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Die Wahrheit des Wortes

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Der Tod der Demoskopin

29. März 2010

Ende letzter Woche verstarb im Alter von 93 Jahren die Gründerin des Allensbacher-Instituts und Pionierin der Demoskopie Elisabeth Noelle-Neumann. Im Jahr 1946 war sie in den schönen Bodenseeort Allensbach gezogen, wo sie ein Jahr später das erste deutsche Meinungsforschungsinstitut gründete und damit begann revolutionäre Arbeit auf diesem Gebiet zu leisten. Allensbachs Bürgermeister Helmut Kennerknecht teilte der dpa am Freitag mit, dass sie am Mittwoch, natürlich in einem Ehrengrab, beigesetzt würde, da ihr diese Ehre als Ehrenbürgerin der Stadt zu stünde. Mit Noelle-Neumann verliert die Republik ein weiteres intellektuelles Urgestein, welches für großer Veränderungen in Deutschland stand. Sie war aber auch immer ein Beweis dafür, dass es auch Frauen in Deutschland möglich ist, es nach ganz vorne zu bringen, auch wenn der Weg lang und steinig ist. Wie wichtig ihre Arbeit auch für die Meinungsbildung in Deutschland war und ist, zeigt dieser Artikel.

Ein erfolgreicher Weg
Elisabeth Noelle-Neumann wurde am 19. Dezember 1916 in Berlin geboren. Die Grande Dame der Demoskopie, wie man sie auch liebevoll nannte, hatte schon früh einen Bezug zum Bodensee aufgebaut, da sie ab 1933 das weltberühmte Internat Salem besuchte. So war es auch nicht sehr überraschend, dass sie in Allensbach am Bodensee im Jahr 1947 das mittlerweile weltweit renommierte Institut für Demoskopie (IfD) gründete. Schon drei Jahre später, also ab dem Jahr 1950 konnte sie die Bundesregierungen, unabhängig von deren Zusammensetzung, zu ihren Kunden zählen. Man kann wohl sagen, dass ihr Hauptimpuls von George Gallup ausging, dessen Methode der repräsentativen Meinungsforschung sie während des Studiums in den USA kennen lernte. Später im Jahr 1939 in Berlin verfaste sie auch ihre Dissertation über dieses Thema. Somit war der Grundstein für eine der großen Karrieren in der Wirtschaftswunderzeit gelegt. Ihre Art der Erhebungen hatten und haben natürlich bis zum heutigen Tag Einfluss auf die Meinungsbildung in Deutschland und manchmal wünscht man sich sogar noch ein wenig mehr dieser repräsentativen Umfragen. Denn leider sind auch aktuell noch viele Umfragen nicht repräsentativ, was bedeutet ihre Aussagekraft ist nur sehr bedingt zu nutzen.

Man muss sich zum Beispiel nur die privaten, deutschen Nachrichtensender ansehen, auf denen es fast täglich Umfragen zu mehr oder minder aktuellen Themen gibt. Diese telefonischen Umfragen sind natürlich nicht repräsentativ und ihre Ergebnisse verfolgen doch scheinbar sehr häufig ein gewisses Ziel, welches man zu den einzelnen Themen transportieren möchte und genau hier liegt die Gefahr. Denn eine solche Art der Meinungsbildung ist doch sehr gefährlich. Noelle-Neumann ist natürlich auch in Politikerkreisen hoch angesehen und zählt unter anderem zum engen Freundeskreis von Helmut Kohl, der in den nächsten Tagen übrigens seinen 80. Geburtstag feiern wird. Auch solche Freundschaften versuchte man ihr manchmal anzulasten. Sie bzw. ihr Institut waren allerdings 1998 ironischerweise auch die einzigen die vorhersagten, dass Helmut Kohl nicht länger Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland sein sollte. Genau solche Menschen und ihre Karrieren, wie die einer Noelle-Neumann, sucht man leider in unserer heutigen Zeit vielfach vergeblich, auch wenn es selbst in ihrer Karriere auch dunkle Schatten gab.

Ihr dunkelstes Kapitel
Wie bereits erwähnt besuchte Elisabeth Noelle-Neumann das Internat Salem am Bodensee und war sehr glücklich über die Ansprachen des Internatsgründers Kurt Hahn, denn diese hielten sie weitestgehend von den Nazis fern und sorgten so dafür, dass sie sich aus ihren Angelegenheit raushielt und nur so wenig wie möglich mitmachte. Allerdings muss man auch einräumen, dass dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte auch einen dunklen Schatten auf ihre Karriere fallen ließ, denn zum Teil machte sie eben doch mit und schrieb antisemitisch eingefärbte Artikel für `Das Reich`. Hierbei handelte es sich um eine vom damaligen NS-Propagandaminister Joseph Goebbels kontrollierte Wochenzeitung. Außerdem war Noelle-Neumann Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft nationalsozialistischer Studentinnen. Man kann sich vorstellen, dass genau diese Stationen ihres Lebens in den verschiedenen, folgenden Jahrzehnten ihrer großartigen Karriere immer wieder zu einem kontroversen Umgang mit ihrer Person geführt haben. Aber all dies konnte ihre kometenhafte Karriere und den ungebremsten Erfolg ihres Institutes nicht bremsen oder gar aufhalten.

Natürlich kann man die damalige Zeit nicht mit der heutigen Zeit vergleichen und es würde wahrscheinlich auch nichts bringen, da jede Zeit ihre Vorteile, wie auch Nachteile mit sich bringt aber trotzdem vermisst man ein solch innovatives Verhalten, einen solchen Drang etwas neues in Deutschland zu etablieren, in der heutigen Zeit sehr häufig. Genau solche Menschen, wie eben Elisabeth Noelle-Neumann braucht Deutschland, um international nicht völlig den Anschluss zu verlieren. Natürlich gehört sehr viel Risikobereitschaft, also Mut dazu einen solchen Weg zu gehen aber wie man an diesem Beispiel sehr schön sieht, kann es sich auch auszahlen. Mit Noelle-Neumann hat schon wieder eine ganz große Persönlichkeit diese Welt verlassen und das ist sehr schade, denn Deutschland, Europa, um nicht zu sagen letztendlich die ganze Welt, braucht solche Persönlichkeiten und deshalb ist es auch immer so traurig, wenn solche Menschen versterben. Immerhin wird sie durch ihr Institut und durch all das was sie in ihrem Leben sonst noch geschaffen hat, weiterleben und man sollte mit ihrem Erbe auch in ihrem Sinne umgehen, dass ist man dieser großartigen Frau einfach schuldig.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik

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