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Die Wahrheit des Wortes

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Der Thailandurlaub des Josef Fritzl

30. April 2008

Immer weitere Details werden im Inzestfall von Amstetten bekannt. Die Staatsanwaltschaft der niederösterreichischen Landeshauptstaat St. Pölten ermittelt mittlerweile unter anderem wegen Blutschande, Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und weiteren Delikten gegen Josef Fritzl. Wobei man davon ausgehen muss, dass die gesamte Tiefe der Tat noch nicht ein Mal im Ansatz ans Tageslicht gedrungen ist. Immer neue Details werden nach und nach bekannt und dies erstaunt vor allem auch in dem Kontext, dass all dies 24 Jahre lang geschehen konnte, ohne dass es Mitwisser bzw. Mittäter gab. Am heutigen Tag sorgt vor allem ein Urlaubsvideo von dem 1935 geborenen Josef Fritzl für Aufmerksamkeit. Denn auch dieses Video wirft weitere Fragen auf.

Zerstörte Leben

Eigentlich handelt es sich bei dem angesprochenen Videoband, um ein ganz normales Urlaubsvideo aus Thailand. Da man aber im Fall von Amstetten, mittlerweile bei so gut wie gar nichts mehr von Normalität sprechen kann, ist auch dieses Video ein weiterer Beweis der Perversion. Denn während sich Josef Fritzl in Thailand massieren ließ und Schweinshaxe aß, waren seine Opfer, in dem als Luftschutzraum genehmigten Kerker, gefangen. Natürlich entstehen so auch Fragen danach, wie die Opfer in den gut drei Wochen des Urlaubs versorgt worden sind. Eine Theorie hierzu besagt, dass Josef Fritzl seine Opfer vorher mit ausreichend Nahrung versorgt hatte. Natürlich bleibt hier auch viel Platz für Spekulationen, ob es nicht doch Mitwisser und somit Mittäter gab. Laut Medienberichten wird nun auch gegen seinen Sohn ermittelt, der angeblich auch einen Kellerschlüssel hatte.

Wie Günther Mörwald, Direktor des Gefängnisses in St. Pölten, wo der Täter wohl bis zum Prozessbeginn einsitzt, verlauten ließ, wirkte Josef Fritzl ruhig und gefasst. Diese Auffassung teilt sein Anwalt Rudolf Mayer naturgemäß nicht und spricht von einem emotional gebrochenen Mann, dessen Schuldfähigkeit nun erst ein Mal geprüft werden müsse. In solchen Situationen kann man schon ein Mal das Gefühl erlangen, dass die Tat nur grausam genug sein muss, um dann auf strafmildernde Umstände plädieren zu können. Man muss sich überlegen, wie gebrochen die Opfer sein dürften, nach dem sie zum Teil noch nie in ihrem Leben die Welt gesehen haben, Wind gespürt haben oder soziale Kontakte hatten. Wie im ersten Artikel über dieses grausame Geschehen schon berichtet, geht es natürlich um noch wesentlich mehr als nur um die schreckliche Tat selbst.

Die Schuld der Gesellschaft

Unter Hochdruck werden nun Schuldige gesucht. Menschen die all dies mitzuverantworten haben. Es bleibt die Frage offen, ob zum Beispiel den Behörden nichts hätte auffallen müssen. Laut Medienberichten, handelt es sich bei Josef Fritzl immerhin um einen verurteilten Sexualstraftäter. Eine weitere offene Frage ist, wie er es wohl alleine geschafft haben soll, die über 300 Kilogramm schwerer Tür in das Gefängnis einzubauen. Man darf davon ausgehen, dass dieser Fall noch viel weitere Kreise ziehen wird, als man es heute erahnen mag. Denn man kann sich kaum vorstellen, dass niemand, weder die Familie, noch Nachbarn noch Mitbewohner etwas von diesen unvorstellbar schrecklichen Taten mitbekommen haben sollen. Außerdem muss man auch festhalten, dass all dies in einer scheinbar völlig intakten Gesellschaft Mitten in Europa stattfand. Was natürlich wieder Fragen zum Zustand der heutigen Gesellschaft im Allgemeinen aufwirft.

In den 1980ern wurde ein junges Mädchen vergewaltigt und ermordet. Diese Straftaten fanden dort statt, wo Josef Fritzl bis vor über 10 Jahren eine Pension betrieben hat. Da dieser Fall bis heute nicht aufgeklärt werden konnte, gehen die Ermittlungsbehörden nun auch dem Verdacht nach, dass Josef Fritzl auch hinter dieser Tat stecken könnte. In Bezug auf das zu erwartende Strafmaß ist dies aber auch zweitrangig, denn immerhin ist der Täter 73 Jahre alt und hat damit so oder so eine sehr überschaubare Lebenserwartung. Deshalb ist es umso wichtiger sich jetzt auf die Opfer und deren weiteres Leben zu konzentrieren. Man darf nur hoffen, auch wenn es im Moment nicht danach aussieht, dass mit den Opfern schonender umgegangen wird, als mit den Opfern oder den Angehörigen anderer schwerer Straftaten. Aber auch dies ist in der heutigen Medienlandschaft eher nicht zu erwarten und so überrascht es auch nicht, dass schon Fotos von den drei in Freiheit aufgewachsenen Inzestopfern durch die Medien gehen.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Tina // 15. Mai 2008 at 05:15

    Es ist keine Überraschung das dieser Fall so viele Menschen bewegt. Wenn man sich die Details in diesem Artikel erst einmal vor Augen hält kann einem richtig schlecht werden. Da war dieser Mann in Thailand während in seinem “Verlies” die eigene Tochter mit ihren Kinder vegetierte. Da fragt man sich doch ernsthaft welche Strafe für so einen Menschen angemessen sein kann?

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