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Die Wahrheit des Wortes

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Desertec – Ein Jahr Energie der Zukunft

12. Juli 2010

Morgen genau vor einem Jahr startete Desertec, eine Initiative bei der Wüstenstrom gewonnen werden soll. Es war im letzten Jahr eine der Großereignis im Bereich der erneuerbaren Energien. Aber wie es so oft auf diesem Sektor der Fall ist, verschwindet so etwas auch wieder schnell aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit. Manche Ideen tauchen irgendwann wieder auf, andere versinken gänzlich in der Unendlichkeit der Medienlandschaft. Man wollte bei diesem Projekt in der Sahara riesige Mengen an Solarstrom erzeugen, eine Menge die ausreichen sollte damit irgendwann einmal ganz Europa zu versorgen. Eine weitere verlockende Idee am heiß umkämpften Energiemarkt. Nun ein Jahr später sieht man mit BP und der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko natürlich auch ganz andere Zeichen dieses Kampfes, die man nicht unterschätzen sollte.

Energieversorger als Gutmenschen?
Man darf sich nichts vormachen, die meisten Konzerne die mit Energie zu tun haben, tun dies aus dem Hauptgrund den das raubtierkapitalistische System vorsieht, sie wollen ihre Gewinne maximieren und dies um jeden Preis. Eine gewisse Art der Gewinnmaximierung ist auch gar nicht zu verteufeln, so lange man sich daran hält, zum Beispiel die Spielregeln der sozialen Marktwirtschaft einzuhalten aber davon ist man im Moment in vielen Fällen sehr weit entfernt. Vor gut einem Jahr trafen sich unter anderem Vertreter von Siemens, der Deutschen Bank, E.ON, RWE, ABB, aber auch von Schott Solar um ein riesiges  neues Energieprojekt auf den Weg zu bringen, eben Desertec. Allein bei den hier gelisteten Protagonisten, darf man wohl eine gewisse Gewinnsucht voraussetzen und die negativen Seiten dieser Sucht sind nicht zu unterschätzen, wie man aktuell im Golf von Mexiko sieht.

Natürlich kann man das Gefahrenpotenzial von klassischen Energieträgern, wie zum Beispiel Öl und denen aus dem Bereich der erneuerbaren Energie nicht direkt vergleichen aber es geht auch viel mehr um das Gedankengut der Betreiber dahinter. Im Fall BP im Golf von Mexiko hat es den Anschein, als sei unendlich viel Kapital in alles mögliche geflossen, nur nicht in Pläne solche Katastrophen, wie die aktuelle Ölpest, zu vermeiden oder zu mindestens die Folgen ausreichend bekämpfen zu können. Diese Denkweise ist es vor allem die aktuell zu so großen Problemen führt. Auch die Techniken der Zukunft werden, wenn wohl auch auf ganz anderen Ebenen, wieder Risiken mit sich bringen und man sollte hoffen, dass man auf diese dann besser vorbereitet ist. Vom Denken einmal ganz abgesehen, spielen hier natürlich auch die Kosten immer wieder eine große Rolle, denn der Einsatz für die Umwelt, für die Menschheit kostet in aller erster Linie erst einmal Kapital und dies schmälert dann natürlich die Gewinne.

Wo ist Nachhaltigkeit gefragt?
Die Welt scheint sich ganz allgemein in eine Richtung zu entwickeln in der nicht nur Ethik und Moral kaum noch eine Rolle spielen, sondern auch so etwas wie Nachhaltigkeit nicht mehr gefragt ist. Genau dies spricht dann natürlich auch nicht gerade für ein Umdenken wieder in Richtung von Naturschutz oder ähnlichem. Man fragt sich aktuell scheinbar viel mehr, wie man mit dem geringsten Kapitaleinsatz in der kürzesten Zeit am meisten Gewinne machen kann und da nimmt man dann offensichtlich auch so Katastrophen, wie die mehrfach angesprochene im Golf von Mexiko in Kauf. Die Risiken sind natürlich bei Desertec zum Beispiel noch einmal ganz anders gelagert, hier ist man zum Beispiel besorgt, solche nicht gerade preiswerten Anlagen in Gebieten zu bauen, die politisch gesehen nicht gerade zu den stabilsten und sichersten gehören. Auf der andern Seite muss man es auch ganz klar so sehen, dass einige der in diesem Artikel genannten Großunternehmen relativ wenig zu befürchten haben, womit wir beim Thema der Systemrelevanz wären.

Nimmt man einfach einmal an, ein Projekt, wie zum Beispiel Desertec, würde zu einer recht weit fortgeschrittenen Phase doch noch scheitern und somit zu massiven Verlusten der beteiligten Unternehmen führen, würde auch dies wohl kaum jemanden interessieren. Viele der Firmen bei solchen Projekten darf man wohl durchaus als systemrelevant einstufen und dies bedeutet im schlimmsten Fall haftet wieder einmal der Bürger. Man braucht sich nur einmal heutige Fehlentscheidungen oder Fehlplanungen der so genannten `Big Player` anschauen und beobachten was aus den Konzernen, den Entscheidungsträgern etc. wird und stellt schnell fest wer das Risiko trägt. Es sind nicht die vermeintlichen Eliten, es ist arbeitende Bevölkerung, denen man dann nachdem die Unternehmen staatlich gerettet wurden, die Gelder an anderer Stelle kürzt und genau an dieser Stelle schließt sich dann der Kreis von heutigen Großprojekten zur aktuellen Haushaltspolitik. Der Hohn ist bei alldem noch von unternehmerischen Risiko zu sprechen, denn das ist nun wirklich nicht erkennbar. Ganz im Gegensatz zu all den anderen Risiken die man klar erkennen kann aber lieber ignoriert.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 3 Kommentare ↓

  • 1 Martina Jäger // 12. Jul 2010 at 15:37

    seit fast einem jahr verfolge ich das projekt “desertec” mit interesse.
    vor allem die website versteht sich gut zu präsentieren.
    dennoch scheint mir das globale energie-und wirtschftssystem ohne banken und konzerne nicht zu funktionieren
    jedoch bitte nicht zu diesen bedingungen,
    die bestehen
    und von denen nur einige profitieren.

    taten sehen anders aus, liebe desertecler.
    vergesst nicht die menschen dort
    die länder, die davon leben müssen, damit das ungleichgewicht nicht ins bodenlose geht.
    ihr kennt die konsequenzen genau.
    erneuerbare ernergie ist ein kapital ohnes gleichen.
    geht sorgsammit dem thema um.
    liebe desertecler… wie wollt ihr das vertrauen aufbauen?
    ich würde es mir so wünschen.

    http://www.desertec.org/de/

    und natürlich sollte nie die gesamte energiegewinnen und den händen einzelner länder, kozerne und banken liegen…
    demokratisierung der energiegewinnung ist gefragt

    hierbei noch mal eine erinnerung über erneuerbare energien….

    http://kunstforum.ning.com/profiles/blogs/die-4-revolution-energy

  • 2 Dr.Gerhard Hofmann // 26. Sep 2010 at 08:44

    Gleich vorweg: Der Autor dieser Zeilen ist gelernter Journalist und heute Senior Advisor bei der Dii GmbH (vormals „Desertec Industries“). Hier kommt deshalb ein Plädoyer für die Wüstenstrom-Vision.
    Früher war es guter Brauch, einen Text vor der Veröffentlichung gegenlesen zu lassen. Das hätte auch diesem Artikel (und dem nachfolgenden Kommentar) gut getan. Artikel und Kommentar erfüllen so eher ein uraltes – meist scherzhaft gebrauchtes -Journalistikkriterium: meinungsstark aber informationsschwach – anders formuliert: Wozu recherchiere ich mir mein Vorurteil kaputt? (Einmal ganz abgesehen von den vielen Orthografie-, Grammatik- und Interpunktions-Fehlern, die den Lesespass verderben.
    1.: “verschwindet so etwas auch wieder schnell aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit” – nichts verschwindet: Desertec hat bei Forestle 538.000 Fundstellen, bei Google 210.000, bei Google News 183. Wir bekommen ständig Medienanfragen aus aller Welt.
    2.: “eine Menge die ausreichen sollte damit irgendwann einmal ganz Europa zu versorgen” – überall kann man lesen, wenn man will, das die Modellrechnung des DLR davon ausgeht, dass im Jahre 2050 gerade mal 15% des europäischen Stroms aus der Wüste kommen könnten.
    3. : “Gutmensch” ist ein Naziwort, von dessen Verwendung abzuraten ist – siehe Tom Schimmecks neues Buch “Am besten nichts Neues”.
    4.: “Eine gewisse Art der Gewinnmaximierung ist auch gar nicht zu verteufeln” und “darf man wohl eine gewisse Gewinnsucht voraussetzen” widersprechen einander diametral – ja, was denn nun? Dies erübrigt jeden Kommentar – der Autor möge sich bitte entscheiden!
    5.: Wenn man die Internetseite nicht nur der Stiftung (www.desertec.org), sondern auch der Dii GmbH (www.dii-eumena.com) ansieht, dann steht dort: “Our work will not be limited to individual aspects of the Desertec concept. The approach adopted in investigating power generation, transmission and sale will always be a holistic one, and will also take into account the political and social parameters and the development needs of the producer and transit countries (for example, combination with seawater desalination).” Das bedeutet, und auch Klaus Töpfer betont das immer wieder, dass die Erzeugerländer zunächst etwas davon haben müssen; sie sollen sich entwickeln können, sie sollen ein gemeinsames Netz bekommen, Knowledge Transfer, Capacity Building heißen die Stichworte, deren Wirtschaft und Landwirtschaft soll profitieren – dann erst ist an einen Stromexport nach Europa zu denken. Die Großen – bis zur Weltbank – müssen dabei sein, weil nur ein großer Maßstab die Sache überhaupt finanzierbar macht und einen Strompreis ergibt, den der Markt überhaupt aufnehmen kann. Denn auch den Erzeugerländern ist nicht gedient, wenn am Ende ein Strompreis steht, den niemand bezahlen will und kann. Also: Nicht alles, was groß ist, ist deshalb auch schon schlecht.
    „Fair schreiben“ ist etwas anderes.

  • 3 Martina Jäger // 27. Sep 2010 at 08:00

    ich kenne viele der texte und verfolge das projekt mit interesse.
    ich spreche von sorgsamkeit im umgang der zukunft des projektes.
    diese verantwortung muss realisiert werden, nicht nur auf einem text.
    sicherlich bin ich da aufgrund von erfahrungen etwas negativ beeinflusst.
    ich halte somit ein plädoyer für die achtsamkeit in allen erforderlichen schritten,
    nicht gegen das projekt an sich, denn die zukunft verlangt die zusammenarbeit.
    die vorraussetzungen dafür müssen entwickelt werden.

    kleine scherzhafte anmerkung:
    egal ob kleingeschrieben und anderen fehlern.
    wo kommen wir denn hin, wenn nur diejenigen schreiben, mit den besten deutschkenntnissen und meinen deswegen dürfen :-D

    thx für den link, g. hofmann

Schreib was dazu