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Die Wahrheit des Wortes

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Der Tag an dem in der EU das Licht ausgeht

28. Mai 2009

Auch dieser Tage ist die Europäische Union (EU) wieder in aller Munde. Während man in Deutschland seit Jahren, meist ohne größeren Erfolg, versucht die Bürokratie einzudämmen und abzubauen, wächst hier ein noch viel größeres Bürokratiemonster heran. Ganz abgesehen von den vielen Neuerungen, die uns allen die EU beschert, hat sie auch ein massives Kommunikationsproblem. Die Kombination dieser verschiedenen Negativkomponenten führt dazu, dass sich viele Bürger der EU, nicht wirklich mit ihr identifizieren können und sich Fragen, wo eigentlich die großen Vorteile für die Menschen liegen sollen. Am 7. Juni sind nun  unter anderem die Deutschen, als ein Teil von insgesamt 365 Millionen Menschen, aufgerufen ihre Stimme für Europa abzugeben. Wie unpopulär dies ist, zeigt auch die Tatsache, dass in Deutschland seit Wochen Werbetrailer laufen, die dazu aufrufen überhaupt zur Wahl zu gehen. Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, dass wohl auch dies Mal die Wahlbeteiligung gering ausfallen wird.

Wählen bis das Ergebnis stimmt

Nehmen wir den Volksentscheid der Iren gegen den Lissabonner Vertrag. Das Volk dürfte abstimmen und hat sich klar in einer demokratischen Wahl entschieden und zwar gegen die Ratifizierung des Vertrages von Lissabon. Dies nimmt man aber in der EU so nicht hin und will die Abstimmung nun wiederholen. Natürlich ist es auch eine Möglichkeit so lange abzustimmen, bis man das Ergebnis hat, welches den politischen Führern der EU passt, allerdings kann man bei einem solchen Verfahren wohl kaum von großartiger Demokratie sprechen. Natürlich muss man es als positiv bewerten, dass es in Irland überhaupt eine Volksabstimmung zu diesem, vor allem auch die Bürger betreffenden, Thema gab, denn in den meisten anderen EU-Staaten, die sich allesamt demokratisch nennen, haben solche Abstimmungen gar nicht erst stattgefunden. Es hat den Anschein als hätte man Angst vor der Meinung des Volkes und lässt sie deshalb nicht mitentscheiden, auch dies ist nicht gerade im Sinne der Demokratie.

Es hat den Anschein, als dürfte die Bevölkerung der EU an den Stellen mitentscheiden, in denen man keine großartigen Abweichungen vom bestehenden System befürchtet. In Fragen, die allerdings für das gesamte System relevant sein könnten, scheint man Volkesmeinung zu scheuen, wie der Teufel das Weihwasser. Da darf es niemanden wundern, wenn zum Beispiel gerade auch in den ehemaligen Ostblockstaaten eine hohe Skepsis gegenüber der EU besteht, da man sich hier noch immer freut, nicht mehr unter dem Joch Moskaus zu stehen und natürlich auch kein Interesse daran hat, dass sich so etwas in einer ähnlichen Art nun wiederholt. Hier wird eine Union geschmiedet, die immer weiter wächst, das Paradebeispiel der Globalisierung. Das große Problem ist nur, dass uns gerade die Weltwirtschaftskrise zeigt, dass hemmungslose Globalisierung auch durchaus Schattenseiten hat und nicht alles Gold ist, was glänzt. Die aktuellen Gedankenspiele der EU im Kontext zur Erweiterung reichen bis an den Irak und in den Kaukasus. Man darf bezweifeln, dass all dies, gerade auch in dieser an den Tag gelegten Rekordgeschwindigkeit, der Gemeinschaft noch gut tut.

Die gute alte Glühbirne

Bis 2012 soll die Glühbirne als Stromfresser aus der EU verbannt worden sein. Auch dies zeigt wieder wer in Europa regiert, wenn es um Fragen geht, die vor allem die Bevölkerung angeht. An solchen Stellen reden wir nicht mehr von nationalstaatlichen Entscheidungen, sondern von einem multinationalen, offensichtlich von Lobbyisten geführtem Oberorgan. Es gibt innerhalb, wie auch außerhalb der EU, ausreichend Experten, die eine Abschaffung der Glühbirne für absoluten geistigen Abfall halten. Wie die Bevölkerung zu so einem Verbot steht, zeigen die massiven Hamsterkäufe, die man durchaus als klares Veto gegen das Verbot ansehen muss. Wäre man Verschwörungstheoretiker könnte man glatt noch einen Schritt weitergehen und meinen, dass der Plan hinter alldem sei, eine träge, depressive und gut steuerbare Masse zu schaffen, um noch mehr unsinnige Politik durchsetzen zu können. Denn das Licht der nun geförderten Energiesparlampen ist mit dem einer Glühbirne einfach nicht zu vergleichen, auch das ist ein Fakt. Aber auch dieser Fakt scheint niemanden zu interessieren und so geht in der EU schon bald das Licht aus. Wenn das Mal kein schlechtes Omen ist.

Alles in allem bleibt festzuhalten, dass die EU weit von dem entfernt ist, was sie vorgibt zu sein und die EU sollte sich glücklich schätzen, wenn sich die Unzufriedenheit ihrer Bürger nur durch das Fernbleiben von der Wahlurne zeigt, denn auch hier gibt es eine ausreichende Anzahl an Experten, die der EU in ihrer heutigen Form vor allem attestieren, dass sie nicht alt wird. Vielleicht ist auch dies ein Grund für die Geschwindigkeit der Expansion, denn desto mehr Länder ein Mal dabei sind, desto schwerer fällt es Einzelstaaten in der Region komplett eigenständig zu sein. Es baut sich ein gewisser Gemeinschaftsdruck auf. Man sieht an diesem Artikel, wo die EU ansetzen muss, sie muss vor allem bürgernäher werden und sich viel mehr für die Interessen der Gesellschaft einsetzen, anstatt sich, wie es scheinbar im Moment der Fall ist, ganz und gar den Interessen der Lobbyisten zu verschreiben und dies dann als Volkeswille zu verkaufen. Es ist davon auszugehen, dass auch diese Europawahlen wieder zeigen werden, dass die EU in ihrer jetzigen Struktur auf dem Holzweg ist. Aber vielleicht geht irgendwann, auch ganz ohne Glühbirnen, den Mächtigen ein Licht auf.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Medienpirat // 29. Mai 2009 at 15:41

    Die Sparlampe bringt sehr wohl etwas. Ich selbst nutze seit 1999 Sparlampen und habe zum großen Teil nur postitive Erfahrungen gemacht.

    Und die Lichttemperaturen haben die Markenhersteller Osram & Philips auch sehr gut im Griff.

    Qualität kostet halt wie überall ein bischen mehr.

    Umwelttechnisch, stromspartechnisch & geldspartechnisch hat die Sparlampe in Summe nur Vorteile.

    Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Sparlampe

    P.S.: Auch was dass Quecksilber betrifft, besonders in jenen Ländern mit viel Kohlekraftwerken

    (Trotz des Quecksilbergehalts in den Leuchtstofflampen selbst, sinkt durch den Einsatz von Leuchtstofflampen die mit der Beleuchtung verbundenen Quecksilberemissionen im Vergleich zu Glühlampen auch bei nicht korrekter Entsorgung deutlich, da bei der Kohleverstromung ebenfalls große Mengen Quecksilber freigesetzt werden, siehe Abschnitt Umweltschutz.).

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