Bürger, Steuerzahler und letztendlich Wähler. Aber auch hier gibt es in einem System, wie diesem, ausgleichende Gegengewichte, sollte man zu mindestens meinen, die Rede ist von den Gewerkschaften aber hier verhält es sich ähnlich, wie bei den Kirchen.

Auch im Bereich der Gewerkschaften sucht man vergeblich nach wirklich nachhaltigen Impulsen für eine fairere Gesellschaft. Man droht abwechselnd mit einem heißen Herbst und einem heißen Frühling, um am Ende des Tages zu beweisen, dass all dies nichts als leere Worthülsen sind und man so im Gesamtsystem verwoben ist, dass man auch scheinbar gar nicht mehr gewillt ist im Sinne der Arbeitnehmer und Angestellten zu agieren. All die gerade geschilderten Sachverhalte werden dann auch noch hervorragend unter den Teppich gekehrt, denn die etablierten Massenmedien, die jeder durch den Konsum von Werbung und der verpflichtenden Abgabe von GEZ-Gebühren auch noch mitfinanziert, zeigen meist ein ganz anderes Bild dieses maroden Staates. Das zynische ist, dass man auf dem gerade genannten Wegen all diese Desinformationen auch noch selbst finanziert, da man in der Regel, warum auch immer, verpflichtet ist zum Beispiel GEZ-Gebühren zu zahlen. Auch hier ist es natürlich spannend zu sehen, wer hinter alldem steckt und man ist kaum irritiert, dass es abermals der Staat oder eben die Wirtschaft ist. Somit bleibt am Ende des Tages eine Politik, die mittlerweile scheinbar nur noch Ausführungsgehilfe der Wirtschaft ist und weder durch Kirchen, Gewerkschaften oder Medien ein ausreichendes Gegengewicht hätte. Was all dies mit einer Demokratie und Freiheit zu tun hat, mag verstehen wer will. In diesem Sinne hoch die Tassen, ordentlich betäuben und hoffen, dass am Aschermittwoch alles vorbei ist.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Wirtschaft

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