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Die Wahrheit des Wortes

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Der verlorene Hirte

25. März 2010

Als könnte es für diesen Artikel nicht passender sein, ist genau am heutigen Tag in neun Monaten Weihnachten, das hohe christliche Fest. Heute wirkt es allerdings erst einmal so, als hätten nicht nur eine Menge Schäfchen in der katholischen Kirche ein Problem, sondern vor allem auch der Hirte. Denn der Hirtenbrief, den der Heilige Vater verschickte, war doch scheinbar gerade auch für die Christen in Deutschland eine Enttäuschung und ging in den Medien ziemlich unter. Es sieht fast so aus, als schwinde immer mehr das Interesse am Thema Kirche, was natürlich bei den Skandalen der letzten Wochen nur nachvollziehbar ist, allerdings sollte man die Missbrauchsfälle und deren Aufklärung sehr wohl im öffentlichen Auge behalten und mit Sicherheit nicht der katholischen Kirche alleine überlassen. Man fragt sich in diesen Tagen, ob von Papst Benedikt XVI. angefangen, die Kirche eigentlich mitbekommt, was sie durch ihr Verhalten in der Gesellschaft auslöst?

In Zeiten moralischen Verfalls
In der Wirtschaft hat man sich schon vor langer Zeit von Begriffen, wie zum Beispiel Ethik aber auch Moral verabschiedet. Es zählt einzig und allein die Gewinnmaximierung um jeden Preis. Manch einer hat lange Zeit auf die Politik gehofft, dass die Menschen dort, die Politiker, die Volksvertreter, ihrer Bezeichnung gerecht werden. Allerdings zeigt sich hier auch schon seit geraumer Zeit, dass man sich in der Politik scheinbar ganz und gar dem Weg der Wirtschaft verpflichtet fühlt. All diese Fakten kann man durchaus als den moralischen Bankrott einer Gesellschaft ansehen, denn natürlich ruft dieses Verhalten auch Reaktionen in der Bevölkerung hervor und diese treten in den verschiedensten Arten ans Tageslicht. Gewalt wird immer mehr zu einer Lösung, zu einem Ventil. Da kann man die gut 150 Anhänger von Hertha BSC, dem Hauptstadtclub, nehmen, die nach dem Abpfiff den Innenraum des Stadions stürmten und somit für Chaos sorgten oder man nimmt die aktuellen Zahlen aus dem Bundesinnenministerium. Laut diesen Zahlen nahmen im Jahr 2009 linksextremen Gewalttaten um 53,4 Prozent zu. Man sieht das hier klare Trends erkennbar sind.

Viele Menschen nutzen ihren Glauben, um mit den immer größer werdenden Problemen des Alltags fertig zu werden. Genau hier kommt nun die Kirche wieder ins Spiel, denn in einem christlich geprägten Land wie Deutschland, sind die katholische Kirche, sowie natürlich auch die evangelische Kirche noch immer so etwas, wie die Marktführer, um sich einmal am Sprachgebrauch der Wirtschaft zu bedienen. Zeigt sich aber nun, wie es im Moment vor allem in der katholischen Kirche durch die Missbrauchsfälle der Fall ist, dass man auch hier mit Begriffen wie Moral ähnlich umgeht, wie in der Wirtschaft und der Politik, wenden sich die Leute natürlich auch von dort ab. In manch sozialem Netzwerk gibt es mittlerweile schon Meldungen von Mitgliedern, die ganz offiziell bekannt geben wegen den Missbrauchsfällen aus der Kirche auszutreten. Die Kirchen sollten sich natürlich überlegen, wo dies alles im Kontext ihrer Bedeutung in einer Gesellschaft hinführt aber man sollte vielleicht auch an die Schäfchen denken und die hatten, vor allem in Deutschland, gerade auch im Zusammenhang mit dem aktuellen Hirtenbrief, auf ein Zeichen von Papst Benedikt XVI. gehofft, welches auch Deutschland konkret betrifft.

Irland abgelöst
Dieser mit Spannung erwartete Hirtenbrief vom Papst bezog sich allerdings rein auf die Missbrauchsfälle der katholischen Kirche in Irland. Laut Angaben des Vatikans geht es darum, dass man die Affäre in Irland mittlerweile als abgeschlossen und aufgearbeitet ansieht, währenddem dies in Deutschland noch nicht der Fall ist und man sich deshalb auch noch nicht in der Tiefe dazu äußern möchte. Ein scheinbar nicht ganz unbeabsichtigter Nebeneffekt dürfte es sein, dass man so natürlich die Fälle in den irischen Kirchen vom Rest ablöst. So versucht man scheinbar den Eindruck zu erwecken, dass es kein Systemproblem ist, welches neben Irland, Deutschland und auch Österreich, auch noch ganz Europa und viele weitere Teile der christlichen Welt tangiert. Nun versuchen verschiedene Geistliche es so zu erklären, dass man durchaus Teile des Hirtenbriefs vom Oberhirten aus Rom auch ganz allgemein sehen kann und er so natürlich auch für Deutschland gelten würde. Man muss allerdings festhalten, dass man dieses Problem hätte ganz einfach lösen können, in dem man die Gläubigen in diesem Land auch direkt angesprochen hätte aber das wollte man eben nicht. So wie es bislang lief, muss man nun aber scheinbar beim Papst selbst vom verlorenen Hirten sprechen und fragt sich, wie so jemand seine Schäfchen beisammen halten möchte.

Die Kirchen hatten immer wieder ihre Chance zu zeigen, dass sie sich wirklich im Positiven vom Rest der Gesellschaft absetzen, haben allerdings gerade auch in der jüngsten Zeit immer wieder bewiesen, dass auch bei ihnen scheinbar das meiste sehr weltlich abläuft, beginnend von den Missbrauchsfällen über das politische taktieren bis hin zu den finanziellen Gedankengängen, die es bei manch einem scheinbar gibt, wenn es um die finanzielle Wiedergutmachung der Opfer geht. Man muss somit festhalten, dass man den Kirchen genauso eine Mitschuld am Verfall unserer Gesellschaft unterstellen kann, wie man es auch bei der Wirtschaft und der Politik tut. Der Glaube hilft den Menschen, ob sie dafür eine Religion brauchen und welche es sein könnte, muss jeder individuell für sich entscheiden. Scheinbar stellen allerdings immer mehr Menschen fest, dass sie keine Institution, wie zum Beispiel die katholische Kirche dafür brauchen, vor allem nicht wenn sich die hier vorzufindenden Mechanismen am Ende des Tages kaum von denen der Wirtschaft und Politik unterscheiden. Genau diese Mechanismen machen immer mehr Menschen zu schaffen und so versucht man sie natürlich, wo es nur geht zu meiden, egal ob in der Wirtschaft durch Konsumverzicht oder aber in der Politik durch Ignoranz und dadurch immer weiter sinkende Wahlbeteiligungen oder eben in der katholischen Kirche durch austritt.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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