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Die Wahrheit des Wortes

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Deutsch in schlechter Verfassung

3. Dezember 2008

Nicht das man auch in Deutschland vollumfänglich in der Weltwirtschaftskrise verhaftet ist, nicht das hier die Persönlichkeit von jedem Bundesbürger beschnitten werden soll, tun sich nun noch ganz neue Themen im politischen Deutschland auf. Auf dem 22. Parteitag der CDU in Stuttgart wurde mit großer Mehrheit beschlossen, die deutsche Sprache mit in die Verfassung aufzunehmen. Natürlich gibt es noch weitere Pläne, die die Verfassung in diesem Land betreffen, so wird zum Beispiel diskutiert, ob man den Schutz von Kindern und den Sport mit aufnehmen sollte. Aber mit all dem wird von vielen wirklich wichtigen Themen in diesem Kontext abgelenkt. Der Wunsch die Sprache in die Verfassung aufzunehmen, darf durchaus als konservativ eingestuft werden aber er schütz natürlich auch ein hohes Kulturgut, was ein allgemeingültiges Anliegen sein sollte.

Schutz der Identität

Das Sommermärchen in Deutschland ist schon lange ausgeträumt, dass ganz offensichtlich nicht viel von diesem Traum haften geblieben ist, zeigt auch die Empörung, die an manchen Stellen aufkommt, wenn man die Landessprache in der Verfassung verankern möchte. Alle waren so froh im Rahmen der Fußball-WM in Deutschland wieder einen gewissen Patriotismus zeigen zu können, man musste sich nicht mehr schämen Flagge zu zeigen und jetzt regt man sich wieder über patriotische Gedankenspiele auf. In einer Zeit, in der Veränderungen mehr den Alltag prägen, als es früher der Fall war, sollte man darüber nachdenken, ob der Schutz gewisser Güter nicht etwas sehr wichtiges ist und somit durchaus auch in der Verfassung verankert werden sollte. Sprache ist ein Identifikationsmerkmal und ein Staat sollte seine Identifikation niemals verlieren.

Spannend ist zu beobachten, dass Proteste, laut Medienberichten, gerade auch aus der türkischen Gemeinde kommen sollen. Dazu muss man festhalten, dass es auch in der türkischen Verfassung klare Richtlinien betreffend der Sprache im Land gibt. Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan rief sogar in Deutschland selbst, im Rahmen seiner umstrittenen Rede zur Brandkatastrophe von Ludwigshafen, dazu auf, dass sich die türkische Gemeinde ihre Identität bewahren sollte. In einem solchen Kontext kann man sehr schön feststellen, dass hier definitiv mit zweierlei Maß gemessen wird. Es geht nicht darum, dass eine gewisse kulturelle Mixtur diesem Land sehr gut tut, es geht nur einfach darum über all dies nicht die Wurzeln dieses Landes zu vergessen oder sie gar dem Untergang zum Fraß vorzuwerfen.

Verfassungsschutz

Man bekommt in Deutschland an den verschiedensten Stellen das Gefühl, dass die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, wo es nur geht aufgeweicht wird oder so interpretiert wird, dass Fakten die man eigentlich als verfassungswidrig einstufen sollte, plötzlich verfassungskonform sind. Die Verfassung soll den Staat aber vor allem auch die Rechte der Bürger schützen, oft genug wird dies nicht berücksichtigt. Die Proteststürme die an solchen Stellen entstehen, sind im Vergleich zur jetzigen Aufregung im Kontext die Landessprache in der Verfassung zu verankern, durchaus als gering einzustufen. Jeder Bürger in diesem Land sollte sich ein Mal überlegen, was ihn persönlich mehr betrifft, die Verankerung eines Kulturgutes in der Verfassung, die keine direkten Auswirkungen auf das alltägliche Leben hat oder die Beschneidung der persönlichen Freiheit.

Bei diesem Vorschlag zur Änderungen der Verfassung geht es nicht darum andere Sprachen zu diskriminieren oder auszugrenzen. Und man muss wohl auch faktisch festhalten, dass die deutsche Sprache in diesem Land so oder so Amtssprache ist und bleibt, dies stellt auch niemand in Frage. Man stellt bei dieser Sachlage sehr schnell fest, dass es sich hier ganz offensichtlich um eine Inszenierung handelt, losgetreten von der Partei, die mit Wolfgang Schäuble (CDU) den Bundesinnenminister in diesem Staat stellt, der scheinbar in Deutschland nur noch das Ziel verfolgt einen Überwachungsstaat zu errichten und genau hier von soll wohl abgelenkt werden. Es gibt wichtige Fakten im Kontext zur Verfassung über die es sich lohnen würde zu streiten, die Aufnahme der Sprache zählt wohl kaum dazu und sollte eher als selbstverständlich hingenommen werden, wie es in vielen anderen Staaten in Europa und dem Rest der Welt auch der Fall ist.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Kultur · Politik

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