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Die Wahrheit des Wortes

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Der Untergang der Deutschland AG

7. Mai 2009

Da gibt es in dieser Woche doch wieder richtig spannende News aus der Wirtschaft und der Politik aber auch aus dem Bereich der Forschung. Alle diese News haben eine Gemeinsamkeit, sie zeigen in voller Bandbreite auf, wie groß das Versagen im ehemaligen Land der Dichter und Denker doch ist. Durch die Hintertür wird Stück für Stück deutlich, wie es wirklich um das deutsche Vorzeigeunternehmen Porsche steht. Das Wahlgeschenk an 20 Millionen Rentner zeigt wieder sehr schön, wie man Politik ohne nachzudenken macht und das in Deutschland Millionen dafür ausgegeben werden müssen, deutsche Forscher wieder zurück in ihre Heimat zu holen, zeigt wie verfehlt die deutsche Forschungspolitik in den letzten Jahre und Jahrzehnten war. Wer aber nun meint, dass grundlegend neue Wege eingeschlagen werden, um diesem Land langfristig zu helfen, liegt leider falsch.

Denken scheint vielfach reine Glückssache zu sein

Porsche war einer der letzten verbliebenen Sterne am Himmel der Deutschland AG. Machten andere Konzerne, wie zum Beispiel Siemens und Daimler im wieder Negativschlagzeilen mit Schmiergeldskandalen, misslungen Fusionen und ähnlichem, strahlte Porsche selbst zu Beginn der Weltwirtschaftskrise noch. Der Porschechef Wendelin Wiedeking war ein immer wieder gern gezeigtes Beispiel, wie man auch als deutsches Unternehmen sehr gut in der Krise bestehen kann. Jetzt zeigt sich auch hier langsam die Wahrheit und man erkennt, auch dieses Unternehmen ist von Schulden gebeutelt und es geht nun auch nicht mehr um die lange angestrebte Übernahme von Volkswagen, sondern eher kleinlaut um eine Fusion, an dessen Ende man wohl eine von vielen Marken in einer großen Holding sein wird. Natürlich wird auch diese Nachricht als positiv für den Markt verkauft und der Abbau von Arbeitsplätzen ausgeschlossen. Die Realität bei solchen Megafusionen ist allerdings meistens eine andere. Ein schlüssiges Konzept, wie hier vermieden werden soll, dass noch mehr Menschen ihre Jobs in Deutschland verlieren, liegt übrigens noch nicht vor. Was diese Fusion für den Automobilmarkt heißt, der sich scheinbar wirklich in die Richtung entwickelt, die Sergio Marchionne von Fiat prophezeit hat, dass es am Ende des Tages nur noch vier bis fünf Automobilgroßkonzerne geben wird, kann man sich ausmalen. Auch auf diesem Sektor geht immer mehr wirtschaftliche Vielfalt verloren.

Aber wie gesagt, nicht nur im Bereich der Wirtschaft werden Highlights des Wahnsinns gesetzt, auch die Politik kann hier durchaus Schritthalten. So gibt es nun eine neue Klausel in der Rentenformel. Diese soll dafür sorgen, dass die Renten in Deutschland nie wieder sinken. Die Renten sind an die Einkommen gekoppelt und somit würden die Renten sinken, wenn die Einkommen, zum Beispiel auf Grund der aktuellen Weltwirtschaftskrise, sinken. Was kostet das? Gar nichts! Olaf Scholz (SPD) der amtierende Bundesminister für Arbeit und Soziales, geht einfach Mal davon aus, dass die Einkommen nicht sinken werden und die Klausel so gar nicht zur Anwendung kommt, deshalb hat man eventuelle Kosten auch erst gar nicht berechnet. Bei einer solchen Politik wird man das Gefühl nicht los, dass denken hier nur noch reine Glückssache ist. Der Ansatz ist allerdings ein guter Bekannter, denn mit dieser Argumentation, wurden schon Milliarden an Bürgschaften vergeben, die auch alle nichts kosten sollen, da sie niemals gezogen würden. Wenn alles so sicher ist, wie es die Volksvertreter ihren Wählern gerne verkaufen wollen, stellt sich nur die Frage, warum diese Schritte überhaupt notwendig sind. Natürlich muss man in dieser weiteren Veränderung der Renteklausel, die diese, laut einem Kommentar in den tagesthemen der ARD, zu einem Witz werden lässt, schlichtweg als ein Wahlgeschenk an 20 Millionen stimmberechtigter Rentner sehen aber ob dafür das Risiko gerechtfertigt ist, darf mehr als bezweifelt werden.

Forscher als Re-Import

All diese Gelder, die hier zu mindesten als Risikokapital zur Verfügung gestellt werden, werden im schlimmsten Fall später wieder an anderer Stelle, wie zum Beispiel im Bereich der Bildung und Forschung, fehlen. Dies bedeutet die Regierung nimmt die Vernichtung der Zukunft dieses Landes auf lange Jahre hin in Kauf. Denn die Folgen einer verfehlten Bildungs-und Forschungspolitik kann man auch diese Woche sehr deutlich sehen. Mit der Alexander-von-Humboldt-Professur holt man für einen Etat von 40 Millionen Euro, acht Eliteforscher nach Deutschland. Interessanterweise stammen laut ZDF davon 75 Prozent so oder so ursprünglich aus Deutschland und werden nun für teures Geld wieder zurückgeholt. Neben dem Geld, ist es vielfach aber auch das Forschungsumfeld, welches die Eliten des Landes ins Ausland treibt. Aber auch hier scheint man nichts ändern zu wollen und wenn man sich den Zickzackkurs der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner (CSU) anschaut, erkennt man dies sehr deutlich. Genmais wird verboten und die Genkartoffel darf nun angebaut werden. Da wundert es niemanden, dass auch die Genforschung ein Bereich ist, in dem Deutschland immer mehr den Anschluss verliert. Da wir aber zukünftige Generationen im Moment so oder so mit Schulden überhäufen, kommt es auf ein paar Millionen mehr, die man zukünftig dann wieder in die Hand nehmen muss, um diese Forschungsverluste aufzuholen, auch nicht mehr an. Es ist erschreckend, wie hier mit einer gewissen Systematik von der Wirtschaft über die Politik bis hin zur Forschung und Bildung, die Chancen von vielen Generationen vernichtet werden, nur um die früheren Fehler der Politik, der Eliten und Experten dieses Landes zu komprimieren.

An der aktuellen Situation in der wir in Deutschland stecken, zeigt sich sehr schön das Versagen der Politik in der Vergangenheit, für welches die heutige Gesellschaft bluten darf. Nun feiert die Bundesrepublik Deutschland gerade ein Mal ihren 60. Geburtstag und man könnte positiv anmerken, dass es sich bei solchen Fehlern, um so etwas wie Kinderkrankheiten in einer jungen Republik handelt. Dies wäre allerdings nur dann zulässig, wenn man nun auch nachhaltige, positive Veränderungen vornehmen würde und nicht weiter auf diesem Kurs bleiben würde und so auch noch zukünftige Generationen mit nach unten zieht. Wenn man sich nun auch noch überlegt, dass die Spitze der Arbeitslosigkeit in Deutschland noch nicht ein Mal im Ansatz erreicht ist und wie viele Verluste hier noch auf die Sozialsysteme, aber auch auf die Binnenkonjunktur zu kommen, kann man schon ein Mal ein wenig Angst bekommen. Diese wird natürlich auch noch dadurch verstärkt, dass man davon ausgehen muss, dass die Zahlen die aktuell im Umlauf sind, doch eher auf scheinbar übertrieben optimistischen Szenarien basieren und somit wohl in den nächsten Monaten wieder Stück für Stück nach unten korrigiert werden müssen. Der Vorteil dieser Salamitaktik, man kann so versuchen das Versagen der Regierung bis nach den Bundestagswahlen im Herbst zu kaschieren und so natürlich Stimmverluste minimieren. Es ist ein gefährlicher Plan der dort vollzogen wird und mittlerweile warnt auch nicht mehr nur noch fairschreiben.de vor sozialen Unruhen in Deutschland, die natürlich im schlimmsten Fall die Folge dieser Entwicklungen sein könnten.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

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