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Die Wahrheit des Wortes

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Der Westen und seine verrückten Freunde

1. März 2011

Die Lage in Libyen bleibt mehr als unübersichtlich und letztendlich gilt dies für noch einen viel größeren Bereich in Nordafrika, denn in Tunesien kann man auch noch nicht wirklich von einer demokratischen, stabilen und friedlichen Lage sprechen. In Ägypten herrscht das Militär und auch dies spricht nicht gerade für Freiheit und Demokratie. Was natürlich auch weiterhin unbeantwortet bleibt, ist die große Frage nach dem tieferen Sinn hinter alldem, was sich hier gerade abspielt und so romantisch die Antwort mit dem Freiheitsbedürfnis der Menschen dort auch klingen mag, so unglaubwürdig erscheint sie im aktuellen Gesamtkontext auch. Es scheint aber auch jetzt schon festzustehen, dass man diese Antwort auch im Moment gar nicht gewillt ist zu geben, da freut man sich lieber über Fakten, wie zum Beispiel ein jüngst verhängtes Waffenembargo gegen Libyen und keiner merkt an, dass dies, wie so oft in der Geschichte, schlicht und ergreifend zu spät kommt. Muammar al-Gaddafi, der plötzlich so verrückt gewordene libysche Diktator, ist offensichtlich bis unter die Zähne bewaffnet und man weiß woher diese Waffen stammen. Natürlich ist der Zynismus, auch in den etablierten Massenmedien, kaum nur zu überbieten, mit denen nun darauf hingewiesen wird, dass all dies auch niemand wissen konnte.

Schlechte Renta eines Terroristen?
Man darf wohl festhalten, dass man, wenn man sich auch nur ein ganz kleines bisschen bemühen würde und Interesse an der Wahrheit hätte, in kürzester Zeit wüsste, dass hier eigentlich gar nichts überraschend ist. Muammar al-Gaddafi hat Terror vom schottischen Lockerbie bis in die heutige Bundeshauptstadt Berlin gebracht und unzählige Menschen töten lassen, all dies verzieh der Westen ihm, denn Gaddafi sitz auf riesigen Mengen von Öl und war immer ein guter Flüchtlingsstopper. Aber es kam der Tag an dem Gaddafi einen folgenschweren Fehler machte und dies war ein rein kaufmännischer Fehler. Er drohte im November damit seinen Verpflichtungen, die westliche Welt und hiermit vor allem Europa vor Flüchtlingen aus Afrika zu schützen, nicht mehr nachzukommen, außer man würde es ihm teuer bezahlen. Dies war wohl der Punkt, wo die Rentabilitätsrechnung für diesen Herrscher in den Augen der westlichen Welt nicht mehr aufging. Nun ist diese Person, mit der man noch vor Monaten beste Geschäfte machte, plötzlich nichts anderes mehr als ein Verrückter, den man mit allen Mitteln bekämpft. Nun kann man natürlich schlecht in ein Land einmarschieren, welches bis vor kurzem noch nicht so negativ da stand, man braucht Gründe und ein sich ausweitender Volkaufstand in der ganzen Region, ist ein gutes Mittel der Rechtfertigung an dieser Stelle und löst auch gleich noch einige andere Probleme mit.

Erst am Sonntag ließ Jürgen Trittin (Grüne) in der ARD-Talkshow `Anne Will` die Menschen wissen, wie aktiv unter anderem auch der Bundesnachrichtendienst (BND) dort war und man fragt sich, was westliche Geheimdienst dort wohl alles so getrieben haben und vielleicht auch noch immer treiben. Nun zeigt sich, dass Gaddafi ein härterer Gegner ist, als die Machthaber in Tunesien und Ägypten es waren und schon begegnet einem ein weiteres Merkmal heutiger Kriegsführungspolitik, es ist die Rede von biologischen und chemischen Waffen, die immer ein Grund sein können, irgendwo auf der Welt militärisch einzugreifen, wie man vom Irakkrieg her weiß. Man hat also ähnliche Szenarien wie noch unter George W. Bush und es ist spannend, wie Barack Obama all dies nun zu lösen gedenkt. Da macht es auch Sinn, dass er erst einmal das tut, was er am besten kann, dem Leben als Showstar nachgehen und sich per Videobotschaft in die Verleihung der diesjährigen Oscars einzuklinken. Medientechnisch bleibt dieser Mann einfach nur brillant. Man darf davon ausgehen, dass mit jedem weiteren Tag, die Gaddafi uneinsichtig gegenüber seinen alten Geschäftspartner und Freunden ist, neue Szenarien, die ein militärisches Eingreifen rechtfertigen würden, aufgebaut werden. Auch hier muss man sich Fragen, wer in der Weltpolitik eigentlich, wie verrückt ist und da scheint Gaddafi gar nicht so alleine zu sein.

Westliche Terroristenfreunde?
Wenn Muammar al-Gaddafi ein solcher Terrorist, Schurke, wie auch immer man ihn jetzt nennt, ist und dies gilt in ähnlicher Form auch für seine tunesischen und ägyptischen Kollegen, muss man sich gerade auch in Europa und damit natürlich auch in Deutschland fragen, wie es zu bewerten ist, dass man mit all diesen Staaten und ihren Machthabern, all die Jahre so freundlich umgegangen ist und ob man sich so nicht zum Terroristenfreund gemacht hat. All die leidenden Menschen in der Region haben bis vor einigen Wochen doch von Rom über Berlin bis nach London scheinbar niemanden gestört, also warum jetzt. Auch hier kommt man natürlich immer wieder zu wirtschaftlich getragenen Antworten und zu der eben aufgeführten, jetzt nicht mehr passenden Rentabilitätsrechnung. Was man hier sieht, sind die ersten heißen Zeiten der Nachfolgeveranstaltung des Kalten Krieges, denn auch hierbei geht es um die Aufteilung der Macht auf dieser Welt. China hatte sich gerade auch in dem beschriebenen Bereich Nordafrikas in den letzten Jahren wirtschaftlich mehr und mehr etabliert, auch dies dürfte sich nun noch einmal ganz neu darstellen und man darf wohl annehmen, dass der Westen hier einiges von dem, was er in den letzten Jahren offensichtlich verschlafen hat, nachholen wird und man so den großen Gegenspieler der westlichen Welt ein erhebliches Stück zurückdrängt.

Man darf wohl behaupten, dass Gaddafi und seine Kollegen bzw. Ex-Kollegen vor Ort nur ein sekundärer Spielstein sind bzw. mehr und mehr waren, von den Menschen dort einmal ganz zu schweigen. Dies nicht so klar zu benennen, wie es tatsächlich ist, zeigt aber auch wieder, wie es um die heutige Medienwelt bestellt ist, die auch weiterhin den Mythos aufrecht erhält, es würde kein massiveres Flüchtlingsproblem durch diese Situation entstehen. Man tut dort gerade so, als ginge es nur um Nordafrikaner, was schlicht weg nicht stimmt und auch den etablierten Massenmedien nicht entgangen sein sollte oder man sich nach deren Berechtigung fragen sollte. Die viel massiveren Problem warten erst südlich der Sahara und wenn sich da erst einmal herumgesprochen hat, was sich für eine neue Situation im Norden ihres Kontinents ergeben hat, dürfte noch eine riesiges Problem auf Europa und hier vor allem auf die Europäische Union (EU) zu kommen. Wenn dieser Punkt erreicht ist, wird man sie wieder sehen und hören, all die überraschten Politiker und Journalisten, die nicht den Mut besitzen den Menschen jetzt schon zu sagen, dass dies der zukünftige Preis der Ausweitung des globalisierten Raubtierkapitalismus sein wird. Den Menschen in den betroffenen Gebieten sollte man dies so oder so nicht vermitteln, denn sonst könnten sie auf die Idee kommen, die aktuelle Situation wirklich für mehr Freiheit und tatsächliche Demokratie nutzen zu wollen und dies will im Westen doch scheinbar kaum einer wirklich.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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