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Die Wahrheit des Wortes

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Der Traum vom Sommermärchen

15. Juni 2010

Am Wochenende siegte Deutschland 4:0 gegen Australien bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika und der Jubel war unglaublich groß. Er war sogar so laut, dass man darüber fast überhören konnte, dass es nun auch in Berlin immer mehr Stimmen gibt, die eine Vertrauensfrage der Kanzlerin Angela Merkel (CDU) fordern. Neuwahlen? Gute Idee, dann haben wir demnächst die Verhältnisse, die wir im Moment in Nordrhein-Westfalen haben, in ganz Deutschland und dies würde bedeuten, dass es nicht nur politischen Stillstand in Düsseldorf, sondern gleich in ganz Deutschland geben würde. Vielleicht sollte man das Parlament gleich abschaffen und direkt ein Staatsoberhaupt wählen, welches alle Funktionen in einer Person verkörpert. Zu Risiken und Nebenwirkungen, schauen sie bitte in die Geschichtsbücher.

90 Minuten Aufschwung
Nachdem Sieg am Sonntag blockierten einige Hunderte in Köln die Ringe, dies ist nichts wirklich ungewöhnliches und die Polizei wirkte auch nicht überrascht. Die Stimmung war oberflächlich betrachtet sehr ruhig und alles löste sich auch irgendwann von alleine auf aber es war sehr interessant, was die Menschen dort erzählten. Man muss sich überlegen, man redet vom ersten Sieg gegen ein Team, welches man nicht wirklich zu den Favoriten des Turniers zählen konnte und trotzdem erfüllt es die Menschen mit einem Stolz, als hätten sie die 19. Fußballweltmeisterschaft, die erste auf dem afrikanischen Kontinent, auch gleich gewonnen. Brot und Spiele scheint an dieser Stelle wirklich wieder einmal sehr gut zu funktionieren. Nach 90. Spielminuten scheint auch der letzte den Aufschwung im Land zu spüren. Wen interessieren da schon Fakten, wie der Niedergang der Regierung oder ähnliches, Hauptsache wir haben ein Sommermärchen.

Die Motivation der Menschen hier mit Siegeshymnen ein Zeichen für Deutschland zu setzen war schon groß und das obwohl es bislang eher so schien, als würde genau dies den Menschen im Land so schwer fallen. Nun muss man natürlich auch einräumen, dass es am Wochenende auch noch andere Zeichen im Land gab und die Menschen, auch dort auf den Straßen der Republik, ihre Meinung zeigten und die ist klar gegen die Bundesregierung und die Politik des Kahlschlag im Sozialstaat. Nun ist die WM 2010 Mitte nächsten Monat schon wieder vorbei, die Euphorie der Menschen könnte dann auch ganz schnell verfliegen, vielleicht würde sie bei einem Weltmeistertitel noch etwas länger anhalten aber grundlegend muss man festhalten, dass auch hier die Realität wieder Einzug halten wird und die ist in Deutschland keine rosige, denn der gerne beschworene Aufschwung, kommt bei der Masse der Menschen nicht an. Der Verweis auf die positive Entwicklung  am Arbeitsmarkt, hinkt durch die Kurzarbeit natürlich auch massiv. Was bleibt sind Schulden, die nun der Bürger tragen soll.

Das demografische Problem
Wir reden in diesem Staat noch immer von der größten Staatsverschuldung seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland und wirkliche Besserung scheint noch nicht in Sicht zu sein. Denn ganz davon abgesehen, dass wohl kaum alle Sparmaßnahmen der Regierung greifen werden, wobei hier natürlich ein besonderer Blick den Maßnahmen im Kontext der Wirtschaft gilt, können auch ganz schnell neue Milliarden, zum Beispiel im Zusammenhang mit der Rettung des Euros, auf das Land zu kommen. Man darf aber auch dann davon ausgehen, dass dem Staat neue Ideen kommen werden, wie der Bürger dann sparen kann. Aber genau dieses System wird nicht mehr lange funktionieren, denn die Bürger sind es nach Jahren oder viel mehr Jahrzehnten die es mittlerweile so läuft satt und zusätzlich ist auch eine Schmerzgrenze erreicht, die für viele nicht mehr erträglich ist. Auch dies hörte man bei der Siegesfeier zum deutschen Auftaktsieg oft durch, dass sich endlich etwas zum Besseren wenden muss und hier verbinden viele Menschen natürlich den Fußball mit der Realität.

Spielt Deutschland gut und siegt hoch, wird der Rest schon von ganz alleine, ist eine vielfach zu hörende Meinung gewesen. Wenn man nun aber auch noch in Betracht zieht, dass die Probleme im Kontext der Bevölkerungsentwicklung, gerade auch in Deutschland in den nächsten Jahren nicht besser werden wird, wenn sich nicht gravierende etwas verändert, scheint die Tendenz nicht wirklich gut. Die Sozialkassen werden es so wie es im Moment läuft nicht im Ansatz auffangen können, was dann natürlich am Ende des Tages zu noch viel mehr Armut führen wird. Dies sind Probleme, die sich wohl kaum mit einem Weltmeistertitel, von dem man auch noch sehr weit entfernt ist, beheben lassen werden. Der Frust wird groß sein, wenn es wirklich ein Sommermärchen in Südafrika, wo es wohl eher Wintermärchen wäre, geben sollte und die Menschen realisieren, dass dies ihre Situation nicht wirklich verändert. Politik wird nun einmal noch immer in Berlin gemacht und so schön die Freude über das Nationalteam auch ist, sollte man bei alldem den Protest gegen genau diese Politik nicht aus dem Auge verlieren.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Sport

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